Familie lebt zuckerfrei: "Der Kuchen war nicht für den Hugo"

Maria, Gerald, Vinzenz , Xaver und Cäcilia Schmidt aus Bergheim wollen sich für den SN-Schwerpunkt "Essen gut, alles gut?" drei Wochen lang zuckerfrei ernähren - was speziell bei den Kindern zur großen Herausforderung werden dürfte. Wie es ihnen dabei geht, berichten sie hier.

Autorenbild
3 Wochen zuckerfrei Maria Schmidt-Mackinger
Steckbrief Familie Schmidt
Mitglieder Maria (42), Gerald (40), Vinzenz (8), Xaver (6), Cäcilia (2)
Wohnort Bergheim
Hobbys wandern, garteln, schwimmen, lesen, Trampolin hüpfen
Lieblingsessen alles mit Fleisch, Süßes, Eis
Neue Ernährungsform zuckerfrei

Ernährungstagebuch: Ein Kuchen ohne Zucker und ein Hugo zu viel

23. Mai 2022: Woche zwei ist geschafft und die Zwischenbilanz erfreulich: Wir haben durchgehalten. Also fast.

Der Schulbub hat zerknirscht gestanden, dass die Lehrerin jedem Kind ein Gummibärli als Belohnung geschenkt hat. Na wenn es sonst nichts ist! Die Tochter bekam in der Krabbelstube in dieser Woche - wie alle Kinder - ein Wassereis. Vermutlich war sie sich ihres Fehltritts nicht bewusst. Die Mutter hat beim After-Work-Drink zu spät erkannt, dass ein Hugo derzeit für den Hugo ist, weil der ja auch aus Hollersirup besteht. Der Vater hat bei der Geburtstagsfeier zum Radler gegriffen.

So weit, so tolerierbar. Denn es gab ja auch noch viele Erkenntnisse diese Woche: Die Vanillesauce zu ihren Buchteln haben beide Buben in der Ausspeisung abgelehnt. Im Freibad wurden Melonenstücke gefuttert, während um uns herum alle am Eisschlecken waren. Es ging ohne großes Murren über die Bühne. Wir haben einen Schoko-Kirsch-Kuchen ganz ohne Zucker gebacken und er war unglaublicherweise köstlich. Wir haben entsetzt festgestellt, dass getrockneten Cranberrys Zucker zugesetzt wird. Und der Vorwurf, "Mama, ich habe nie gesagt, dass ich beim Zuckerfasten mitmachen will!", kommt immer seltener.

Bilde ich mir das nur ein, oder sind die Kinder abends viel weniger aufgedreht, nicht mehr so "auf Zucker", leichter ins Bett zu bringen? Und ist die Haut von uns beiden Erwachsenen zuletzt nicht viel reiner geworden? Kann es an der Ernährungsumstellung liegen?

Nächste Woche wird jedenfalls Eis ohne Zucker selbst gemacht. Wir sind gespannt, ob man das essen kann. Und freuen uns wieder auf richtiges Eis, bald im Freibad.

Kein Zucker, weniger Plastik

16. Mai 2022: Wer hätte gedacht, dass der täglich eingeforderte Frühstückskakao so einfach gegen Früchtetee ausgetauscht werden kann? Dass das Butterbrot dazu auch ohne Marmelade gut schmeckt?

Tatsächlich, unser Experiment, auf Zucker zu verzichten, läuft nach Woche eins überraschend gut an. Wichtigste Erkenntnis: Wer mittags satt wird, verlangt nachmittags seltener nach einer süßen Zwischenmahlzeit. Bei uns handelte es sich dabei nicht selten um Eis - weshalb auch der dieswöchige gemeinsame Besuch beim Biomarkt ausgelassen werden musste, weil sich die Kinder dort immer auch ein Eis holen müssen. Also wirklich immer. Lieber einmal nicht gemeinsam hingehen, man muss ja nicht gleich alle Rituale über den Haufen werfen.

Erdbeeren und Melonen lenken aber vorerst eh ganz gut von der Lust aufs Gefrorene ab.

Apropos einkaufen: Das stellt sich im Supermarkt nun viel einfacher dar. Man kann nämlich getrost an fast allen Regalen vorbeigehen, der Zucker steckt doch überall drin, in den Getränken, den Snacks, den Fertigprodukten, den Backwaren, in den diversen Frühstücksflocken. Im Wesentlichen bleiben Obst und Gemüse sowie ein schmaler Teil des Milchregals für unseren Lebensmitteleinkauf übrig. Angenehmer Nebeneffekt: Wir tragen damit auch viel weniger Plastik heim.

Und während der Schulbub stolz erzählt, dass er auf den "bestimmt leckersten Schokokuchen der Welt" beim Mittagessen in der Schule verzichtet hat, grinst sein jüngerer Bruder, weil der Kuchen tatsächlich der leckerste der Welt gewesen sei. "Mama, du hast gesagt, dass ich mich im Kindergarten nicht an zuckerfrei halten muss." Wir besprechen das in Woche zwei noch einmal genauer

Maria Schmidt-Mackinger mit Tochter Cäcilia.  SN/stephanie rausch
Maria Schmidt-Mackinger mit Tochter Cäcilia.

"Was, da ist auch Zucker drin?"

8. Mai 2022: Ganz am Anfang stand die Frage an die Kinder, weil die ja mitziehen müssen: Wollen wir auf Zucker oder auf Fleisch verzichten? Die Antwort darauf kam überraschend schnell und eindeutig, vermutlich denkt unser Nachwuchs beim Wort Zucker nur an den weißen Haushaltszucker, der bei uns tatsächlich maximal beim Kuchenbacken zum Einsatz kommt.

Undenkbar, drei Wochen lang das Fleisch wegzulassen, Fleisch ist quasi ihr Gemüse.

Darum jetzt: Zuckerverzicht. Allmählich haben unsere Naschkatzen realisiert, dass damit nun alle Süßigkeiten, die Frühstücksflocken, der selbstgemachte Sirup, Fruchtjoghurt und das geliebte Eis komplett vom Speiseplan gelöscht werden. Die geschätzt 77 Osternesterl, die noch immer prallgefüllt auf der Anrichte zum Sündigen einladen, müssen natürlich aus dem Blickfeld verschwinden. Ja, sie sind in drei Wochen sicher auch noch genießbar.

Bis dahin nehmen wir uns vor, uns genauer mit den Inhaltsstoffen unseres Essens auseinander zu setzen und hoffen auf den Aha-Effekt bei den Kindern: "Was, da ist auch Zucker drin?" Wir werden nicht auf Zuckerersatzstoffe ausweichen. Der Geschmack von Süßem darf gern wieder zu etwas Besonderem werden.

Bestimmt werden Omas und Tanten unser Vorhaben heimlich torpedieren, aber da drücken wir großzügig ein Auge zu. Aber nur bei den Kindern! Auf Zucker zu verzichten wird vermutlich ein täglicher Kampf werden. Für alle.

Hinweis von Diätologin Stefanie Bart:

Die persönliche Darstellung von Familie Schmidt ist nicht als generelle Empfehlung einer zuckerfreien Ernährung zu lesen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt die tägliche Zufuhr freier Zucker auf unter 10% der Gesamtenergiezufuhr zu beschränken. Auch Honig, Sirup, Fruchtsäfte und Fruchtsaftkonzentrate können freie Zucker enthalten. Ausgeschlossen von der Empfehlung sind frisches Obst und Gemüse sowie Milch, da diese Zucker auf natürliche Weise enthalten und es laut WHO keine Hinweise auf nachteilige Gesundheitsauswirkungen gibt.

Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at. SN/privat/weissbild
Diätologin Stefanie Bart. Kontaktdaten: www.stefanie-bart.at.


Aufgerufen am 25.05.2022 um 03:01 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/video-3-wochen-zuckerfrei-familie-lebt-zuckerfrei-der-kuchen-war-nicht-fuer-den-hugo-120760492

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