Österreich

Tunnelanschlag für Zentrum am Berg am steirischen Erzberg

Die Bauarbeiten für ein europaweit einzigartiges Forschungsprojekt haben am Donnerstag am steirischen Erzberg mit dem Tunnelanschlag begonnen. Das Zentrum am Berg (ZaB) mit einer Investitionssumme von 30 Mio. Euro soll 2019 in Vollbetrieb gehen und von da an als Forschungsstätte für die Montanuniversität Leoben in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft dienen.

Der sogenannte Pressler-Stollen im Erzberg wird in den kommenden Jahren für Forschungszwecke um- und ausgebaut: Fünf Tunnelröhren - zwei Autobahn-, zwei Eisenbahn- sowie ein Versuchstunnel - führen zu einem unterirdischen Knotenpunkt. Die Röhren stoßen nach rund 400 Metern auf den außer Betrieb befindlichen Pressler-Stollen. Er wird auf einer Länge von rund einem Kilometer ausgebaut. Drei Portale - Nord, West und Süd - sind vorgesehen. Vom Nordportal führt der etwa ein Kilometer lange Versuchsstollen in den Berg zu einer Kaverne, zu der auch die beiden Straßentunnel (vom Westportal) und die beiden Eisenbahntunnel (vom Südportal) führen.

Die 30 Mio. Euro setzen sich aus Mittel des Landes Steiermark (zwölf Mio. Euro), des Wissenschaftsministeriums, des Verkehrsministeriums sowie der Montan-Uni (je sechs Mio. Euro) zusammen. Im Vollbetrieb ist mit jährlichen Kosten in der Höhe von einer halben Mio. Euro zu rechnen. Diese sollen zur Gänze aus dem operativen Betrieb durch Forschungsprojekte mit der Wirtschaft lukriert werden.

Wissenschafter anderer Einrichtungen sowie die Wirtschaft hätten bereits Interesse an einer Zusammenarbeit, teilte die Montan-Uni mit: Zum Beispiel sollen neue Lüftungskonzepte getestet oder auch die Ausbreitung von Gasen unter realen Bedingungen untersucht werden. Bereits beim Bau wollen die Wissenschafter Grundlagenforschung zum Tunnelbau betreiben. Geplant sind in Zukunft auch EU-Projekte etwa zur unterirdischen Speicherung von Energie aus Solar- und Windkraftanlagen.

Unter den Ehrengästen waren vor allem die Ideengeber und Motoren für das Projekt zu Gast. Der ehemalige Uniratsvorsitzende und Vizekanzler a. D. Hannes Androsch berichtete von der nicht immer einfachen Suche nach Geldgebern: "Vor drei Jahren war die Kuh schon tot, aber wir konnten die restlichen fünf Millionen Euro in Alpbach lukrieren. Jetzt haben wir keine hinige Kuh, sondern ein g'sundes Kaibl." Die frühere steirische ÖVP-Landeshauptfrau und aktuelle Uniratsvorsitzende Waltraud Klasnic führte Androschs Metapher fort und ergänzte: "Das Kaibl brauchte Milch und die kam." Sie gratulierte dem Rektor der Montanuniversität, Wilfried Eichlseder. Er habe "die richtigen Leute zusammengeführt".

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hob hervor, dass das Projekt kein Elfenbeinturm sei, sonder die Wirtschaft betreffe und helfe, Tunnelbau sicherer, schneller und effizienter zu machen. Der steirische LH Hermann Schützenhöfer (ÖVP) sprach von einem großen Tag für die Steiermark: "Wer bei Forschung und Entwicklung weiter ist, hat den Fuß in der Tür der Zukunft." Und die Region Eisenerz brauche diese Zukunft.

Eisenerz (Bezirk Leoben) ist seit Jahrzehnten stark von Abwanderung betroffen. Ehemals lebten rund 13.00 Menschen in der Stadt, heute sind es keine 4.500 mehr. Der Erzberg galt durch den Abbau des Metalls Jahrzehnte als der "steirische Brotlaib". Die VA Erzberg betreibt nach wie vor Tagebau, beschäftigt rund 200 Mitarbeiter und baut jährlich rund 8,5 Mio. Tonnen Gestein ab, um es zu Feinerz zu verarbeiten. Sie stellen das Innere des Berges für die Forschung zur Verfügung.

Quelle: APA

Aufgerufen am 19.11.2018 um 10:16 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/tunnelanschlag-fuer-zentrum-am-berg-am-steirischen-erzberg-1084306

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