Österreich

Weltweites Drogensyndikat agierte von Linz aus

200 Kilogramm Kokain um rund 16 Millionen Euro verkauft. Acht Verdächtige sitzen in U-Haft.

Drogenring aufgespürt: In Schlüsselanhängern war Kokain versteckt. SN/APA/LPD OÖ/UNBEKANNT
Drogenring aufgespürt: In Schlüsselanhängern war Kokain versteckt.

Heimischen Ermittlern ist die Zerschlagung eines mächtigen, international agierenden Drogenrings geglückt. Nebst einem 30-jährigen österreichischen Staatsbürger mit dominikanischen Wurzeln, der von Linz aus die Fäden zog, wurden sieben weitere Personen in Untersuchungshaft genommen.

Die Bilanz des Drogensyndikats in zehn Jahren: 200 Kilogramm geschmuggeltes Kokain mit einem Straßenverkaufswert von 16 Millionen Euro. Kuriere brachten das Suchtgift auch nach Spanien, Italien und in die USA. Und zwar in gepresster Form, eingearbeitet in unauffällige Alltagsgegenstände und präparierte Reisekoffer.

Ein ebensolcher brachte den Fall bereits 2019 ins Rollen. Mit 1,4 Kilogramm Kokain im Gestänge des Koffers hatte damals ein Mann versucht am Flughafen Schwechat nach Österreich einzureisen. Nicht nur der Schmuggel flog auf, sondern auch zwei Männer, die in der Ankunftshalle vergeblich auf die Übernahme des Koffers gewartet hatten. In der Folge wurden immer wieder Postsendungen abgefangen, die ebenfalls Kokain enthielten. Die Zustelladresse lautete jedes Mal: Linz. "Für den Transport eines präparierten Reisekoffers wurden zwischen 3000 Euro und 4000 Euro bezahlt. Verstecken, liefern, bunkern und verteilen des Kokains war bestens organisiert", konstatierte man bei der OÖ Landespolizeidirektion.

Die Gewinnspannen waren enorm: Für 1000 Gramm Kokain aus Kolumbien konnte ein Einkaufspreis von 1600 Euro nachgewiesen werden - also 1,60 Euro pro Gramm. Weiterverkauft wurde allerdings um 60 Euro pro Gramm. Trotz ihres florierenden Geschäfts hätten die acht festgenommenen Dealer bescheiden und zurückgezogen gelebt. Gewinne seien stets nur in kleinen Beträgen in die Dominikanische Republik überwiesen worden. Die Chancen, "an dieses Geld heranzukommen, es sicherzustellen oder Konten einzufrieren sind gleich null", meinte die Linzer Staatsanwältin Ulrike Breiteneder. "In Österreich wäre das relativ leicht. Aber in der Dominikanischen Republik ist das unmöglich." Breiteneder betonte aber, dass es sich bei den 16 Millionen Euro erstens um eine Schätzung handle und zweitens wäre "ohnehin schon einiges sichergestellt worden". Zum beschlagnahmten Suchtgift kämen auch noch unzählige Datenträger, Dokumente, Fotos und Bargeld, die im Zuge von 17 Hausdurchsuchungen, die 2021 stattgefunden haben, entdeckt worden waren.

Der 30-jährige Kopf des Syndikats ist bereits an die österreichischen Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert worden. Er hat schon davor mehrere Jahre wegen Drogenhandels im Gefängnis verbracht.

An Kundschaft mangelte es den Dealern nicht. Allein eine Linzer Kinderpsychologin habe sich in den vergangenen fünf Jahren auf diese Weise mit zwei Kilogramm "Koks" versorgt - für den Eigenbedarf.

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