Österreich

Umfrage: Österreicher denken bei Orden zuerst an Klosterschwestern

Schwester Beatrix Mayrhofer hat gut lachen: Die Präsidentin der Vereinigung von Frauenorden sieht eine starke Stellung der Frau innerhalb der katholischen Kirche. Zumindest, wenn es nach der am Dienstag in Wien vorgestellten IMAS-Umfrage geht.

Zwar geben 74 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher zu, mit Ordensgemeinschaften wenig oder gar nichts am Hut zu haben - doch wenn die Befragten an ein Leben hinter Klostermauern denken, dann assoziieren sie dieses vorrangig mit Begriffen wie "Klosterschwestern" oder "Nonnen". Frauen also.

Ob Schwester Beatrix Mayrhofer besorgt ist, dass Orden in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen werden? Sie lacht und winkt ab: "Es ist eine Tatsache, dass wir Ordenschristen derzeit immer weniger werden und im Stadtbild deshalb auch seltener vorkommen." Sorgen darüber, dass Gemeinschaften verschwinden könnten, macht sich das Mitglied der Schulschwestern nicht. Aus der Forschung wisse sie, "dass 70 Prozent der Orden, die es im ersten Jahrtausend gegeben hat, den Sprung ins zweite nicht geschafft haben". Wenn sich heute eine Gemeinschaft auflöse, habe sie offenbar ihren Auftrag erfüllt und jene Fragen beantwortet, für die sie gegründet wurde. Mayrhofer: "Generell kann man sagen, dass ein Orden, der den 200. Geburtstag feiert, gute Chancen auf den 300. hat." Offenbar sei ein 200-jähriges Bestehen ein gewisser Knackpunkt für die Zukunft einer Gemeinschaft, die nach gewissen Regeln zusammenlebt.

Die Kirche muss Marketing machen

Weil es mit Gebeten und guten Werken allein für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit nicht getan ist, haben sich die Österreichischen Männer- und Frauenorden nun eine "Kur" verordnet: Ab sofort wählen sie ein fixes Jahresthema, dem sie sich zwölf Monate lang widmen.

Dass dadurch Schwung in die geistlichen Gemeinschaften kommt, erwartet Peter Bohynik, Generalsekretär der Superiorenkonferenz der Männerorden. "Für 2019 haben wir die Kurzformel für unsere Lebensweise vorangestellt", sagt er. Diese Formel lautet "wach - einfach - gemeinsam" und entspricht den drei Gelübden Gehorsam, Armut und Ehelosigkeit, die Ordensleute ablegen, wenn sie sich fix an ihren Orden binden. Was Bohynik (selbst kein Ordensmann) am Leben im Kloster gut findet? "Es ist ein hochmodernes Gegenmodell zu einer Gesellschaft, die derzeit viel zu viel verbraucht."

Orden sind mehr als Schul- und Gesundheitsdienste

Zwar war die Freude darüber spürbar, dass die befragten Österreicher Gesundheits- und Bildungseinrichtungen katholischer Orden kennen. Dennoch wolle man sich mehr auf das "Kerngeschäft" konzentrieren, waren sich Mayrhofer und Bohynik einig. Welches das sei? "Spiritualität, Orientierung und Antworten auf Sinnfragen", lautet die Antwort.

Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage gibt es online zum Nachlesen.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 06:48 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/umfrage-oesterreicher-denken-bei-orden-zuerst-an-klosterschwestern-61880314

Kommentare

Schlagzeilen