Österreich

Silvesterübergriffe in Innsbruck: Keine Spur von den Tätern

Nach den zahlreichen sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht in Innsbruck gibt es weiterhin keine Spur von den Tätern. Man sei aber zuversichtlich, die Männergruppe ausforschen zu können, sagte Stadtpolizeikommandant Martin Kirchler am Donnerstag. Unter anderem sollen nun die Flüchtlingsquartiere überprüft werden.

Die Polizei überlegt für die Zukunft "einschneidendere Maßnahmen".  SN/APA/BARBARA GINDL
Die Polizei überlegt für die Zukunft "einschneidendere Maßnahmen".

Derzeit gehe die Polizei davon aus, dass es sich bei den Tätern um eine Gruppe von fünf bis sechs Personen handle, die vermutlich aus dem asiatischen Raum stammen, erklärte Ermittlungsleiter Ernst Kranebitter. Aber auch eine andere Abstammung der Männer, beispielsweise aus dem nordafrikanischem Raum, könne nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Es sei bereits eine Vielzahl an Verdächtigen überprüft worden, ein konkreter Tatverdacht habe sich bisher jedoch nicht ergeben.

Um die Ermittlungen voranzutreiben, sei eine eigene Ermittlungsgruppe, bestehend aus vier Beamten, eingerichtet worden, meinte Kirchler. Neben der Überprüfung der Flüchtlingsquartiere soll nun auch das Videomaterial vom Veranstalter ausgewertet werden. Zudem rief die Polizei die Bevölkerung dazu auf, etwaiges Bild- oder Videomaterial der Exekutive zukommen zu lassen. "Wir wären dankbar für alles, was wir bekommen", sagte Kranebitter. Auch drei der Opfer hätten Bilder der Männer gemacht, diese seien großteils jedoch nicht verwertbar.

Der Stadtpolizeikommandant verteidigte indes erneut den Einsatz in der Silvesternacht. Man habe eine deutliche Aufstockung des Personals vorgenommen. Im Vorjahr seien insgesamt 60 Beamte in Innsbruck im Einsatz gewesen, heuer waren es rund 90, meinte Kirchler. Die Problematik sei aber, dass immer eine gewisse Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben müsse. Heuer habe es eine Echtzeitvideoüberwachung der Party-Hot-Spots gegeben. Im nächsten Jahr soll zudem der Zu- und Abstrom auch aufgezeichnet werden.

Nun gelte es zu überlegen, ob in Zukunft, etwa beim Faschingsumzug, "noch einschneidendere Maßnahmen" der Überwachung notwendig seien, merkte Kirchler an. Der Stadtpolizeikommandant richtete außerdem einen Appell an alle Opfer oder Zeugen etwaige Übergriffe umgehend der Polizei zu melden.

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) kündigte am Donnerstag an, wegen der Übergriffe mit Justizminister Wolfgang Brandstetter (ÖVP) Kontakt aufzunehmen. Man müsse sich das Strafrecht "noch einmal ganz genau anschauen", meinte Platter am Donnerstag in Innsbruck.

Was er im Gespräch mit dem Bundesminister konkret vorhabe zu thematisieren, wollte Platter nicht sagen. Es könne jedenfalls nicht sein, dass man nach diesen Taten "zur Tagesordnung übergeht". "Wir müssen die Dinge ernst nehmen", so Platter. Von Migranten bzw. Asylwerbern, die Unterstützung erhalten, müsse man einfordern, dass sie sich "nach unseren Wertehaltungen verhalten", etwa was den Umgang zwischen Mann und Frau betreffe.

18 Frauen waren in der Silvesternacht am Innsbrucker Marktplatz und am Herzog-Otto-Ufer sexuell belästigt worden. Neun der Opfer stammen aus Österreich, sechs aus Südtirol, zwei aus Deutschland und eines aus der Schweiz. Sie seien großteils im dichten Gedränge vor der Bühne am Marktplatz angetanzt und unsittlich berührt worden. Einer der Täter soll einen ausgeschlagenen Zahn gehabt haben, ein weiterer aufgestellte Haare mit blonden Spitzen. Die Ermittler gingen davon aus, dass es sich bei den Übergriffen immer um dieselbe Tätergruppe handelte.

Quelle: APA

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