Österreich

Umfangreiche Schlussplädoyers bei Pyramidenspiel-Prozess

Im Grazer Straflandesgericht ist am Freitag der Prozess um einen groß angelegten Schenkkreis in der Weststeiermark ins Finale gegangen. Der Staatsanwalt betonte in seinem Schussplädoyer, dass die fünf Angeklagten "zu den Hauptakteuren" des Spiels gehörten. Von Pyramidenspielen gehe eine "Gemeingefährdung aus", war er überzeugt.

Am 1. Oktober 2018 begann der Prozess, damals saßen 16 Personen auf der Anklagebank. Es ging um ein Pyramidenspiel, das sich von 2006 bis 2008 vor allem über Verwandte im Raum Voitsberg verbreitet hatte. Die Mitspieler zahlten 5.000 oder 10.000 Euro ein und sollten mit 40.000 bzw. 80.000 Euro beschenkt werden. Die Auszahlung der Gewinne erfolgte in Deutschland, da dort Pyramidenspiele nicht strafbar sind.

Die Angeklagten hatten alle nicht nur ihre Einsätze wiederbekommen, sondern durchwegs Gewinne gemacht, einige sogar über 100.000 Euro. Anders erging es zahlreichen anderen Mitspielern, die zum Teil große Geldsummen verloren hatten, obwohl ihnen laut Anklage zugesichert worden war, sie könnten jederzeit ohne Verlust aussteigen.

Schon bald dezimierte sich die Zahl der Beschuldigten, zehn Angeklagten kamen mit einer Diversion davon, einer wurde freigesprochen. Über 200 Zeugen wurden gehört, meistens waren es Geschädigte, bei denen der Ärger angesichts der Beschuldigten wieder so richtig hochkam. Einige mussten im Laufe der Befragung aber eingestehen, dass sie zwar bei einer Spielrunde Geld verloren, bei einer anderen dafür wesentlich mehr gewonnen hatten.

Vor den Schlussplädoyers legten einige der Beschuldigten noch Teilgeständnisse ab. Richter Andreas Rom fragte eine der Angeklagten: "Haben Sie Beweismittel auf die Seite geräumt? Irgendetwas angezündet?" Das verneinte die Frau mit Nachdruck.

"Die fünf Angeklagten gehörten zu den Hauptakteuren des Pyramidenspiels" war Staatsanwalt Hansjörg Bacher überzeugt. Er betonte in seinem Schlussplädoyer, dass die reine Teilnahme nicht strafbar sei, wohl aber die Verbreitung. "Von Pyramidenspielen geht eine Gemeingefährdung aus, die Gewinnerwartung ist unrealistisch." Er rechnete erneut vor, dass bereits in der 33. Runde acht Milliarden Menschen nötig wären, damit noch Gewinne ausbezahlt werden könnten. "Unterm Strich wenige Gewinner, sehr sehr viele Verlierer", brachte es Bacher auf den Punk und kündigte gleich an: "Weitere Anklagen stehen unmittelbar bevor."

Der Verteidiger des Erstangeklagten, der als Drahtzieher des Pyramidenspiels galt, verwies darauf, dass sein Mandant "Nie jemanden betrogen und nie jemanden getäuscht" habe und rief nochmals das Teilgeständnis in Erinnerung. Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer das Verhalten der Rechtsanwälte während des Verfahrens angeprangert und als "Schmutzkübelkampagne" bezeichnet.

Ankläger Hansjörg Bacher rügte das Benehmen der Verteidiger besonders in Bezug auf Zeugen. Die Anwälte verwehrten sich gegen die Anschuldigungen und betonten, der Betrugsvorwurf - den Spiel-Teilnehmern wurde zugesichert, sie könnten jederzeit ohne Geldverlust aussteigen - hätte nie gestimmt. "

Verteidiger Christandl gab zu bedenken, der Erstangeklagte sei erst zehn Jahre nach den Vorfällen befragt worden, da seien Erinnerungslücken verständlich. Sein Mandant sei zum Vorwurf Pyramidenspiel geständig, aber "er hat nie jemanden betrogen und nie jemanden getäuscht." Er beantragte daher eine bedingte Strafe.

Der Staatsanwalt hatte offenbar strengere Strafen im Sinn, denn er meinte am Ende seines Plädoyers: "Hier sitzen Pyramidenspiel-technisch gesehen Gewinner. Ich ersuche das Gericht, die Angeklagten nicht noch einmal gewinnen zu lassen."

Quelle: APA

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