Österreich

Regierung verkündet drastische Maßnahmen wegen Coronavirus

Der Kampf gegen das neue Coronarvirus hat zu drastischen Maßnahmen seitens der österreichischen Bundesregierung geführt: Bis 3. April werden größere Veranstaltungen inklusive Demos verboten. Es gibt einen Einreisestopp aus Italien, nur Österreicher sollen zurückgeholt werden. Unis schließen ebenfalls. In Österreich gab es am Dienstagabend 183 Personen, die sich nachweislich infiziert haben.

"Heute ist es soweit", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) bei einer Pressekonferenz in Wien. Nun sei der Tag gekommen, an dem Einschränkungen im öffentlichen Leben notwendig werden würden, kündigte er die Maßnahmen der Regierung an. Die Zahl der Infizierten in Österreich sei zwar vergleichsweise gering, die Zuwachsraten machten ein Handeln aber notwendig, betonte Kurz.

Die Maßnahmen der Regierung gliedern sich in mehrere Bereiche. Erstens solle die Einschleppung aus Italien verhindert werden, sagte Kurz. Daher gelte ab sofort ein Einreisestopp, die Grenzen werden dicht gemacht. Weiters müsse die Verbreitung in Österreich eingedämmt werden. Das bedeute unter anderem, dass alle Outdoor-Veranstaltungen über 500 Teilnehmer bis Anfang April abgesagt werden, ebenso alle Indoor-Veranstaltungen über 100 Teilnehmer. Das gilt natürlich auch für die Gastronomie. Ab Montag kommender Woche soll es zudem an Universitäten und Fachhochschulen keine Lehrveranstaltungen mehr geben, teilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) mit.

Auch in den Schulen dürften Maßnahmen folgen. In einem Schreiben wurden Schuldirektoren ersucht, sich aufgrund des Coronavirus auf Schulschließungen präventiv vorzubereiten. Den Schulleitern wurde außerdem empfohlen, dass Ausflüge, Reisen und Schulveranstaltungen ab sofort bis auf Weiteres ausgesetzt werden. Wann es tatsächlich zu Schulschließungen kommt, ist aber noch unklar.

Das Verbot von Veranstaltungen über einer bestimmte Größe bedeutet für den Kulturbetrieb einen regelrechen Shut Down. Noch im Laufe des Dienstag haben alle größeren Theater, Konzert- und Opernhäuser des Landes Absagen bekanntgegeben, die bereits am Abend in Kraft traten. Aber auch der Wiener Stephansdom stellte wegen des Coronavirus bis auf weiteres den Tourismusbetrieb ein. Der Sport ist ebenfalls betroffen: Die Erste Bank Eishockey-Liga (EBEL) etwa wird die Saison vorzeitig beenden, es wird kein Meister gekürt.

Anschober betonte die Dringlichkeit der Maßnahmen. "Wir können dieses Land nicht unter einen Glassturz stellen", sagte er. Wichtig wäre es allerdings, Zeit zu gewinnen. Die Regierung sei bemüht, das Richtige zu tun und nun sei der "richtige Zeitpunkt für durchaus einschneidende Maßnahmen" gekommen, so Anschober.

Auch eine weitere Maßnahme, um Sozialkontakte potenziell Infizierter zu minimieren, stellte Anschober in Aussicht: Man arbeite gerade daran, die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung zu schaffen.

In Österreich ist die Zahl der nachweislich mit dem neuen Coronavirus infizierten Personen indes erneut gestiegen. Stand 16.00 Uhr waren am Dienstag 183 Covid-19-Fälle bekannt (8.00 Uhr: 157 Fälle). Die meisten Betroffenen wurden mit 43 in Wien registriert, gefolgt von Niederösterreich mit 40.

Im Ausland war die Situation divers: Während etliche Länder in Europa erhöhte Fallzahlen registrierten, ist China nach eigenen Angaben ein Wendepunkt gelungen. In Hubei sei die Epidemie "im Wesentlichen eingedämmt", sagte Chinas Staatschef Xi Jinping am Dienstag in Wuhan.

In Italien war die Situation aber weiter dramatisch. Die Sperren und Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, die bisher für Norditalien galten, wurden auf das ganze Land ausgeweitet. Die Zahl der Coronavirus-Toten stieg dennoch rasant. 631 Todesopfer wurden am Dienstag in Italien gemeldet, das sind 168 mehr als am Vortag, teilten die regionalen Behörden am Montagabend in Mailand mit. Die Zahl der Infizierten kletterte auf 8.514, am Vortag waren es noch 7.985. 1.004 Patienten sind inzwischen genesen.

Neben Österreich verschärften auch andere Länder ihre Vorsorge-Maßnahmen: Tschechien schließt alle Schulen und untersagt Veranstaltungen mit mehr als 100 Teilnehmern. Auch Griechenland schließt die Schulen.

Slowenien machte seine Grenzen nach Italien dicht. "Obwohl ganz Italien zur Sperrzone erklärt wurde, halten sich die Menschen nicht daran, sodass es an der Zeit ist, zu handeln", sagte der slowenische Premier Marjan Sarec laut Medien. Wann genau die Grenze geschlossen wird, blieb noch unklar. Der Güterverkehr soll weiterlaufen. Berichten zufolge sind Italiener am Dienstag in großer Anzahl nach Slowenien zum Shoppen und Tanken gereist.

Weltweit wurden bisher insgesamt 115.965 bestätigte Fälle bekannt gegeben. Davon meldete 80.756 China.

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Quelle: APA

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