Österreich

Von "Kein Grund zur Panik" bis "Jetzt geht es um alles" - Zitate um die Coronakrise

Eine in China ausgebrochene Lungenkrankheit hat sich über die Welt verbreitet. Die Entwicklung der Pandemie auf nationaler österreichischer Ebene ist im Folgenden anhand von Zitaten dokumentiert.

Das Coronavirus in einer Computer-Illustration (Symbolbild). SN/stock.adobe.com/aldeca productions
Das Coronavirus in einer Computer-Illustration (Symbolbild).

Das politische Österreich hatte mit der im Mai 2019 aufgeflogenen Ibiza-Affäre die schwerste Krise in der Geschichte der Zweiten Republik zu verarbeiten. Die Koalition aus ÖVP und FPÖ platzte, eine Übergangs-Expertenregierung übernahm die Amtsgeschäfte. Am 29. Oktober 2019 wählte Österreich ein neues Parlament. ÖVP und Grüne einigten sich nach zähen Verhandlungen auf eine Regierungskoalition. Bundespräsident Alexander Van der Bellen gelobte diese am 7. Jänner 2020 an.

Im Trubel der Ereignisse nahm kaum jemand Notiz von einer Nachrichtenmeldung, die von der Austria Presse Agentur (APA) am 31. Jänner 2020 um 11.04 Uhr mit folgender Einleitung verschickt worden war:

"Eine mysteriöse Lungenkrankheit ist in der zentralchinesischen Metropole Wuhan ausgebrochen. Bisher seien 27 Erkrankte identifiziert worden, berichtete die Gesundheitskommission der Stadt am Dienstag. Gerüchten im Internet, es könnte sich um einen neuen Ausbruch der Lungenseuche Sars handeln, trat die ,Volkszeitung' entgegen."

Corona-Zitate - erstes Halbjahr 2020

Datum Person Aussage
22. Jänner Gesundheitsminister Rudolf Anschober "Derzeit ist absolut kein Grund zur Aufregung, aber es braucht größte Aufmerksamkeit und internationale Abstimmung. Österreich ist gut vorbereitet."
26. Jänner Innenminister Karl Nehammer "Derzeit gibt es keinen Grund zur Sorge in Österreich." (Nehammer beruft nach dem ersten Verdachtsfall in Österreich dennoch einen Einsatzstab zum Coronavirus ein.)
27. Jänner Rudolf Anschober "Es gibt absolut keinen Grund zur Panik, dafür aber für erhöhte Aufmerksamkeit und Vorsicht. Viel besser vorbereitet kann man nicht sein."
26. Februar Bundeskanzler Sebastian Kurz "Auch um Österreich wird Corona keinen Bogen machen."
10. März Sebastian Kurz "Es wird auch zu Maßnahmen an Schulen kommen." (Diese schließen am 16. März.)
13. März Sebastian Kurz "Ab Montag müssen wir unser soziales Leben auf ein Minimum reduzieren." - der erste Lockdown...
16. März Sebastian Kurz "Das bedeutet, bleiben Sie zu Hause."
20. März Sebastian Kurz "Halten Sie durch" (Die Regierung verlängert die Ausgangsbeschränkungen zum ersten Mal - und schlussendlich bis zum 30. April.)
30. März Sebastian Kurz "Wir werden auch in Österreich bald die Situation haben, dass jeder irgendjemanden kennt, der an Corona verstorben ist."
3. April Vizekanzler Werner Kogler "Wie die weiteren Fahrpläne eines langsamen Hochfahrens sein können, werden wir ja ab nächster Woche vorstellen."
6. April Sebastian Kurz "Es wird eine Woche sein, die ausschlaggebend dafür ist, ob die Wiederauferstehung nach Ostern, die wir uns alle wünschen, auch so stattfinden kann."
16. April Karl Nehammer "Wir sind sozusagen die Flex, die Trennscheibe für die Gesundheitsbehörden, um die Infektionskette rasch zu durchbrechen." (Es geht um die Rolle der Polizei.)
24. April Bildungsminister Heinz Faßmann "Unser Ziel, mein Ziel war und ist es, die Schüler zurück in die Schule zu bringen."
28. April Rudolf Anschober "Wir können diese Ausgangsbeschränkungen auslaufen lassen."
13. Mai FPÖ-Chef Norbert Hofer "Ein Grippevirus, das für über 80 Prozent der Bevölkerung nicht gefährlich ist."
6. Juni Rudolf Anschober "Ich bin sehr optimistisch, dass es in Österreich zu keiner zweiten Welle kommen wird."
13. Juni Sebastian Kurz "Nachdem wir die gesundheitlichen Folgen der Krise überstanden haben, müssen wir jetzt angesichts der Weltwirtschaftskrise die Konjunktur in Österreich wieder ankurbeln."
14. Juni Rudolf Anschober "Wo es vielleicht zu eng wird, wo es in der jeweiligen Situation Sinn macht und wo man sich mit MNS sicherer fühlt, sollte der MNS in Eigenverantwortung getragen werden."

Corona-Zitate - zweites Halbjahr 2020

Datum Person Aussage
1. Juli Außenminister Alexander Schallenberg "Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste." (Er verkündet Reisewarnungen für Länder des Westbalkans.)
21. Juli Sebastian Kurz "Es gibt Bereiche des täglichen Lebens, wo man sich nicht aussuchen kann, ob man hingeht oder nicht." (Wiedereinführung der Maskenpflicht u. a. im Lebensmittelhandel.)
16. August Sebastian Kurz "Das Virus kommt mit dem Auto nach Österreich." (Weil Menschen vom Urlaub heimfahren.)
28. August Sebastian Kurz "Es gibt schön langsam Licht am Ende des Tunnels." (Er hofft auf einen Impfstoff.)
11. September Sebastian Kurz "Ziel ist, einen Lockdown zu verhindern." (Es kommt wieder zu Veranstaltungseinschränkungen.)
13. September Sebastian Kurz "Was wir gerade erleben, ist der Beginn der zweiten Welle."
13. September WKO-Chef Harald Mahrer "Der Weg von der Hirnlosigkeit weniger zur Arbeitslosigkeit vieler ist ein kurzer."
29. September Rudolf Anschober "Wenn wir auch in der Politik wieder ein bisschen geschlossener und gemeinsamer auftreten und wenn wir die Maßnahmen, die jetzt da sind, auch verwirklichen, dann bin ich sehr optimistisch, dass wir nicht in eine zweite Welle hineinkippen."
30. September Norbert Hofer "Zweiter Lockdown offenbar schon in Vorbereitung" (Der FPÖ-Chef ahnt etwas.)
30. September Rudolf Anschober "Das ist nicht nur eine Ente, das ist eine ganze Entenfarm. Da ist wirklich nichts dran." (Der Gesundheitsminister dementiert.)
3. Oktober Werner Kogler "Völlig an den Haaren herbeigezogen."
10. Oktober ORF-Innenpolitikchef Hans Bürger "Dass ein weicher Lockdown (...) am 2. November starten könnte oder eben am 16. November, das Ganze für zwei oder drei Wochen."
24. Oktober Heinz Faßmann "Es gibt keinerlei Absichten, nach den Herbstferien hier zu einem schulischen Schließen zu kommen."
25. Oktober Sebastian Kurz "Die Lage ist extrem ernst, die Situation spitzt sich zu."
25. Oktober Rudolf Anschober "Jetzt geht es um alles! Die nächsten drei, vier Wochen werden entscheidend für unsere Zukunft sein!"
27. Oktober SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner "Die Regierung darf nicht planlos in einen zweiten Lockdown hineintaumeln."
27. Oktober Rudolf Anschober "Da stehen wir weit davon entfernt." (Der Minister verweist am selben Tag auf die Frage, ab wann er für einen Lockdown ist, darauf, dass dazu die Intensivkapazitäten "unmittelbar vor dem Zusammenbruch" stehen müssten.)
29. Oktober Rudolf Anschober "Aus meiner Sicht haben wir wirklich einen akuten Handlungsbedarf."
31. Oktober Sebastian Kurz "Ab Dienstag, dem 3. November, null Uhr, bis Ende November wird es zu einem zweiten Lockdown in Österreich kommen."
31. Oktober Rudolf Anschober "Ich bin Optimist. Wir alle miteinander haben gezeigt, wir haben es einmal geschafft. Und was man einmal schaffen kann, das kann man auch ein zweites Mal schaffen."
31. Oktober Sebastian Kurz "Was die Schulen und Universitäten betrifft, werden die Oberstufe und der Universitätsbetrieb auf Distance Learning umgestellt."
1. November FPÖ-Pressedienst "Hofer zeigt bisher vorwiegend eher milde Symptome."

Fortsetzung folgt.

Quelle: APA

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