Nach drei Wochen veganer Ernährung: Ein Happy End, aber kein Abschied

Stephanie Rausch und Lukas Wagner aus Bürmoos wollen sich für den SN-Schwerpunkt "Essen gut, alles gut?" für drei Wochen vegan ernähren. Wie es ihnen dabei geht, berichten sie hier im Ernährungstagebuch.

Autorenbild
3 Wochen vegan essen Stephanie Rausch
Steckbrief Stephanie Rausch Lukas Wagner
Alter 23 22
Wohnort Bürmoos Bürmoos
Beruf Redakteurin bei den "Salzburger Nachrichten" Beamter
Hobbys lesen, schwimmen, fotografieren kochen, Triathlon, Motorradfahren
Lieblingsessen Pasta in jeglicher Form Reis mit Gemüse und Huhn
Neue Ernährungsform vegan vegan

Ernährungstagebuch: Es ist kein Abschied, unsere Ernährung wird grüner!

31. Mai 2022: Drei Wochen vegane Ernährung - das war vielleicht eine Erfahrung. Begleitet von Höhen und Tiefen haben wir uns durchs Grüne gekämpft. Wortwörtlich. Obwohl: Ein Kampf war es nicht. Meistens jedenfalls. Während Lukas seinen körperlichen Grenzen im Training oft näher gekommen ist, als ihm lieb war, ist uns aber beiden klar geworden, wie abhängig wir uns von tierischen Produkten machen. Noch. Denn das Regal mit den pflanzlichen Produkten im Supermarkt ist zwar klein, trotzdem gibt es bereits einen Wandel. Vegane Ernährung kann viele Vorteile bieten. Treibende Kraft für so einen Wandel sind die Menschen, die sich bewusster mit dem Thema Ernährung, Tierwohl und Klimaschutz beschäftigen. Ganz gleich, welche Ernährungsform man schlussendlich wählt.

Ganz ohne tierische Produkte wird sich unser Speiseplan in Zukunft nicht gestalten, aber trotzdem grüner. Es ist also kein Abschied. Aber: Es hat keinen Sinn, sich zu zwingen, Lebensmittel zu essen, die einem nicht schmecken. Es ist auch nicht gut, lieber nichts zu essen, weil der Kühlschrank am Sonntagabend fast leer ist und der Lieferdienst nichts rein Pflanzliches anbietet. Beides haben wir in den drei Wochen getan und bereuen es im Nachhinein. Gleichzeitig hat dieses Experiment unsere Sinne für Inhaltsstoffe, Ernährung und nicht zuletzt unseren eigenen Körper geschärft. Und das bereuen wir keinesfalls.

Sport und Veganismus: Ein eigenes Kapitel

26. Mai 2022: Zwei Wochen vegane Ernährung sind geschafft und wer nun nach dem letzten Zwischenbericht erwartet, dass wir nur noch Haut und Knochen sind: Falsch gedacht! In Woche zwei schien der widerspenstige Körper nun endlich anzufangen zu akzeptieren, dass er ohne das geliebte griechische Joghurt in der Früh und stattdessen mit Hafermilch-Porridge und Sojajoghurt auskommen muss. Und siehe da, der Bauch scheint beruhigt und auch die Kilos kommen langsam zurück.
Was den Sport betrifft, sieht die Sache schon wieder etwas anders aus. Während ich eher spontan und ganz ohne strengen Trainingsplan immer mal wieder ein paar Ausdauersporteinheiten ohne große Probleme absolviere, bemerkt Lukas einen starken Unterschied im Training. Bei langen Rad-Ausfahrten oder harten Laufeinheiten fehlen zeitweise Energie und Kraft. Alles andere als ideal für einen Triathleten, der im Wettkampf gleich drei Sportarten bewältigen muss.

Vielleicht liegt es aber auch daran, dass wir in den vergangenen beiden Wochen unbewusst viel weniger Snacks zwischendurch gegessen haben. Auch wenn es bei den Riegeln so manche vegane Alternative gibt, finden sich in den meisten verarbeiteten Lebensmitteln nach wie vor tierische Produkte. Das hat uns vor Augen geführt, wie schwer es sein kann, sich als Veganer (und Sportler) auch unterwegs ohne Herd, Ofen oder Kühlschrank ausreichend zu versorgen. Schnell mal einen Schokoriegel an der Tankstelle zu kaufen geht da leider nicht.

Für die nächste und auch schon letzte Woche heißt es damit für uns: gut vorausplanen und Proteine sowie Kohlenhydrate scheffeln - auch mal zwischendurch.

Vegan - eine Herausforderung für den Kopf und den Magen

17. Mai 2022: Uns ausschließlich vegan zu ernähren war für uns in der ersten Woche eine immense Umstellung. Für das Mittagessen in der Arbeit müssen wir uns meist Gerichte vorkochen, um den Tag über versorgt zu sein. Das ist aber nicht immer leicht und die Nachlässigkeit ließ bereits das ein oder andere Kilo purzeln. Auch auf das oft rohe Obst und Gemüse, das in unserem Speiseplan nun die Hauptrolle spielt, muss sich unser Körper erst mal umstellen und ist immer noch damit beschäftigt. Das führte nicht selten zu Bauchschmerzen nach einer Mahlzeit. Für die kommende Woche heißt es also: leicht verdauliche Lebensmittel wie Kartoffeln, Karotten und Brot.

Dabei ist die pflanzenbasierte Ernährung nicht nur für den Magen eine Herausforderung. Auch der Kopf spielt eine große Rolle. Sei es beim Restaurantbesuch oder beim Wocheneinkauf: Noch immer starren wir eine absurd lange Zeit auf die Liste der Inhaltsstoffe, um ja keine tierischen zu übersehen. Kurz keimt Panik auf, ob das jetzt nun wirklich alles vegan ist. Hier müssen wir definitiv noch entspannter werden. Sich mehr mit dem, was drin ist, zu beschäftigen hat aber auch Vorteile: Wir wissen jetzt zum Beispiel, dass es für Eis gar keiner tierischen Produkte bedarf. Es reicht, eine Handvoll gefrorenes Obst wie Beeren und Mango und eine Banane zu einem süßen Sorbet zu pürieren. Und wenn wir noch mehr vegane Nachspeisen entdecken, nehmen wir die paar verlorenen Kilos bestimmt schnell wieder zu.

Rezept: Veganes Sorbet zum Selbermachen:

  • Zwei gefrorene Mangos,
  • eine Handvoll gefrorene Beeren und
  • eine Banane

gemeinsam in den Mixer geben und pürieren.

Veganes Sorbet. SN/stephanie rausch
Veganes Sorbet.

Warum wir jetzt vegan essen

10. Mai 2022: Wenn wir ganz ehrlich sind: Wir fanden es immer ein bisschen befremdlich. Wie häufig Menschen - vor allem in sozialen Medien - betonen, dass sie sich vegan ernähren. Wie eine Art Warnhinweis. Oder wenn beim gemütlichen Zusammensitzen mit Freunden über nichts anderes diskutiert wird als den schädlichen Konsum tierischer Produkte. Muss das sein? Vielleicht gerade deshalb haben wir uns entschieden, uns einmal selbst ein Bild davon zu machen, wie es wirklich ist, wenn die tierischen Produkte in der Ernährung wegfallen. Doch schon mit Beginn dieser drei Wochen wurde uns schlagartig bewusst: Es ist noch nicht so einfach, in unserer Gesellschaft vegan zu leben, wie es zunächst scheint. Und obwohl es so ein Klischee ist, jeder und jedem auf die Nase zu binden, dass man jetzt nur noch pflanzliche Produkte isst: Es passiert automatisch und ist ganz oft notwendig. Beim Muttertagsbrunch fängt es an und beim Grillen geht es weiter. Kaum ist die Einladung ausgesprochen, die Verabredung festgelegt, rutscht er schon heraus, der berühmt-berüchtigte Satz: "Ach ja, übrigens: Wir essen jetzt nämlich vegan." Beim Gegenüber sorgt das erstmal für angestrengtes Nachdenken. Es wird umgekrempelt. Dank der vielen Möglichkeiten, die es mittlerweile gibt, ist das aber dann doch kein Problem. Und wir denken uns: "Gut, dass wir es im Vorhinein gesagt haben."

Hinweis von Diätologin Stefanie Bart:

Die persönlichen Erfahrungen von Frau Rausch und Herrn Wagner sind nicht als generelle Empfehlung für eine vegane Ernährung zu lesen. Die ÖGE rät Menschen, die sich vegan ernähren möchten, dauerhaft ein Vitamin-B12-Präparat einzunehmen, gezielt nährstoffdichte Lebensmittel und angereicherte Lebensmittel auszuwählen, die Versorgung mit Nährstoffen regelmäßig vom Arzt überprüfen zu lassen und ggf. zu Nährstoffpräparaten zu greifen sowie sich von einer qualifizierten Ernährungsfachkraft informieren und beraten zu lassen.

Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at. SN/privat/weissbild
Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at.

Aufgerufen am 05.07.2022 um 07:37 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/video-3-wochen-vegan-essen-nach-drei-wochen-veganer-ernaehrung-ein-happy-end-aber-kein-abschied-120760855

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