Stadträtin Anja Hagenauer: Essen aus dem Garten vom Blatt bis zur Wurzel

Die Salzburger Stadträtin Anja Hagenauer (SPÖ) versucht, sich drei Wochen lang überwiegend aus ihrem Schrebergarten zu ernähren. Wie schwierig das ist und wie sie die Gartendiät in ihrem politischen Alltag integrieren kann, berichtet sie hier im Ernährungstagebuch.

3 Wochen Gartendiät Anja Hagenauer
Steckbrief Anja Hagenauer
Alter 52
Wohnort Stadt Salzburg
Beruf Stadträtin für Soziales und Wohnen
Hobbys Gartenarbeit, Natur, Lesen und Reisen
Lieblingsessen Der Knödel in all seinen Darreichungsformen
Neue Ernährungsform Gartendiät

Ernährungstagebuch: Vom Blatt bis zur Wurzel

21. Mai 2022: Ich gebe es zu, erst seit einigen Jahren traue ich mich an alle essbaren Teile einer Pflanze. Davor war klar, nur ein bestimmter Pflanzenteil kommt auf den Teller. Nehmen wir als Beispiel Radieschen und Brokkoli. Beim Radieschen ist es die Rübe, beim Brokkoli der Kopf, der uns schmeckt. Über die Radieschenblätter, die Blätter des Brokkoli und den Strunk denken wir grundsätzlich nicht mal nach. Weil wir es nicht anders gewohnt sind. Dabei lassen sich diese Teile auch verwerten und genießen.

Der Schrebergarten hat mich gelehrt, Pflanzen wertzuschätzen und mich näher mit ihnen zu beschäftigen. Natürlich will ich, wenn ich Gemüse selbst anbaue, so wenig wie möglich "an den Kompost verfüttern". Das Projekt der Schweizerin Esther Kern "Leaf to Root" (zu Deutsch "Vom Blatt bis zur Wurzel") hat mich ermutigt, wenn möglich immer die ganze Pflanze zu verwerten. Und so landet jetzt im Mai das Radieschengrün im Suppentopf zusammen mit Zwiebeln und Erdäpfeln, was eine köstliche Suppe gibt. Das Gleiche gilt für die Blätter und den Strunk des Brokkoli: ab in den Suppentopf. Oder doch lieber ein Pesto daraus machen? Auf alle Fälle hole ich mir so den Geschmack des ganzen Gartens auf den Teller. Eines traue ich mich noch nicht: Bananenschalen. Aber wer weiß, ob ich mir nicht an einem kalten, dunklen Wintertag damit einmal in Bioqualität etwas Exotik und Sonne auf den Teller hole?

Die essbare Stadt, gesund und gut!

14. Mai 2022: Es ist Frühling. Geht es Ihnen genauso wie mir? Es treibt Sie nach draußen ins Grüne? Aber hoffentlich nicht nur zum Spazieren, sondern auch zum Essen. Denn es findet sich vor der Haustür viel Gutes und Gesundes. Probieren Sie es und beginnen Sie mit dem Löwenzahn. Er schmeckt ein bisschen bitter. Aber das ist gut so. Aus vielen Pflanzen wurde der bittere Geschmack herausgezüchtet. Das ist schade, denn die Bitterstoffe sind gesund. Holen wir sie uns zurück auf den Teller und pflücken wir den Löwenzahn, der überall wächst.

Unsere Leber, ja, der ganze Verdauungstrakt wird es uns danken. Am einfachsten ist es, die frischen jungen Blätter in den Salat zu geben. Und weil ja auch das Auge mitisst, gehören ein paar leuchtend gelbe Löwenzahnblüten dazu. Blüte, Blätter und Wurzel, alles ist essbar. Und das ist wunderbar. Denn wir vergessen zu oft, was es alles gibt, das nicht im Supermarkt zu kaufen ist und dazu noch frei verfügbar. Darum treibt mich seit vielen Jahren das Thema essbare Stadt um.

Meine ganz normale Ernährung ergänze ich, wo es geht, mit Pflanzen, die ich im Garten oder im Wald oder beim Spaziergang über den Mönchsberg pflücke. Und mein großer Wunsch ist es, dass wir in Salzburg viele Menschen dafür begeistern, ihr Essen nicht nur aus dem Supermarkt zu holen. Machen wir unsere Stadt essbar. Für eine gesunde Ernährung und für mehr Mut, sich wieder mit der nahen Umwelt zu beschäftigen.


Hinweis von Diätologin Stefanie Bart:

Die persönlichen Erfahrungen von Stadträtin Anja Hagenauer sind nicht als generelle Empfehlung für eine Ernährung aus dem Gemüsebeet zu lesen. Bei der "Garden Diet" fehlen ähnlich wie bei der veganen Ernährung ohne die Zufuhr entsprechender Alternativen, die in tierischen Lebensmitteln enthaltenen Nährstoffe. Die Einnahme eines Vitamin B-12 Präparates ist empfehlenswert. Ebenso gelten Vitamin D und Omega-3-FS als kritische Nährstoffe, die substituiert werden sollten. Zudem werden dem Körper bei der Gartendiät zu wenige Ballaststoffe aus Getreide zugeführt, was sich negativ auf die Darmflora und die Hormonsynthese auswirken kann. Die Versorgung mit Nährstoffen sollte regelmäßig vom Arzt überprüft werden.

Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at. SN/privat/weissbild
Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at.

Aufgerufen am 25.05.2022 um 07:04 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/video-3-wochen-gartendiaet-stadtraetin-anja-hagenauer-essen-aus-dem-garten-vom-blatt-bis-zur-wurzel-120762229

Essen gut, alles gut?

Essen gut, alles gut?

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen