Österreich

Vor diesen Betrugsmaschen sollten Sie sich in Acht nehmen

Vom abholbereiten Paket bis zur großen Online-Liebe, die dringend Geld benötigt. Die Bandbreite an Betrugsmaschen - vor allem im Internet - nimmt stetig zu. Die SN liefern einen Überblick und geben Tipps, wie Sie sich am besten vor Betrügereien schützen können.

Aufgrund der Coronapandemie verlagern sich Betrügereien vermehrt ins Internet.  SN/imago
Aufgrund der Coronapandemie verlagern sich Betrügereien vermehrt ins Internet.

Seit Beginn der Coronapandemie verlagern sich Betrügereien laut dem "Cybercrime Report" des Innenministeriums vermehrt ins Internet. Die Vorgehensweisen im Bereich des Internetbetrugs umfassen eine Vielzahl von Modi
Operandi, die von Anlagebetrügereien, Gewinnversprechen bis zu vorgetäuschten Warenlieferungen reichen. Die Täter nutzen dabei nicht nur die Möglichkeiten der
Anonymität und der Verschleierung der eigenen Identität, sondern können auch mit wenig Aufwand mit einer Vielzahl von potenziellen Opfern rasch und unkompliziert weltweit in Kontakt treten. Die Realität hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass repressive Handlungen und Maßnahmen durch die Kriminalpolizei zur Aufklärung der Tat durch die fast immer notwendigen internationalen Ermittlungsschritte häufig erschwert werden. Betrügereien können jede Person treffen. Deshalb ist es besonders wichtig, über aktuelle Betrugsmaschen Bescheid zu wissen.

Paket liegt zur Abholung bereit

Bei dieser Betrugsmasche erhalten potenzielle Opfer auf ihrem Handy ein SMS oder E-Mail von einer unbekannten Nummer. In der Textnachricht steht, dass ein Paket an den Empfänger der Nachricht versandt wurde. Entweder soll das Paket abgeholt werden ("Letzte Chance zum Abholen") oder die Sendung der Bestellung soll verfolgt werden ("Verfolgen Sie Ihre Sendung hier"). Am Ende der Nachricht befindet sich immer ein Link, um die angebliche Sendung zu orten oder zu verfolgen. Das Problem ist: Die Nachrichten werden von Betrügern verschickt, um private Daten abzugreifen. Solche sogenannten "Phishingmails" geraten immer häufiger in Umlauf. Öffnen Sie als Betroffener auf keinen Fall dubiose Links, sondern löschen Sie die Nachricht und blockieren die Telefonnummer des Absenders.

Bei Nachrichten wie dieser sollten Sie misstrauisch werden. SN/imago
Bei Nachrichten wie dieser sollten Sie misstrauisch werden.

Betrüger geben sich am Telefon als Polizisten aus

Nach wie vor kommt es häufig vor, dass sich Betrüger vorzugsweise am Telefon als Polizisten ausgeben und Geld fordern. Die Unbekannten rufen dabei am Festnetz an und behaupten beispielsweise, dass ein naher Angehöriger des Opfers nach einem schweren Unfall in Haft sei. Dann fordern sie die sofortige Bezahlung eines größeren Geldbetrages als angebliche Kaution. Sie geben an, dass die Versicherung des in einen Unfall verwickelten Angehörigen abgelaufen sei, und fordern das Opfer auf, sofort eine größere Summe als angebliche Kaution zu bezahlen. Zur Untermauerung der Behauptung sind im Hintergrund teilweise weinerliche Frauenstimmen - angeblich die "inhaftierte Angehörige" - zu hören.

Die Täter gehen dabei nach unterschiedlichen Mustern vor. In Wien wurde einem Mann am Telefon von angeblichen Polizisten erzählt, zwei Tatverdächtige seien nach einem Einbruch festgenommen worden, bei ihnen seien wiederum seine Daten gefunden worden. Da ihre Komplizen nun auch bei ihm einbrechen und sein Geld von der Bank stehlen könnten, sollte er das Geld - einen mittleren fünfstelligen Betrag - übergeben.

Bekommt man einen ähnlichen Anruf, rät die Polizei, das Telefonat zu beenden, denn Polizisten übernehmen und verwahren grundsätzlich kein Bargeld und keine Wertgegenstände. Wird gesagt, dass Verwandte verunfallt sind oder verhaftet wurden, soll man diese unter deren bekannter Nummer kontaktieren. Im Schadensfall sollen sich Angerufene die Nummer des Anrufers notieren, die nächste Polizeidienststelle verständigen und Anzeige erstatten.

Beim Telefonbetrug sind vor allem ältere Personen die Zielgruppe der Täter. SN/imago
Beim Telefonbetrug sind vor allem ältere Personen die Zielgruppe der Täter.

Enkelkind benötigt dringend Geld

Zu den Klassikern unter den Betrugsmaschen zählt nach wie vor der Enkeltrick. Insbesondere ältere Menschen werden telefonisch von den Tätern kontaktiert und im Rahmen des Gesprächs unter Vorspiegelung lebensnaher Sachverhalte um eine Geldleistung gebeten. Die vermeintlichen Enkel, Neffen oder Nichten holen das Geld niemals selbst beim Opfer ab, sondern schicken angebliche Freunde als Geldboten.

Online-Dating wird zur Kostenfalle

Ein gefundenes Fressen für Betrüger sind Datingplattformen oder Chatrooms im Internet. Die Täter versuchen dabei, rasch eine Beziehung zu ihren Opfern aufzubauen, und zeigen schon nach kurzer Zeit starke Gefühle. Betrüger nutzen dabei oft die Identität einer echten Person ("Catfishing"), um authentisch zu wirken. Außerdem versuchen sie die Kommunikation schnell in private Kanäle zu verlagern. Ist eine Vertrauensbasis geschaffen, bittet die angebliche Online-Liebe um finanzielle Unterstützung. Ein Verwandter sei schwer erkrankt oder zum Beispiel von einer Geschäftspleite betroffen. Deshalb sollten Sie niemals Geld an Personen überweisen, die Sie nicht persönlich kennen.

Ebenfalls vorsichtig sollte man sein, wenn der Chatpartner um anzügliche Bilder oder Videos bittet. Betrüger nutzen die Mediendateien, um ihre Opfer zu erpressen.

Beim Online-Dating ist Vorsicht geboten. SN/imago
Beim Online-Dating ist Vorsicht geboten.

Gewinnspiele und Lotterien versprechen hohe Gewinne

Sie erhalten über einen Onlineservice eine Nachricht, dass Sie einen hohen Geldbetrag gewonnen haben oder ein Gewinnspiel unterstützen sollen. Die Betrüger erbeuten anschließend Geld und persönliche Informationen. In Niederösterreich sind zwei Frauen Opfer von Betrügereien via Social Media geworden. Eine 50-Jährige aus dem Bezirk Zwettl war einer vermeintlichen Gewinnmöglichkeit ebenso auf den Leim gegangen wie ihre 36 Jahre alte Nichte aus dem Bezirk Amstetten. Die 50-jährige Frau war über einen - wie sich später herausstellte: gehackten - Instagram-Account einer Bekannten kontaktiert und gefragt worden, ob sie ein Gewinnspiel unterstützen möchte. Dazu sollte die Waldviertlerin einen sechsstelligen Code empfangen, eingeben und anschließend an der Ausschüttung der Preise beteiligt werden.

Da die Frau später auch noch Bank-SMS bestätigte, entstand ihr ein Schaden in Höhe eines niedrigen vierstelligen Eurobetrages. Weiters erfragten die Täter bei ihr weitere Konten und brachten das Opfer dazu, Fotos von Ausweisen zu übermitteln. Die Nichte der 50-Jährigen ging offenbar denselben Personen auf den Leim und verlor einen mittleren dreistelligen Eurobetrag. Die Polizei rät dazu, niemals persönliche Daten über Social-Media-Kanäle, Messengerdienste oder andere Onlineservices weiterzugeben. Weiters solle man sich nicht durch falsche Gewinnversprechungen täuschen lassen: "Überlegen Sie, ob Sie an einem Gewinnspiel teilgenommen haben, und denken Sie daran, dass sich diese Versprechungen zumeist zu gut anhören, um wahr zu sein."

Investment-Seiten im Internet

Dabei werden potenzielle Anleger im Internet zu Geldzahlungen für vermeintlich lukrative Investitionsgeschäfte verleitet. Angeworben werden die Opfer über Internet-Werbeanzeigen, soziale Netzwerke, Anrufe aus eigens geschaffenen Callcentern oder Massenmails. Die Tätergruppierungen arbeiten mit unzähligen Tarn- und Scheinfirmen in einer konzernähnlichen Struktur. Aufgaben wie Marketing, Callcenter-Betrieb, Softwareentwicklung und Geldwäscherei werden unabhängig voneinander arbeitsteilig unter einer Führung erledigt. Die Plattformen sind sehr professionell gestaltet und täuschen anfangs hohe Gewinne vor, um die Opfer zu weiteren Zahlungen zu verleiten. Das bezahlte Geld wird nicht angelegt, sondern verschwindet im kriminellen Netzwerk.

CEO-Betrug

Seit 2015 ist diese Betrugsform in ganz Europa bekannt. Die Täter geben sich als vermeintliche Firmenchefs (CEO) aus und kontaktieren mit einer manipulierten E-Mail-Adresse ihre Zielpersonen. Für gewöhnlich sind das Mitarbeiter in der Buchhaltung eines Unternehmens. Es wird eine dringende Überweisung unter strikter Geheimhaltung angeordnet. Dieser Schritt wird in weiterer Folge durch eine Drittperson (Jurist, Geschäftspartner, Berater) bestätigt. Das überwiesene Geld ist verloren. Ende 2015 verlor der österreichische Flugzeugzulieferer FACC durch diese Betrugsmasche insgesamt 50 Millionen Euro. Die Gelder sind nach China, Taiwan und in die Slowakei geflossen.

Wenn Sie einen Verdacht auf Internetkriminalität haben und Hilfe oder Informationen benötigen, wenden Sie sich bitte an das Bundeskriminalamt:

Meldestelle für Internetkriminalität
E-Mail: against-cybercrime@bmi.gv.at

Wenn Sie durch eine Straftat geschädigt wurden oder konkrete Hinweise auf einen Täter haben, können Sie die Straftat in jeder Polizeidienststelle zur Anzeige bringen.

Aufgerufen am 20.01.2022 um 04:54 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/vor-diesen-betrugsmaschen-sollten-sie-sich-in-acht-nehmen-114110854

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