Umfrage

"Das Skitourengehen ist kein Gratissport mehr"

Jahrelang waren Liftbetreiber und Skitourengeher einander nicht hold. Das ändert sich langsam. Immer mehr Skigebiete schaffen Angebote für die Sportler.

Skitouren werden immer beliebter. SN/imago images
Skitouren werden immer beliebter.

Der Trend ist ungebrochen. An die 600.000 Skitourengeherinnen und -geher warten in Österreicher sehnsüchtig darauf, dass es endlich ausreichend schneit und die Saison Fahrt aufnimmt. Und damit wird wohl auch die Diskussion wieder losgehen, wer, wo und wann unterwegs sein darf. Vor allem, wenn es sich um Pisten in Skigebieten handelt, auf denen der Sport ausgeübt wird. Wobei: Langsam beginnen sich Skitourengeherinnen und -geher und Liftbetriebe aneinander zu gewöhnen. Thomas Wanner, beim österreichischen Alpenverein für Ausbildung und Sicherheit zuständig, sagt, dass "sich die Situation ein wenig entspannt hat". Viele Liftunternehmen akzeptierten die Pistengeher inzwischen und stellten eigene Angebote für sie zur Verfügung. Die Sportler wiederum akzeptierten, dass sie dafür auch einen finanziellen Beitrag leisten müssten. "Das Pistengehen ist auf jeden Fall kein Gratissport mehr", sagt Wanner.

Als Beispiel nennt Wanner das Skigebiet St. Johann in Tirol. Dort gibt es drei ausgeschilderte Aufstiegsrouten für Pistengeherinnen und -geher. Sportlerinnen und Sportler, die mit dem Auto kommen, zahlen 6,50 Euro. Dafür können Sie ihr Fahrzeug für fünf Stunden abstellen und die Pisten benützen. Und sogar eine Saisonkarte gibt es dafür in dem Tiroler Skigebiet: Diese kostet 102 Euro.

Ähnliche Angebote existieren inzwischen in vielen Skigebieten, sagt Wanner. Wobei es von Skigebiet zu Skigebiet erhebliche Unterschiede geben kann. In manchen Skigebieten werden sogar eigene Aufstiegsspuren abseits der Pisten angelegt und auf dem Berg stehen Umkleidemöglichkeiten für die Skibergsteigerinnen und -bergsteiger bereit. Was sich dann auch auf den Preis auswirken kann, der dann bis zu 20 Euro pro Person betragen kann.

Kosten schrecken Skitourengeher nicht ab

Viele Sportlerinnen und Sportler lassen sich von den Kosten aber nicht abschrecken. Pistengehen hat im Vergleich zu Skitouren im freien Gelände einen großen Vorteil: Die alpinen Gefahren, vor allem die durch Lawinen, werden praktisch ausgeschlossen.

Der Sprecher der Salzburger Seilbahnen, Erich Egger, weist darauf hin, dass es an den einzelnen Skigebieten liege, wie sie mit den Tourengehern umgehen. Regeln, an die sich alle halten sollen, gebe es nicht. Es sei daher immer sinnvoll, sich vorher zu erkundigen, sagt Egger. Dies beuge Konflikten vor. Und viel hänge natürlich auch davon ab, wie groß die Anzahl der Skibergsteigerinnen und Skibergsteiger sei, die in einem Gebiet unterwegs sind. Wenn es sehr viele seien, dann sei es natürlich auch ein Sicherheitsproblem. Es sei daher wichtig, sich an die örtlichen Regeln zu halten. Dem stimmt auch Wanner zu.

Vorsicht ist vor allem im Dunkeln geboten

Die Regeln beginnen damit, dass man sich an die Betriebszeiten hält. Auch die immer beliebteren Nacht-Skitouren sollten nur in den dafür freigegebenen Zeiten absolviert werden. Zum einen, weil Pistengeräte unterwegs sind, um die Abfahrten für den nächsten Tag herzurichten. Zum anderen werden dabei auch Seilwinden eingesetzt. Die Stahlseile sind im Dunkeln schwer zu sehen und können stark schwingen - und Tourengeher unerwartet treffen. Außerdem sollten Skitourengeherinnen und -geher auch berücksichtigen, dass sie, wenn sie die frischpräparierten Pisten in der Nacht nutzen, diese stark in Mitleidenschaft ziehen.

Außerdem sollten Skibergsteigerinnen und Skibergsteiger nur am Rand der Piste und hintereinander aufsteigen und die Pisten nur an übersichtlichen Stellen und mit genügend Abstand queren, um Zusammenstöße mit abfahrenden Skifahrern zu vermeiden. Pistengeherinnen und Pistengeher sind inzwischen für viele, gerade kleinere Skigebiete, auch zu einer Einnahmequelle geworden. Gerade in stadtnahen Skigebieten sind an manchen Tagen mehr Skitourenbegeisterte unterwegs als Skifahrerinnen- und Skifahrer.

Aufgerufen am 29.01.2023 um 07:15 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/umfrage-das-skitourengehen-ist-kein-gratissport-mehr-130731733

Kommentare

Schlagzeilen