Österreich

Vier Jahre Haft für 19-Jährigen wegen Mordversuchs

Ein 19-Jähriger ist am Freitag im Grazer Straflandesgericht von einem Geschworenensenat wegen versuchten Mordes zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Er soll im Oktober 2016 einen mutmaßlichen Rivalen in einem Lokal mit einem Klappmesser niedergestochen haben. Der Angeklagte leugnete die Tötungsabsicht: "Ich wollte ihm nur weh tun."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  SN/APA (Archiv/Pfarrhofer)/HERBERT
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Im Oktober vorigen Jahres traf der Angeklagte in einer Diskothek ein Mädchen, mit dem er über Facebook lose befreundet war. "Ich war in sie verliebt", meinte der Serbe vor Gericht. Als ein anderer Mann mit seiner Angebeteten tanzte, wollte er ihn zur Rede stellen, doch dieser wimmelte ihn nur ab. Es kam zu einer Hin- und Herschupferei, der Türsteher komplimentierte daraufhin den 19-Jährigen hinaus.

Dieser stand nach eigenen Angaben nun eine Stunde vor dem Lokal, bevor er wieder hineinging. Er eilte geradewegs auf seinen Rivalen zu, "zückt sein Klappmesser und sticht ihn in den Bauch", schilderte Staatsanwalt Rudolf Fauler. Der andere bemerkte zuerst gar nicht, dass er mit dem Messer verletzt worden war, sondern glaubte, einen Stoß bekommen zu haben. Erst als er das Blut auf dem T-Shirt sah, wurde ihm klar, was passiert war.

Das Opfer hatte das große Glück, dass der Stichkanal so schräg war, dass die Bauchhöhle nicht getroffen wurde und die Verletzung dadurch nicht lebensgefährlich war. "Ich wollte ihm wehtun, aber ich habe nie einen Plan gehabt, es ist einfach passiert", beteuerte der Angeklagte.

"Warum nehmen Sie so ein Messer mit ins Lokal?", wollte Richter Christoph Lichtenberg wissen. "Es war in meiner Hosentasche", antwortete der Serbe. "Wie kommt's dahin?", hakte der Richter nach. "Ich habe es zum Wechseln einer Glühbirne gebraucht", kam die Antwort, die der Richter nicht ganz nachvollziehen konnte. "Einen Schraubenzieher oder eine Zange ja, aber ein Messer?"

Gerichtsmediziner Thorsten Schwab führte aus, dass die Verletzungen nicht lebensgefährlich waren, was aber eher Zufall gewesen sei. "Es ist schwer, so einen Stich zu dosieren", erklärte der Sachverständige. Das spitze Messer mit der zehn Zentimeter langen Klinge war neben dem Bauchnabel in den Körper eingedrungen. Bei einem anderen Stichkanal hätten schwere Verletzungen der Bauchhöhle, des Darms oder innerer Organe die Folge sein können. "Potenziell ist so ein Stich sehr, sehr gefährlich", schloss der Gutachter.

Die Geschworenen befanden, dass es sich um einen Mordversuch gehandelt habe. Wegen des jugendlichen Alters und der Unbescholtenheit des Angeklagten hielt der Senat eine unbedingte Haftstrafe von vier Jahren für ausreichend. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Quelle: APA

Aufgerufen am 16.11.2018 um 05:53 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/vier-jahre-haft-fuer-19-jaehrigen-wegen-mordversuchs-384229

Schlagzeilen