Österreich

Umweltschutzorganisationen begrüßen US-Urteil gegen Monsanto

Heimische Umweltschutzorganisationen haben das Schadenersatz-Urteil in den USA gegen den Agrarkonzern Monsanto wegen des Herbizids Glyphosat begrüßt. "Die Argumentation der Anklage hat die Jury offenbar überzeugen können", sagte Helmut Burtscher-Schaden, Biochemiker bei Global 2000, in einem Statement an die APA. Auch Greenpeace forderte am Montag erneut ein Aus von Glyphosat in Österreich.

Betrachtet man das Verfahren genauer, so werde offensichtlich, in welchem Ausmaß hier die Pestizidindustrie seit Jahrzehnten höchst manipulativ arbeite, betonte Burtscher-Schaden. "Die Anklage verließ sich nämlich in erster Linie auf Monsanto-interne E-Mails, Aktennotizen und andere Dokumente, die zu einem Teil während des Verfahrens öffentlich zugänglich gemacht wurden und als 'Monsanto-Papers' bekannt geworden sind."

"Die Anklage zeigte anhand dieser Dokumente, dass Monsanto über Jahrzehnte Regulierungsbehörden, Landwirte, Politiker und die Öffentlichkeit über die dem Konzern vorliegenden Hinweise auf ein krebserregendes Potential von Glyphosat in Unkenntnis gelassen hat. Stattdessen wurden in mehreren dokumentierten Fällen wissenschaftliche Forschungsergebnisse oder Einschätzungen, die ungünstig für Glyphosat ausfielen, zurückgehalten oder manipuliert", kritisierte Burtscher-Schaden.

Auf nationaler Ebene forderte Global 2000 von der österreichischen Regierung ein bundesweites Verbot des Pflanzengifts. Die Regierung "muss jetzt endlich für einen österreichweiten Glyphosat-Ausstieg sorgen", betonte auch Greenpeace. Das Urteil in den USA sei "der erste Schritt auf dem Weg zur Gerechtigkeit für Tausende Betroffene".

Frankreichs Umweltminister Nicolas Hulot hat indes das Glyphosat-Urteil gegen den von Bayer übernommenen Hersteller Monsanto mit harten Worten begrüßt. "Das ist der Anfang vom Ende der Arroganz dieses verfluchten Paars Monsanto-Bayer", sagte er in der Zeitung "Liberation" am Montag. Das Urteil mache sichtbar, dass es Monsantos verstecktes Ziel sei, "die Nahrungsressourcen des Planeten zu schröpfen".

Ende vergangener Woche hatte ein Gericht in den USA den Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Krebsrisiken des Glyphosat-Unkrautvernichters Roundup verurteilt. Monsanto soll einem Krebspatienten Schadenersatz in Höhe von 289 Millionen US-Dollar (254 Mio. Euro) zahlen. Der Hersteller wird dagegen in Berufung gehen und weist einen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und dem Kontakt zu seinen Produkten zurück.

Die EU-Kommission hatte im Dezember nach Zustimmung der Mitgliedstaaten die weitere Zulassung von Glyphosat für fünf Jahre beschlossen. Frankreich hatte damals angekündigt, das umstrittene Unkrautgift auf seinem Markt spätestens in drei Jahren zu verbieten. Trotz des millionenschweren Schadenersatz-Urteils bleibt die Kommission bei der Zulassung des Unkrautvernichters in Europa. Es liege aber in der Hand der Mitgliedsstaaten, Lizenzen für die Nutzung zu erteilen.

Quelle: APA

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