Österreich

Sexismus und Rassismus im ORF - Chris Lohner packt aus

Sie ist die Stimme der ÖBB, erfolgreiche Autorin, Kabarettistin und war lange Zeit beim ORF tätig. Nach ihren Angaben war sie dort vor Jahrzehnten Opfer von Sexismus und Rassismus.

Chris Lohner spricht ein heikles Thema an – aus eigener Erfahrung.  SN/picturedesk.com/orf/hans leitner
Chris Lohner spricht ein heikles Thema an – aus eigener Erfahrung.

In einem Interview mit dem österreichischen Magazin "OOOM" spricht Chris Lohner (77) offen über sexuelle Übergriffe und rassistische Äußerungen im ORF. Lohner war 15 Jahre lang mit dem Tennisprofi und Verleger Lance Lumsden aus Jamaika zusammen, den sie 1978 kennengelernt hatte. In dem Interview sagt sie: "Wie meine Beziehung mit Lance ruchbar wurde, da haben sie am Regieplatz Dialoge geführt, die wirklich grauslich waren: ,Die Neger stinken ja eigentlich' und solche Sachen haben sie gesagt. Und ich saß daneben."

Nach ihrem schlimmsten #metoo-Erlebnis befragt, erzählt sie dem Magazin von einem Treffen mit der italienischen RAI bei einem Heurigen. Sie sei als Repräsentation für den ORF dort gewesen. Sie sei mit dem Rücken zu einer damaligen ORF-Führungskraft gesessen - "mir gegenüber die Direktoren der RAI, und er kommt von hinten, packt mich und steckt mir seine Zunge in den Mund. Ich bin aufgesprungen, ins Auto geflüchtet (...)." Sie sei nicht mehr zurückgegangen. "Ich habe vor den Italienern gezeigt, dass dieser Körper mir gehört."

Sie habe auch Lumsden davon erzählt, dieser habe gemeint: "Lass mich nur machen." Der betroffenen Führungskraft habe er beim nächsten Treffen gesagt: "Wenn Sie noch einmal meine Frau belästigen, dann schlage ich Sie zusammen, dass Sie nie wieder aufstehen können!" Damit sei Ruhe gewesen.

Von Kollegen sei sie nie belästigt worden, führt Lohner weiter aus. "Es war immer eine Stufe höher, quasi Machtausübung nach unten. (...) Zum Beispiel habe ich gehört, ich könnte schon längst eine Hauptabendsendung haben, wenn ich nicht ,zuhause einen Neger sitzen hätte'." Das sei die Aussage einer ORF-Führungsperson gewesen.

Lohner bestätigte die Aussagen am Freitag auf SN-Anfrage. Für sie sei alles gesagt, zerpflücken wolle sie das nicht. Es sei ihr um die damals herrschende Haltung gegangen. Dass nun Frauen in Hollywood angefangen hätten, über das Thema zu reden, finde sie gut, so Lohner.

Georg Kindel vom "OOOM"-Magazin, der das Interview mit Chris Lohner geführt hat, sagte den SN, dass die Aussagen von ihr so autorisiert worden seien. "Auch wenn das schon alles lange zurückliegt, ist es wichtig, dass man das aufarbeitet und thematisiert. Chris Lohner hat kein Interesse daran, dem ORF etwas heimzuzahlen. Aber es wäre an der Zeit, dass man sich dort überlegt, ob es noch andere Fälle geben könnte."

In einer schriftlichen Stellungnahme des ORF an die "Salzburger Nachrichten" heißt es: Der ORF bedauere und verurteile zutiefst die geschilderten sexistischen und rassistischen Vorkommnisse. "Einschlägiges, diskriminierendes Verhalten ist gesetzeswidrig, im Unternehmen unerwünscht und zieht dienstrechtliche Konsequenzen nach sich." Die Entscheidungsträger von vor 40 Jahren seien aber längst nicht mehr Teil des Unternehmens, wurde in der Stellungnahme betont. "Da dem ORF aufgrund seiner öffentlich-rechtlichen Ausrichtung und seiner Positionierung in der Medienwelt eine besondere Vorbildwirkung auch in gesellschaftspolitisch wichtigen Bereichen wie der Gleichstellung von Frauen und Männern zukommt, trägt der ORF seit Jahren Sorge, Maßnahmen zu treffen, um Belästigungen zu vermeiden."

Aufgerufen am 04.08.2020 um 05:03 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/sexismus-und-rassismus-im-orf-chris-lohner-packt-aus-90897721

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