Österreich

Wie viel Schnee braucht's für Storno?

Urlaubsplanung. Die Semesterferien nahen und der nächste Schnee kommt bestimmt. Worauf man beim Buchen achten soll.

Zu viel Schnee oder zu wenig Schnee: Beides kann für Ärger sorgen. SN/robert ratzer
Zu viel Schnee oder zu wenig Schnee: Beides kann für Ärger sorgen.





Ein Gast kann online ein Hotelzimmer in der Regel nur buchen, wenn gleichzeitig die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Hoteliers anerkannt werden. Diese können vom Hotelier inhaltlich weitgehend autonom bestimmt werden und enthalten in den meisten Fällen auch Regelungen für die nachträgliche Stornierung einer Buchung und die damit verbundenen Zahlungspflichten des Hotelgasts. Diese Stornobedingungen können höchst unterschiedlich ausgestaltet sein. Viele Hoteliers, vor allem die internationalen Hotelgruppen, räumen dem Hotelgast ein kostenloses Stornorecht sogar noch am Tag der Anreise ein, andere wiederum machen die Höhe der Stornogebühren (gestaffelt) vom Rücktrittsdatum vor Anreise abhängig (je kurzfristiger, desto höher), einige gewähren generell kein Rücktrittsrecht.
Stornogebühren für ungerechtfertigten Rücktritt des Hotelgasts sind ihrem Wesen nach Vertragsstrafen (also Strafzahlungen), die generell auch dann gebühren, wenn dem Hotelier kein Schaden eingetreten ist.

Eine entscheidende Grundregel des österreichischen Zivilrechts ist, dass Verträge so einzuhalten sind, wie sie abgeschlossen wurden. Dies gilt auch für die Beherbergungsverträge, gleichgültig auf welchem Weg diese zustande gekommen sind (online, per E-Mail, Fax, telefonisch etc.). Räumt der Hotelier dem Hotelgast nicht freiwillig ein meist an bestimmte Bedingungen geknüpftes Rücktrittsrecht vom Vertrag ein, muss Letzterer den Vertrag nach den allgemeingesetzlichen Bestimmungen erfüllen. Und zwar in der Regel auch dann, wenn er unverschuldet (etwa aufgrund Krankheit etc.) daran gehindert sein sollte, die Leistungen des Hoteliers aus dem Beherbergungsvertrag in Anspruch zu nehmen. Das gesetzliche Recht des Gastes auf Rücktritt vom Vertrag aus wichtigem Grund bleibt davon allerdings ausgenommen.

Ohne "Schneegarantie" des Hoteliers ist Schneemangel für sich allein kein Grund zum Vertragsrücktritt. Schneemangel ist weder ein Fall der höheren Gewalt noch der Risikosphäre des Hoteliers zuzurechnen. Aber was ist, wenn umgekehrt, wie zuletzt passiert, Urlaubsorte eingeschneit und unerreichbar sind? Kann man das Urlaubsdomizil mit einem verkehrsüblichen, wintertauglichen Personenkraftwagen nicht erreichen, auch nicht auf Umwegen, trifft dieses Risiko den Gastwirt.
Anders verhält es sich jedoch, wenn nur eine von mehreren möglichen Zufahrtsstraßen zum Urlaubsziel gesperrt ist, der Gast eine mühsame Anreise in Kauf nehmen müsste oder eine Sperre zur Aufrechterhaltung des Verkehrs immer wieder zu bestimmten Zeiten vorübergehend aufgehoben wird. In diesen Fällen gilt der Urlaubsort in der Regel nicht als unerreichbar, der nicht anreisende Gast muss die Beherbergungskosten bezahlen. Gleiches gilt, wenn der Gast sein Quartier nur aufgrund mangelnder Wintertauglichkeit seines Fahrzeugs (etwa fehlender Schneeketten, Sommerbereifung etc.) nicht erreichen kann.

Muss der Gast seinen Hotelaufenthalt ungewollt verlängern, da er aufgrund der Schneemassen den Urlaubsort nicht verlassen kann, muss er für die weitere Unterbringung regulär bezahlen. Ein Anspruch auf Preisreduktion zufolge eingeschränkter Leistungen ist allerdings denkbar. Dies gilt generell auch für Pauschalreisende.
Zusätzliches Pech hat der Urlaubsgast, wenn aufgrund der Wetterlage Skipisten und Lifte geschlossen werden. Die Skigebiete und Liftbetreiber schließen im Allgemeinen eine Erstattung der Skipasspreise wegen Schlechtwetters, Lawinengefahr oder der Sperre von Skiabfahrten in ihren Geschäftsbedingungen aus.

Grundsätzlich gilt: Wurde bei Abschluss des Beherbergungsvertrags keine Stornogebühr für den Vertragsrücktritt des Hotelgasts vereinbart, gelten für die Rechtsfolgen des Rücktritts und den zu leistenden Ersatz ausschließlich die allgemeingesetzlichen Bestimmungen des österreichischen Zivilrechts. Dies gilt auch für den Fall, dass der Gast nicht anreist, ohne zu stornieren. Ist der Hotelier bereit, den Vertrag zu erfüllen, hat er Anspruch auf das vereinbarte Beherbergungsentgelt. Dieser Anspruch vermindert sich aber um seine Eigenersparnis (Kosten fürs Waschen der Bettwäsche, Verpflegung des Gastes und dergleichen), die er aufgrund des nichtbelegten Zimmers hat.
Abgesehen davon ist der Hotelier zur Schadensminderung verpflichtet.

Er muss sich bemühen, das Zimmer im gleichen Zeitraum zu denselben Konditionen an jemanden anderen zu vermieten. Gelingt ihm dies, so entsteht ihm grundsätzlich kein Schaden, der gesetzliche Anspruch entfällt. Dies wird in der Praxis aber schwer nachweisbar sein.

Wolfgang Zarl ist Rechtsanwalt in Salzburg.

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.12.2020 um 10:51 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/wie-viel-schnee-braucht-s-fuer-storno-65038453

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