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Reserviert und nicht erschienen: Wie Wirte reagieren

Was tun, wenn Gäste für Weihnachtsfeiern, Geburtstagsrunden oder Silvesterpartys Tische reservieren, dann aber nicht kommen? Immer mehr Lokale führen Stornogebühren oder Kautionen ein. Die Wirtschaftskammer unterstützt dieses Vorgehen.

Bleiben die Stühle trotz Reservierung leer, entsteht für die Lokalbesitzer ein Schaden. SN/jtobiason - stock.adobe.com
Bleiben die Stühle trotz Reservierung leer, entsteht für die Lokalbesitzer ein Schaden.

Adventszeit, Weihnachtsfeierzeit. Üblicherweise ein großes Geschäft für die Gastronomie. Für manche Wirte und Restaurantbesitzer sind Umsatzglück und Weihnachtsfrieden aber getrübt - vor allem dann, wenn die Gäste ihre oft Wochen zuvor getätigten Reservierungen nicht einhalten. Die Folge: Leere Tische und Stühle im Lokal, da die Laufkundschaft die angekündigten, aber zu Hause gebliebenen Gäste nicht ersetzen kann. Aus der Wirtschaftskammer Kärnten kommt nun die Forderung nach klaren Reservierungsregeln beziehungsweise der Einführung von Stornogebühren. "Wir brauchen eine Verbindlichkeit der Buchung, denn der Schaden bleibt immer bei den Wirtsleuten hängen", sagt Adolf Kulterer, Sprecher der Fachgruppe Kärnten Gastronomie in der Wirtschaftskammer.

Die Reservierung wird zu einem Vertrag

Kulterer berichtet von einem Vorfall in einem Klagenfurter Lokal: "Ein kleineres Lokal hatte in der Vorweihnachtszeit Reservierungen von drei Gruppen und war ausgebucht. Dann kamen aber weit weniger Leute als angekündigt, das Lokal war an dem Abend halb leer. Das geht so nicht." Diese "Unart" sei übrigens auch ganzjährig bemerkbar, könne auch bei Matura-, Geburtstags- oder Familienfeiern beobachtet werden. Zudem habe sich unter manchen Gästen eine neue "Mode" etabliert: "Man reserviert bei drei, vier Lokalen Tische und entscheidet dann kurzfristig, welche Gaststätte tatsächlich aufgesucht werde."

Kulterer schlägt daher vor, eine digitale Bestellung vornehmen zu lassen und von den Kunden die Daten abzufragen. Neben dem Namen auch Mailadresse und Telefonnummer. Ist alles ausgefüllt, erhält der Gast eine Reservierungsbestätigung, mit der die allgemeinen Geschäftsbedingungen mitgeschickt werden: "Das ist dann wie ein Vertrag."

Eine reduzierte Anzahl von Gästen sollte mindestens drei Tage vor der Feier beziehungsweise dem Essen angekündigt werden. Falls nicht, würde eine Stornogebühr anfallen. "Der Gastronom stellt ja vielleicht eigens Personal ein, kauft regionale Lebensmittel für diesen Termin und weiß dann nicht, was er mit den Speisen tun soll." Die Höhe der Stornogebühr müsse flexibel sein, sie resultiere aus dem üblichen Kopfumsatz im Lokal und der Zahl der ferngebliebenen Gäste. Es dürfe nicht länger ein "Gentlemandelikt" sein, wenn man in einem Restaurant reserviere und dann einfach nicht erscheine. Vor 20 Jahren hätte sich keiner so eine Vorgangsweise getraut: "Auch in der Gastronomie ist einiges an Respekt verloren gegangen", sagt Kulterer.



"Mindestkonsumation ist völlig in Ordnung"

Der Kärntner Wirtschaftskammersprecher ist auch beim Thema Mindestkonsumation, wie sie im Ausland (z. B. Amerika, Großbritannien, Frankreich, Deutschland) und fallweise auch schon im Inland in gehobenen Lokalen gefordert wird, durchaus zustimmend. "Um den Betrieb aufrechterhalten zu können, brauchen Gastronomiebetriebe eben einen gewissen Umsatz. Wenn an einem Tisch mit 15 Personen nur sechs essen und der Rest trinkt Mineralwasser und Apfelsaft, geht sich die Rechnung nicht aus." Mindestkonsumationen bei Reservierungen in der Höhe von 30 bis 100 Euro seien für Adolf Kulterer "völlig in Ordnung". Die Mindestkonsumation muss üblicherweise im Voraus bar oder mittels Bankomat- oder Kreditkarte bezahlt werden.

In Graz hat kürzlich ein Wirt für Schlagzeilen gesorgt, da er seit Montag für Reservierungen eine Kaution in Höhe von zehn Euro einhebt. Diese über einen Onlineshop auf der Facebook-Seite des Lokals zu bezahlende Kaution wird dann bei der Rechnung gutgeschrieben. "Ich musste das einführen, nachdem immer wieder vorgekommen ist, dass Großrunden sich angesagt haben, letztlich aber nicht erschienen sind", berichtet Peter Gries von der Burger Factory. Er habe 44 Sitzplätze in seinem Lokal, wenn dann 19 oder 20 Leute nicht kämen, "wird es schwierig für mich".

Wie die Regelung von seinen Gästen goutiert wird? "Bislang habe ich durchwegs nur positive Reaktionen, die Leute verstehen mich." Er sei ja auch tolerant, betont Peter Gries: "Wenn für zehn Leute reserviert wird und dann kommen acht, ist das kein Problem. Blöd ist, wenn die Runde kurzfristig entscheidet, dass sie nicht hungrig sind und alle zu Hause bleiben."

Auch Salzburger Gastronomen heben Stornogebühren ein

Maßnahmen, wie mit nicht wahrgenommenen Reservierungen umgegangen werden soll, überlegen auch Salzburgs Gastronomen. Ein Vorreiter ist das Gasthaus Sternbräu, das bereits im Jahr 2014 Stornogebühren eingeführt hat. "Es kam immer wieder vor, dass Runden zum Beispiel für eine Weihnachtsfeier in mehreren Lokalen reserviert haben", sagt Reservierungsleiter Mario Mohl. So müssen Gruppen mit über 30 Personen bei einer Absage bis zu eine Woche im Voraus nichts bezahlen, bis zu zwei Tage vorher hingegen 50 Prozent des Menüpreises. Wer eine Runde von unter 20 Personen sei und à la carte bestelle, könne sogar zwei Stunden vorher noch kostenlos stornieren. "Zeitgerechtes Absagen sollte wirklich nicht zu viel verlangt sein", ist Mohl überzeugt und freut sich, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren deutlich verbessert habe.

Probleme mit Gästen aus den USA und Russland

Im Haubenrestaurant Esszimmer finden meist nur kleinere Weihnachtsfeiern statt, die selten Stornoärger mit sich bringen. Das Problem mit Gästen, die trotz Reservierung nicht erscheinen, kennen die Geschäftsführer Andrea und Andreas Kaiblinger aber trotzdem. Daher haben sie vor drei Jahren eine Stornogebühr von 80 Euro pro Person eingeführt. "Wir haben das Problem vor allem bei ausländischen Gästen, aus den USA oder Russland", sagt Andrea Kaiblinger. Daher müsse bei einer Onlinereservierung die Kreditkartennummer hinterlegt werden. Bis zu drei Stunden vor der reservierten Zeit könne noch storniert werden. "Wenn jemand kurz vorher anruft und absagt, habe ich Verständnis, es kann immer etwas dazwischenkommen. Mir geht es rein um die Moral, dass überhaupt abgesagt wird. Das gilt übrigens auch für viele weitere Berufsgruppen, wie Ärzte oder Friseure."

Cornelia Stöllinger vom Gasthaus Kuglhof zeigt Verständnis für derartige Schritte in der Gastronomie. "Natürlich muss man als Unternehmer wirtschaftlich denken und wenn plötzlich eine große Runde nicht kommt, ist das schlimm. Vor allem wenn man extra für ein bestimmtes Menü einkauft und dieses zubereitet." In ihrem Betrieb komme das aber "zum Glück höchst selten" vor.

Aufgerufen am 01.12.2020 um 04:13 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/reserviert-und-nicht-erschienen-wie-wirte-reagieren-62060458

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