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Wieder ist ein Ticketbüro pleite: Sportfans fallen um Karten um

Zum Moto-GP in Spielberg werden tausende Fans erwartet. Einige werden das Event allerdings nicht live mitverfolgen können - obwohl sie viel Geld für Tickets bezahlt haben.

Wieder ist ein Ticketbüro pleite: Sportfans fallen um Karten um SN/apa/afp
Der Moto-GP gilt als Höhepunkt für heimische Motorsportfans.

Georg R. ist sauer. Der 35-jährige Salzburger hatte mit sechs Freunden alles für ein spektakuläres Motorsportwochenende in Spielberg vorbereitet. Die Moto GP gastiert am kommenden Wochenende am Red Bull Ring in der Steiermark. Schnelle Motorräder und packende Überholmanöver sollen laut Veranstalter 95.000 Zuschauer anlocken. Nur Georg R. muss vielleicht zu Hause bleiben, obwohl er teure Tickets erstanden hat.

Der Motorsportfan hatte sich Spitzenplätze auf der Tribüne an der Start-Ziel-Geraden gekauft. "Die teuersten vor den VIP-Tickets." 1400 Euro hatte er per Überweisung an ein Wiener Ticketbüro gezahlt. Doch die Karten kamen nicht.

Das letzte Mal hörte der Motorsportfreund am vergangenen Donnerstag von der Firma. In einem Telefonat sei ihm versichert worden, dass die Karten bereits unterwegs seien. Karten kamen keine, dafür bekam R. Dienstagnachmittag ein E-Mail. Darin gab das Wiener Ticketbüro den Konkurs bekannt. "Aus unvorhersehbaren und nicht abschätzbaren wirtschaftlichen Vorkommnissen ist die Venetto Kartenvertriebs GmbH nun zahlungsunfähig geworden." Die Auslieferung der Eintrittskarten sei bedauerlicherweise nicht mehr möglich. Das Unternehmen teilte weiters mit: "Leider wurde seitens der Wiener Gebietskrankenkasse nun ein Konkursantrag gestellt, der mit 17.08.2016 eröffnet wird."

Wie Georg R. überhaupt auf dieses Ticketbüro gekommen ist? "Ein Freund hat dort zwei Karten gekauft und bekommen, der hat mir den Tipp gegeben." Dabei hatte laut dem zentralen Ticketbüro des Veranstalters das Wiener Ticketbüro nie ein Kartenkontingent beantragt. Warum von Kunden Geld kassiert, aber im Gegenzug keine Karten beim Veranstalter angefordert wurden, bleibt Geheimnis des Unternehmens: Die SN erreichten weder dessen Geschäftsführerin noch einen Mitarbeiter unter der Firmenadresse im ersten Bezirk in Wien.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Firma in Zahlungsschwierigkeiten befand. Schon im November 2010 war ein "Sanierungsverfahren mit Eigenverwaltung" eröffnet worden. Die Gläubiger begnügten sich mit einer 30-Prozent-Quote, das Gerichtsverfahren wurde im März 2011 wieder aufgehoben.

Bei der Wirtschaftskammer Wien teilte Oswald Bacovsky, Geschäftsführer für die Kartenbüros, mit, dass Beschwerden von einigen Kunden des Ticketbüros bei der Interessenvertretung eingelangt seien. Seitens der Gläubigerschutzverbände hieß es, bis dato sei kein Insolvenzverfahren eröffnet und auch nicht gewiss, ob es zu einem Verfahren vor dem Insolvenzgericht kommen werde. Denn dafür müsste ein Betrag von mindestens 4000 Euro bar verfügbar sein.

Für potenzielle Kunden ist Vorsicht geboten: Nach wie vor werden auf der Firmenhomepage Karten für verschiedene Konzerte und Events sowie Gutscheine zum Verkauf angeboten.

Erst im Juli war in Salzburg das renommierte Ticketbüro Polzer in die Pleite geschlittert.

Quelle: SN

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