Österreich

Rund 10.000 Jugendliche in Österreich sind internetsüchtig

Mehr als drei Prozent der österreichischen Jugendlichen sind internetsüchtig. Diese Schätzung ist ein Ergebnis einer Studie der Innsbrucker Uniklinik. Die Zahl der Suchtgefährdeten dürfte noch höher sein.

Rund 10.000 Jugendliche in Österreich sind internetsüchtig SN/APA (Keystone)/GAETAN BALLY
Ein Großteil der jungen Menschen hat ein normales Nutzungsverhalten.

Drei Prozent der befragten Jugendlichen haben laut dem Expertenpapier eindeutig einer Sucht entsprechende Symptome. In Österreich leben rund 350.000 Minderjährige zwischen 13 und 16 Jahren - auf diese haben sich die Wissenschaftler im aktuellen Fall konzentriert. Das würde allein in dieser Altersgruppe rund 10.000 internetsüchtige Jugendliche bedeuten. Wobei vor allem die Handys immer stärker als "Tor zum Netz" im Vordergrund stehen.

Fast jeder Zehnte mit "schädlichem Verhaltensmuster"

Die Befragung der Schüler habe zudem ergeben, dass knapp acht Prozent einen problematischen Internet-Gebrauch aufweisen. Aktuellen Zahlen zufolge hat der Großteil der österreichischen Jugendlichen ein normales Nutzungsverhalten. Ein kleiner, aber wachsender Teil - nämlich einer von zehn Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren - entwickle schädliche Konsum- bzw. Verhaltensmuster. 100 Prozent der Jugendlichen würden derzeit das Internet nutzen, 80 Prozent davon auf einem mobilen Gerät.

Auch noch jüngere, also Kinder, seien zunehmend von Internet- und Smartphone-Abhängigkeit betroffen. "Dahin gehend gibt es aber wenige bis keine Daten bzw. Studien", erklärte Sevecke. Das "nicht-stoffgebundene Suchtverhalten" sei aber auch bei Volksschulkindern ein "immer relevanteres Thema".

Jugendliche würden beim Entzug vom Smartphone ähnliche bis gleiche Entzugssymptome aufweisen wie beim Entzug von klassischen Drogen, berichtete der stellvertretende Direktor der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Martin Fuchs. Bei jugendlichen Patienten mit anderen psychiatrischen Grunderkrankungen bestehe zudem ein fünffach höheres Risiko für suchtartigen Internetgebrauch. Internet-Sucht sei oft ein Symptom einer zugrunde liegenden Erkrankung.

Viele unterschiedliche Schätzungen

Schätzungen zur Internetsucht, basierend auf Befragungen, gibt es freilich bereits zahlreiche. Nicht immer kommen sie zu demselben Ergebnis. Gleich ist aber immer: Internetsucht gehört bereits zu den weit verbreiteten Suchterkrankungen. Deutsche Experten schätzten etwa den Anteil der Suchtgefährdeten Jugendlichen auf rund fünf Prozent. Wobei die Internetsucht unter Jugendlichen etwa drei Mal so häufig vorzukommen scheint, wie etwa bei den Über-40-Jährigen. Insgesamt gehen Experten für Österreich von rund 75.000 Internetsüchtigen über alle Altersgruppen hinweg aus. Zum Vergleich: Alkoholabhängig sind etwa 350.000, rund eine Million Österreicher ist nikotinsüchtig.

Expertenrat: tablet- und handyfreie Zonen

Die Experten rieten den Eltern, eine Art Regelwerk für ihre Kinder zu erstellen. Es gelte, die Psyche der Kinder für einen verantwortungsvollen Medienkonsum zu schulen. Für "sinnvoll" erachtete Fuchs auch etwa die Erklärung des Abendessens zur "Smartphone und Tablet-freien Zone".

Auch bei der klassischen Drogensucht konnten die Mediziner mit neuen Erkenntnissen aufwarten. Die Entwicklung gehe bei den Jugendlichen weg von klassischen Suchtgiften - intravenöse Drogen würden sogar abnehmen - hin zu synthetischen, psychoaktiven Substanzen aus dem Labor. Solche synthetischen Substanzen würden zunehmend im Internet bestellt und dann ausprobiert - "ohne zu wissen, was drinnen ist", sagte Sevecke.

"Nicht so harmlos" wie teilweise angenommen sei indes Cannabis. Dabei sei die Wirkung auf die Hirnreifung bei Jugendlichen sowie als Einstiegsdroge unterschätzt worden. "Wobei wir hier nicht nur den Einstieg in die Drogensucht meinen, sondern auch den Einstieg in ernstzunehmende psychische Erkrankungen", erläuterte die Direktorin.

Positiv sei jedoch, dass in dem Bereich der stoffgebundenen Süchte bei Jugendlichen inzwischen auch die Forschung einen großen Schritt weiter ist. Als Folge der intensiven Forschung bestehen inzwischen eigene, auf Jugendliche zugeschnittene Entzugsprogramme. In der neuen Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hall in Tirol werde es deshalb auch die einzige auf diese Altersgruppe zugeschnittene Suchtstation Österreichs geben, so Sevecke.

Quelle: SN, Apa

Aufgerufen am 18.09.2018 um 10:47 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/rund-10-000-jugendliche-in-oesterreich-sind-internetsuechtig-1024195

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