Österreich

Virologin: Maßnahmen "starkes Mittel" und "gutes Zeichen"

Die am Dienstag von der Bundesregierung angekündigten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wertet die Virologin Elisabeth Puchhammer-Stöckl gegenüber der APA als "gutes Zeichen". Das Vorgabenbündel sei ein "starkes Mittel" im Bemühen, vor allem ältere Menschen vor Ansteckungen zu schützen. Dass Schulen vorerst nicht geschlossen werden, mache durchaus Sinn, so die Wissenschafterin.

Puchhammer-Stöckl sieht in Maßnahme guten Schritt SN/APA/HELMUT FOHRINGER
Puchhammer-Stöckl sieht in Maßnahme guten Schritt

Mit den nun wirksamen Einreiseeinschränkungen aus und in Richtung Italien habe man gerechnet. "Die Ausnahme mit dem ärztlichen Attest ist eine gute Lösung, um noch Leute hereinkommen zu lassen", sagte die Wissenschafterin von der Medizinischen Universität Wien. Dass Rückkehrer verpflichtend 14 Tage in Quarantäne gehen müssen, sei "nicht überraschend. Das ist ein Risikogebiet und daher ist das so zu machen".

Der Plan, etwa durch die Absage von Freiluft-Veranstaltungen mit mehr als 500 Besuchern und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen mit über 100 Gästen bis Anfang April die sozialen Kontakte zu reduzieren, mache ebenso Sinn - auch wenn es keine belastbaren wissenschaftlichen Daten gebe, die genau diese Zahlen nahelegten. "Aus wissenschaftlicher Sicht haben wir aber fast darauf gewartet, dass so etwas kommt", sagte Puchhammer-Stöckl. In räumlicher Nähe passieren Übertragungen sehr schnell, das notwendige Abstandhalten auf solchen Veranstaltungen könne vor allem in Innenräumen einfach nicht gewährleistet werden.

Auch die Reduktion der Interaktionen an den Unis könnten einen Beitrag leisten, es brauche aber auch Verständnis dafür, dass das Übertragungsrisiko ebenso an anderen Orten, wo viele junge Menschen unterwegs sind, reduziert werden sollte, so der auf Simulationsrechnungen spezialisierte Mathematiker Niki Popper von der Technischen Universität (TU) Wien. Die Hochschulen könnten in ihrem Betrieb sicher einiges über Online-Lernen abfangen. Auf der MedUni Wien sei man hier etwa gut aufgestellt, sagte Puchhammer-Stöckl. Hier komme auch dazu, dass man die Patienten am Wiener AKH vor zu vielen Leuten schützen müsse, die der Unibetrieb mit sich bringt. Es gelte hier, Verbreitungscluster zu vermeiden.

Schulschließungen wiederum seien schwierig zu bewerten, da es dadurch zu einer Verschiebung der Betreuung potenziell infizierter Kinder in Richtung Großeltern kommen kann, so beide Forscher. Gerade die bei einer Erkrankung gefährdeten älteren Menschen müssten unbedingt geschützt werden und sollten "keine Kinder sehen, die (das Virus, Anm.) vielleicht leicht übertragen", betonte die Virologin. Im Bereich der Krankenversorgung sei durch Schulschließungen zudem zu erwarten, dass viel Gesundheitspersonal dann zuhause auf seine Kinder aufpassen müsste, was die Gesundheitsversorgung einschränken könnte. Hier gelte es den Fortgang der Ausbreitung sehr genau zu beobachten.

Der Zeitpunkt für das Ausrollen der "einschneidenden Maßnahmen" passe prinzipiell: "Jetzt geht die Kurve exponentiell hinauf. Es war also ein guter Schritt", sagte Puchhammer-Stöckl. Dass das neue Vorgabenbündel etwas bringt, steht auch für Popper außer Frage: "Prinzipiell ist alles gut, was Kontakte reduziert, ohne die persönliche Freiheit massiv einzuschränken." Werden jetzt noch die öffentlichen Ressourcen gut und vorausschauend geplant, "sind wir eigentlich auf einem guten Weg und brauchen uns nicht sonderlich zu fürchten", sagte Popper.

Aufgerufen am 02.12.2021 um 01:57 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/virologin-massnahmen-starkes-mittel-und-gutes-zeichen-84650353

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