Österreich

"Trennen uns häufiger, als es guttut"

In ihrem neuen Buch "Tatort Trennung" zeichnet Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner ein Psychogramm von Trennungen. Warum Beziehungen scheitern, wir nicht an Märchen glauben sollten und was die erbärmlichste Trennungsmethode ist.

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde die 54-jährige Psychiaterin Heidi Kastner durch ihr Gerichtsgutachten im Fall Josef F. Ihr aktuelles Buch widmet sich dem Thema Trennung.

SN: Ihr Buch trägt den Titel "Tatort Trennung". Bei einer Scheidungsrate von 41 Prozent müsste es in Österreich viele Tatorte geben.
Heidi Kastner: Gibt es auch. Allerdings muss man sagen, dass es in Relation zur hohen Anzahl der Trennungen wenig kriminalistisch-strafrechtlich relevante Tatorte gibt. Das Leiden bleibt jedoch.
SN: Was meinen Sie damit?
Eine Trennung, die von einer Person betrieben wird, erschüttert den anderen. Diese andere Person ist gezwungen, sich in ihrer Gesamtheit neu zu definieren. Und sie leidet unter diesen Zuständen heftig. Dieses Leiden kann bis zu ein halbes Jahr andauern und es werden Zustände ertragen, die denen anderer schwerer Lebenstragödien, wie etwa dem Tod eines geliebten Menschen, gleichen. Zudem müssen sich die Betroffenen in all diesem Leiden neu aufstellen - etwa ihre Wohnsituation oder ihren Freundeskreis neu regeln. Man erkennt, dass man nicht mehr stabil auf eine Person bezogen ist. Es gilt zu überlegen, wohin sich diese Bezogenheit adressiert bzw. wie sie sich befriedigen lässt. All dies erschüttert die Selbstdefinition. Weil jemand sagt: "Dich brauche ich nicht mehr" - das ist extrem kränkend.

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