Österreich

Schutzwald bedarf besonderer Pflege

Lokalaugenschein beim Schutzwald am Fuße des Ellmausteins in Fuschl: Umweltministerin Elisabeth Köstinger mit Agrarlandesrat Sepp Schwaiger (rechts) und Florian Rudolf-Miklau, Leiter der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik im Ministerium. SN/bmnt/paul gruber
Lokalaugenschein beim Schutzwald am Fuße des Ellmausteins in Fuschl: Umweltministerin Elisabeth Köstinger mit Agrarlandesrat Sepp Schwaiger (rechts) und Florian Rudolf-Miklau, Leiter der Abteilung Wildbach- und Lawinenverbauung und Schutzwaldpolitik im Ministerium.

Durch die großen Schneemengen im vergangenen Winter und die besonders warmen Temperaturen auch in diesem Frühjahr stehen Österreichs Schutzwälder derzeit besonders unter Druck. Das betonten am Freitag bei einem Lokalaugenschein in Fuschl Umweltministerin Elisabeth Köstinger und Salzburgs Agrarlandesrat Sepp Schwaiger (beide ÖVP).

Der Schneedruck habe in Salzburg zu rund 300.000 Festmeter Schadholz geführt, sagte Schwaiger. Das sei so viel wie in den 22 Jahren davor zusammen. Dennoch sei die Situation in "Nieder- und Oberösterreich noch schlimmer", betonte Köstinger, einzelne Bezirke würden praktisch komplett entwaldet.

Um der weiteren Ausbreitung des Borkenkäfers entgegenzutreten, werde der Bund auch sogenannte Nassholzlager viel stärker fördern als bisher, nämlich zu 80 Prozent statt bisher 30 Prozent. Nassholzlager sind größere Lagerplätze, auf denen Rundholz regelmäßig beregnet werden kann. Dadurch wird ein Borkenkäferbefall verhindert, denn der Schädling mag das Holz am liebsten ziemlich trocken, wie Salzburgs Landesforstdirektor Michael Mitter erläuterte. Für den Borkenkäfer gilt im Land Salzburg derzeit eine Vorwarnstufe. Köstinger sagte, wegen der Gefahr durch den Borkenkäfer wird die Ausnahmeregelung zur Schadholzlagerung auf beihilfefähigen Flächen bis Ende März 2020 verlängert.

Fast die Hälfte des Waldes in Österreich (48 Prozent oder rund vier Millionen Hektar) erfüllt die Funktion als Schutzwald - etwa gegen Steinschlag, Vermurungen oder Lawinen. Auch hier steigen die Waldflächen. "Der Wald ist der Klimaschützer Nummer eins wegen der CO2-Speicherung", sagte Köstinger. Nach Angaben des Bundesministeriums sind 56 Prozent der Schutzwaldflächen stabil, lokal sei aber die starke Überalterung ein Problem.

Als Beispiel, wo reiner Schutzwald nicht mehr reicht, wurde der Ministerin und dem Landesrat die Situation bei der in der Nachkriegszeit entstandenen Siedlung am Fuß des Ellmausteins erklärt. Seit fünf Jahren gebe es zunehmend Steinschlag, den die Bäume allein nicht mehr auffangen. Nun wird ein Gefahrenzonenplan erstellt, dann sollen die betroffenen Hausbesitzer, die Interessentenbeiträge zahlen müssen, eine Genossenschaft gründen. Geplant ist laut Anton Pichler, Gebietsbauleiter der Wildbachverbauung, ein massiver Zaun.

Aufgerufen am 21.10.2020 um 07:03 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/schutzwald-bedarf-besonderer-pflege-69367990

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