Nach Verzicht auf Kohlenhydrate: "Ein lachendes und ein weinendes Auge"

Karin Lassacher probiert während der SN-Serie "Essen gut, alles gut?" die Low-Carb-Diät und verzichtet dabei überwiegend auf Kohlenhydrate. Nach anfänglichen "Entzugserscheinungen" hat sich ihr Körper sehr rasch an die neue Ernährungsform gewöhnt. Die 37-jährige Tennengauerin beschreibt hier im SN-Tagebuch, wie es ihr dabei geht.

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3 Wochen Low Carb Karin Lassacher
Steckbrief Karin Lassacher
Alter 37
Wohnort Oberalm (Tennengau)
Beruf Marketing-Angestellte bei den "Salzburger Nachrichten"
Hobbys Mountainbiking, Wandern, Fitness-Kurse, Skifahren, Katzen, Lesen, Reisen, Fremdsprachen
Lieblingsessen Meeresfrüchte und Fisch
Neue Ernährungsform Low Carb

Ernährungstagebuch: Noch keine Ernährungsform hat mich so gefesselt

3. Juni 2022: Meine drei Wochen Low-Carb-Ernährung - was im Konkreten heißt: der Verzicht auf jede Art von kohlenhydratreichen Speisen wie Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln oder jede Art von Süßigkeiten - sind seit Sonntag vorbei. Dem Ende sah ich sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge entgegen.

treichen Speisen wie Nudeln, Brot, Reis, Kartoffeln oder jede Art von Süßigkeiten - sind seit Sonntag vorbei. Dem Ende sah ich sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge entgegen.

Selbstverständlich habe ich mich wieder über meinen geliebten Spritz-Aperol, auf ein Stück Marmorgugelhupf sowie auf ein genussvolles Frühstücksweckerl vom Bäcker gefreut. Nichtsdestotrotz muss ich aber auch feststellen, dass ich aktuell wieder in meine üblichen Essensverhaltensmuster zurückfalle: Meine Nase rinnt nach dem Weizenverzehr wieder, das Sättigungsgefühl hält nicht mehr so lange an und Heißhungerattacken machen sich zum Teil wieder bemerkbar. Denn die eiweißreiche Nahrung verhinderte die ungeliebten Heißhungerattacken. Ganz abgesehen vom allgemeinen Wohlgefühl und dem Verlust von Körperfett, welche mich im Zeitraum meiner Kohlenhydratreduktion bereichert haben. Wie sieht nun mein Resümee aus? Die Themen Ernährung und Anatomie des Körpers faszinierten mich schon immer. Mit viel Ehrgeiz und Begeisterung habe ich in der Vergangenheit auch weitere Diätformen wie zum Beispiel das Basenfasten, die Saftkur sowie die Reisdiät ausprobiert. Die 21 Tage waren eine der erkenntnisreichsten Zeiten meines Lebens: Noch keine Ernährungsform hat mich so gefesselt wie die Low-Carb-Variante. Das Prinzip ist für mich (auch weiterhin) gut umsetzbar und tut meinem Körper gut!

Karin Lassacher mit Aperol-Spritz.  SN/privat
Karin Lassacher mit Aperol-Spritz.

Langfristige Umstellung statt kurzer Diät?

27. Mai 2022: Verlockende Düfte aus der Backstube im Supermarkt, Aperol-Spritz trinkende Freundinnen beim Restaurantbesuch oder Marmorgugelhupf essende Kolleginnen und Kollegen im Marketingbüro. Ganz abgesehen von den zahlreichen Begegnungen mit Menschen, die bei heißem Wetter in gewohnter Manier genussvoll ein Eis schlecken. Ein kleiner Auszug an Momenten, in denen ich bis jetzt mit bestem Gewissen widerstehen konnte. Und es fällt mir wirklich nicht schwer. Mein Körper stellt sich von Woche zu Woche immer mehr auf meine neue Ernährungsform - Low Carb - ein.

Inzwischen bin ich so sehr an die kohlenhydratarme Kost gewöhnt, dass ich innerhalb der letzten Tage keine Veränderungen mehr gespürt habe. Ich habe allgemein weniger Hunger als zuvor, weiß, wie viel ich essen kann und sollte, habe viel Energie und mache mir nicht mehr viele Gedanken über meinen täglichen Speiseplan: Das Programm läuft bereits automatisiert.

Eine Frage beschäftigt mich jedoch seit Tagen: Bin ich etwa gegen Weizen enthaltende Lebensmittel sogar allergisch? Es ist wirklich bemerkenswert, dass ich seit meiner Ernährungsumstellung kaum mehr ein Taschentuch benutze. Wer mich länger und besser kennt, weiß, dass ich - vor allem nach den Mahlzeiten - immer viel schnäuzte und meine Nase ständig lief. Dank Weizenentzug ist dieses langjährige "Schnupfen-Syndrom" aktuell vorbei!

Mittlerweile ist die dritte und somit letzte Low-Carb-Woche bald geschafft und ich beschäftige mich schon intensiv mit der Zeit danach. Was soll ich danach einkaufen, wie soll ich mich ernähren? Wird kohlenhydratreduzierte Ernährung mein langfristiger Lebensbegleiter werden? Ich bin schon sehr gespannt.

Wenn sich der Körper auf Ketose einstellt

20. Mai 2022: Drei Wochen Low Carb - wie schaffe ich das? Nach nur wenigen Tagen war für mich klar: Kohlenhydratreduzierte Nahrungsaufnahme tut meinem Körper sehr gut!

Wie sich das zeigt? Ich verspüre mehr geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und höheres Konzentrationsvermögen, bin energiegeladener und meine Long-Covid-Müdigkeit ist auch verschwunden. Ich fühle mich aufgrund des besseren Schlafs rundum vitaler und wacher. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Der Fettstoffwechsel erfüllt seine Hausaufgaben. Der Körper braucht beim Low-Carb-Prinzip einige Tage, um sich auf Fett - statt Kohlenhydrate - als Energielieferant umzustellen (Ketose-Zustand).

Der niedrige Blutzuckerspiegel unterstützt - wider Erwarten - mein derzeitiges Wohlbefinden: Alltagssituationen, die mich früher oft gestresst und genervt haben, werfen mich nicht mehr so schnell aus der Bahn. Mein Ketostix-Urinteststreifen bestätigt es: Ich befinde mich in "Ketose"!

Beim Restaurantbesuch bestelle ich mir eine Vorspeise, ein Fisch- oder Fleischgericht und lasse die Beilagen, die sich meist aus Kartoffeln, Reis, Nudeln oder Gebäck zusammensetzen, weg - oder ersetze diese durch Salat und Gemüse. Den Heißhungerattacken (vor allem nach intensiven Sporteinheiten) wirke ich mit Beerenobst, Keto-Riegeln oder Nüssen entgegen.

Karin Lassacher im Betriebsrestauran „Sabunari“. Auf den Tisch kam: Zanderfilet mit Brokkoli und Safransauce, dazu ein Salat.  SN/privat
Karin Lassacher im Betriebsrestauran „Sabunari“. Auf den Tisch kam: Zanderfilet mit Brokkoli und Safransauce, dazu ein Salat.

Das Erfolgsgeheimnis bei Low Carb

13. Mai 2022: Die Entscheidung, drei Wochen auf Kohlenhydrate zu verzichten, ist mir leichtgefallen. Für mich war von Anfang an klar: Jede Diätform, die einen uneingeschränkten Kaffeekonsum erlaubt, ist für mich - als absolute Kaffeeliebhaberin - umsetzbar. Im Wissen um die Tatsache, dass mein Speiseplan im Allgemeinen reich an Kohlenhydraten ist, habe ich mich mit positiven Gefühlen dem Essensprojekt gewidmet.

Das Prinzip der Low-Carb-Diät, auch als "ketogene Diät" bekannt, ist einfach: Man isst weniger Kohlenhydrate - zwischen 50 und 100 Gramm pro Tag - und dafür mehr Fett und Protein. Es werden also kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Nudeln, Kartoffeln, Brot und Reis komplett vom Speiseplan gestrichen und durch fett- und eiweißreiche Gerichte ersetzt.

Mein Frühstück besteht beispielsweise aus einer Chia-Bowl mit Beeren oder einem klassischen Omelett mit Pilzen, Tomaten und Käse. Zum Glück gab's in Woche eins mittags in unserem SN-Restaurant Sabunari immer Putenstreifensalat. Gegrillter Lachs mit Brokkoli, Zoodles-Bolognese (selbst gemachte Nudeln aus Zucchini) oder Salat mit Garnelen und Avocado bzw. eine Handvoll Nüsse als Zwischensnack komplementieren meinen Low-Carb-Tag.

Das "Erfolgsgeheimnis" dabei ist Folgendes: Nimmt der Körper nur wenig Kohlenhydrate auf, stellt sich der Stoffwechsel mit der Zeit um und die Energie wird nicht mehr aus Kohlenhydraten gewonnen, sondern aus den vorhandenen Fettreserven ("Ketose").

Das Low-Carb-Menü:

Frühstück: Chia-Pudding mit Beeren.   SN/privat
Frühstück: Chia-Pudding mit Beeren.
Zu Mittag: Salat mit Putenstreifen im Betriebsrestaurant „Sabunari“.  SN/privat
Zu Mittag: Salat mit Putenstreifen im Betriebsrestaurant „Sabunari“.
Abendessen: Gegrillter Lachs mit Gemüse und Salat.  SN/privat
Abendessen: Gegrillter Lachs mit Gemüse und Salat.
Abendessen: Salat mit Garnelen, Tomaten, Parmesan und Sojasprossen  SN/privat
Abendessen: Salat mit Garnelen, Tomaten, Parmesan und Sojasprossen
Geheimtipp: Gebackene Auberginen mit Feta, Tomaten und Champignons - natürlich selbst gemacht.  SN/privat
Geheimtipp: Gebackene Auberginen mit Feta, Tomaten und Champignons - natürlich selbst gemacht.

Hinweise von Diätologin Stefanie Bart:

Die persönlichen Darstellungen von Karin Lassacher sind nicht als Empfehlung für eine Low Carb-Diät zu lesen. Laut ÖGE werden dem Körper bei Low Carb zu wenige Ballaststoffe aus Getreide zugeführt, dies kann sich negativ auf die Darmflora und die Hormonsynthese auswirken. Zudem kann ein hohe Verzehr von rotem Fleisch das Risiko für Dickdarmkrebs erhöhen. Eine bei Low Carb manchmal hohe Fettzufuhr erhöht außerdem das Risiko für verschiedene Krankheiten wie koronare Herzkrankheit und Gicht.

Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at. SN/privat/weissbild
Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at.

Aufgerufen am 04.07.2022 um 11:58 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/video-3-wochen-low-carb-nach-verzicht-auf-kohlenhydrate-ein-lachendes-und-ein-weinendes-auge-120761248

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