Österreich

Unwetter: Lage entspannt sich

In Österreich entspannt sich die Lage nach den Unwettern, in Niederösterreich bleiben die Pegelstände jedoch auf hohem Niveau. Schwere Überschwemmungen gibt es in Osteuropa - die österreichische Wasserrettung kommt zur Hilfe.

Der Krisenstab des Innenministeriums, der am Freitag zu den Unwettern in Teilen Österreichs eingerichtet wurde und mit den Stäben in der Steiermark, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien und den Burgenland in Kontakt ist, hat am Nachmittag mit Ausnahme von Niederösterreich von fallenden Pegelständen berichtet. Dort wurde in den Bezirken Lilienfeld und St. Pölten Katastrophenalarm ausgelöst.

Hochwasser in St. PöltenGenerellen Rückgang gab es hingegen bundesweit sowohl bei den Niederschlagsmengen als auch bei den Windspitzen zu vermelden. Im niederösterreichischen Münchendorf (Bezirk Mödling) musste ein Kanal mittels Tragkraftspritze entlastet werden. Weiters galt es, mit einem Bagger Verklausungen an einer Brücke zu beseitigen. Steigende Pegelstände entlang der Triesting, Piesting und Schwechat meldete auch das Bezirksfeuerwehrkommando Baden, wo Kräfte seit den frühen Morgenstunden im Einsatz standen.

Starke Niederschläge haben davor im Bezirk St. Pölten für ein Hochwasser entlang der Flüsse Traisen und Pielach gesorgt. Seit 11.30 Uhr herrscht im betroffenen Gebiet Katastrophenalarm. Am Nachmittag standen 45 Feuerwehren mit 80 Fahrzeugen und rund 514 Kräften im Einsatz. Besonders stark betroffen war das Pielachtal. Durch das Wetter kam es zu zahlreichen Straßensperren. Kritisch war die Lage auch in den Bezirken Amstetten, Scheibbs, Melk, Lilienfeld und Neunkirchen, also im Westen und Süden des Bundeslandes.

Regenfälle halten bis Sonntag an Die Unwetter in weiten Teilen Österreichs sind noch nicht ausgestanden. Besonders an der Nordseite der Alpen, vom Salzkammergut über das Mostviertel bis hin zum Rax-/Schneeberggebiet, werden die Regenfälle laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) bis Sonntag anhalten. "Überschwemmungen und Muren sind zu erwarten", warnte die ZAMG. Der Wind wird dafür deutlich schwächer.

Die Wind-Situation dürfte sich dafür allmählich entspannen. Stefan Kiesenhofer, Meteorologe der ZAMG: "Am Freitag sind vom Weinviertel über Wien und das Burgenland bis zur südlichen Steiermark und Unterkärnten noch Windspitzen zwischen 80 und 100 km/h zu erwarten, auf den Bergen und in exponierten Lagen auch etwas mehr. Am Samstag ist der Wind überall deutlich schwächer."Salzburg: Kein Hochwasser erwartetDie Lage in Salzburg skizziert Harald Huemer vom Hydrographischen Dienst des Landes: "Es gibt an allen Gewässern in Salzburg höhere Pegelstände, die bleiben aber auch mit den zu erwartenden Niederschlägen für das Wochenende weit unter der Meldegrenze. Im Pinzgau und Pongau schneit es derzeit in den höheren Lagen, das Wasser wird so zurückgehalten. Im Lungau und im Flachgau gibt es allgemein weniger Niederschläge. Im Tennengebirge ist an der Lammer der Niederschlag am stärksten.Generell kann man sagen, dass die Niederschläge sich auf das Salzkammergut beschränken und im Westen relativ flach ausfallen. Die Summe der Niederschläge ist zwar beachtlich, der Regen fällt aber über eine lange Zeit und kann so von den Gewässern gut abtransportiert werden."

Serbien: Größte Niederschlagsmengen seit 120 Jahren Andere Länder sind allerdings noch stärker von den Unwettern betroffen - besonders Serbien, Bosnien, der Osten Tschechiens und die Slowakei. In Serbien und Bosnien haben die Meteorologen mittlerweile die größten Niederschlagsmengen seit 120 Jahren registriert. Hilfsangebote gab es vonseiten der EU und der Nachbarstaaten, so auch von Österreich.

Am schlimmsten war die Situation am Freitag in Banja Luka, dem Verwaltungszentrum der Republika Srpska, und in Obrenovac, einer Stadt etwa 25 Kilometer südwestlich von Belgrad. Obrenovac mit etwa 75.000 Einwohnern stand laut Medienberichten unter Wasser. Bis Freitagmittag dürften in Serbien zehn Menschen ums Leben gekommen sein. Für zahlreiche Familien fielen Strom und Wasserversorgung aus. Viele Dörfer waren von der Außenwelt abgeschnitten und warteten auf Hilfe aus der Luft. Rettungsmannschaften brachten am Freitag wieder Tausende bedrohte Menschen in Sicherheit. Weiterhin unterbrochen war der Eisenbahnverkehr in Richtung Montenegro und zwischen Belgrad und dem südserbischen Nis, wo in der Nacht auf Freitag auch 70 Angehörige von russischen Rettungsteams eingetroffen waren. Die serbische Regierung hatte zuvor die EU-Kommission, Russland und Slowenien um Hilfe ersucht. Notstand in Bosnien ausgerufen In weiten Regionen der Bosniakisch-Kroatischen Föderation wurde schon am Donnerstag der Notstand ausgerufen. In der Republika Srpska galt der Notstand nur in einzelnen Gemeinden. Laut den Wetterprognosen sollen sich die Regenfälle fortsetzen, allerdings dürfte die Stärke abnehmen.

Kroatien kündigte an, zwei Hubschrauber in das Überschwemmungsgebiet in Bosnien-Herzegowina zu entsenden. In Zentral- und Ostkroatien sorgten Stürme für Schäden, zahlreiche Ortschaften waren wegen Hochwassers von der Umwelt abgeschnitten. Der Fährverkehr zwischen den kroatischen Inseln war lahmgelegt. Chaos in der Slowakei Orkanartige Stürme und Dauerregen haben auch in der Slowakei ein Verkehrschaos und schwere Schäden verursacht. Im Dorf Dlhona (Bezirk Svidnik) fiel ein 83-jähriger Mann in einen überschwemmten Bach und ertrank, wie Innenminister Robert Kalinak am Freitag mitteilte. Umgestürzte Bäume und von den Häusern gerissene Dächer beschädigten Autos und blockierten zahlreiche Straßen und mehrere Eisenbahnschienen vor allem im Osten und Norden des Landes. In der Region Banska Bystrica waren am Freitag mehr als 50.000 Haushalte schon den zweiten Tag ohne Strom. Die tschechischen Behörden sprachen am Freitag für die Regionen Mährisch-Schlesien, Olmütz (Olomouc) und Zlin im Osten des Landes Hochwasser-Warnungen aus. Es wurden weitere Regenfälle erwartet.

Österreichische Wasserrettung kommt zur HilfeDas Innenministerium hat am Freitag den Katastrophenhilfsdienstzug der Kärntner Wasserrettung für einen Auslandseinsatz in den von massiven Überschwemmungen betroffenen Gebieten in Bosnien-Herzegowina und Serbien angefordert. Das berichtete die Wasserrettung in einer Aussendung.

Zu den 15 mit Hochwasserbooten ausgerüsteten Rettern aus Kärnten kommen weitere aus Wien, Niederösterreich und Salzburg. Der Einsatz soll rund acht Tage dauern

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