Österreich

Tausende tote Bienen in Kärnten: Obstbaumeister vor Gericht

Wegen vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt hat sich am Freitag ein 47-jähriger Obstbaumeister vor dem Landesgericht Klagenfurt verantworten müssen. Dem Mann wird vorgeworfen, sich beim Spritzen von Obstbäume nicht an die Vorschriften gehalten zu haben, Tausende Bienen von Dutzenden Völkern in der Umgebung sollen deswegen verendet sein. Die Verhandlung wurde vertagt.

Verhandlung wurde vertagt SN/APA (dpa)/Frank Rumpenhorst
Verhandlung wurde vertagt

Begonnen hatte das Bienensterben bei zwei Imkern am 1. Mai 2017, heißt es von der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwältin Tina Frimmel-Hesse. Just an diesem Tag hatte der Obstbaumeister seine Bäume im Lavanttal gespritzt. Mit welchen Mitteln, das trug der Angeklagte, der ohne Verteidiger zur Verhandlung gekommen war, wortreich vor. So habe er Zwetschken- und Kirschenbäume, die bereits abgeblüht gewesen seien, mit dem für Bienen gefährlichen Dursban 480 behandelt - allerdings ganz früh am Tag und noch dazu bei einer Temperatur, bei der noch keine Bienen unterwegs gewesen seien. Später am Tag wurden dann die teilweise noch blühenden Äpfel- und Birnenkulturen gespritzt, allerdings mit Mitteln, die für Bienen nicht gefährlich seien.

Der 47-Jährige bekannte sich vor Gericht nicht schuldig: "Die Auflagebestimmungen sind absolut eingehalten worden, es hat keine blühenden Unterkulturen und keinen Bienenflug gegeben. Ich schließe deshalb absolut aus, dass ich es nicht konform angewendet habe", sagte der Mann. Auf die Zahl der betroffenen Bienenvölker hingewiesen, sprach er wörtlich von einer "Intrige", er kenne auch Imker in der Nähe seines Obstbaubetriebes, die kein Bienensterben zu verzeichnen gehabt hätten.

Dennoch: Auf den Apfelbäumen des Obstbaumeisters sei der bienengefährliche Wirkstoff Chlorpyrifos nachgewiesen, der etwa im Mittel Dursban 480 enthalten ist, teilte ein Privatbeteiligtenvertreter, der einen geschädigten Imker vertrat, mit. Das rechtfertigte der Angeklagte erst damit, dass es sich um Restbestände handeln könnte, denn bereits im März habe er den Wirkstoff ausgebracht. Später meinte er dann, dass auf einer seiner Parzellen eine Reihe von Zwetschkenbäumen neben Apfelbäumen steht: "Da ist dieser Wert bei Apfelbäumen durchaus realistisch, wenn daneben Steinobst gespritzt wird." Es sei dann möglich, dass das Spritzmittel "abdriftet".

Wie dramatisch das Bienensterben gewesen sei, erzählten die beiden betroffenen Imker: "Am Vormittag habe ich gemerkt, dass die Bienen immer lauter werden, es hat einfach etwas nicht gestimmt", sagte ein Imker, bei dem laut eigener Aussage 42 Bienenvölker betroffen waren. Die Insekten seien aggressiv gewesen, die Wächterbienen hätten Flugbienen nicht mehr in die Stöcke gelassen. "Am nächsten Tag war dann alles schwarz vor lauter toter Bienen. Bei ihnen waren die Rüssel aufgefächert und ihre Körper verkrümmt, also eindeutig Anzeichen für eine Vergiftung." Tagelang hatte das Sterben gedauert, sagte auch die betroffene Imkerin mit 52 Bienenstöcken, es habe ein Jahr lang gedauert, bis sich ihre Völker wieder richtig erholt hätten. Sie fordert 20.800 Euro von dem Angeklagten, ihr Kollege 16.800 Euro. Die beiden begründeten das mit dem Schaden durch die entgangene Honigernte.

Richterin Michaela Sanin vertagte schließlich die Verhandlung. Sie soll im Juli mit Zeugenaussagen und der Erörterung eines Gutachtens fortgesetzt werden.

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.12.2018 um 12:39 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/tausende-tote-bienen-in-kaernten-obstbaumeister-vor-gericht-28948936

Kommentare

Schlagzeilen