Österreich

Wiener Arzt vor Gericht, der Betrügern geholfen haben soll

Mit den Folgen groß angelegter betrügerischer Machenschaften, die zwei Saudis mehrere Millionen Euro gekostet haben, muss sich seit Montag ein Schöffensenat am Wiener Landesgericht auseinandersetzen. Ein Arzt soll einen beträchtlichen Teil der Beute übernommen und in seiner Wohnung gebunkert haben, ein Polizist soll bei einer fingierten Festnahme mitgemacht haben, die der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer als "Live-Theater-Inszenierung" bezeichnete.

Ausgangspunkt des Ganzen sind kriminelle Handlungen zweier Männer, die dafür 2020 zu fünf bzw. dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden sind. Sie hatten in Wien einen aus Saudi Arabien stammenden Geschäftsmann kennengelernt und in weiterer Folge diesem und einem Bekannten unter anderem die Beteiligung an vorgeblich lukrativen Investments in Immobilien schmackhaft gemacht. Renditen von bis zu 27 Prozent jährlich wurden verheißen. Nachdem die beiden Betrüger abgeurteilt waren, wandte sich einer der beiden an die Polizei und erklärte, ein Arzt mit einer Praxis in Wien-Favoriten habe ihnen als "sicherer Tresor" gedient. Man habe dem Mediziner regelmäßig zu 10.000 Euro zusammengeschnürte Banknoten-Bündel in einem Plastiksackerl vorbeigebracht. Dieser habe das Geld verwahrt, bei Bedarf hätten sie dann darauf zurückgegriffen. Darüber hinaus hätte der Arzt das Geld in andere Kanäle geleitet und damit dessen Herkunft verschleiert.

Michael Dohr und Joseph Philipp Bischof, die Verteidiger des 59-jährigen Mediziners, dem unter anderem schwerer Betrug und Geldwäscherei angelastet wird, wiesen die Vorwürfe der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) zurück. Diese würden sich nach "Dynasty auf Arabisch" anhören, seien aber haltlos, bemerkte Dohr unter Anspielung auf eine TV-Serie aus den 1980-Jahren und die Herkunft seines aus dem arabischen Raum stammenden Mandanten. Der Arzt habe eine Praxis mit 7.000 Patienten und einem Jahresumsatz von 1,4 Millionen Euro betrieben, er habe es nicht notwendig gehabt, für Betrüger Geld aufzubewahren. Vehement wies Dohr auf die widersprüchlichen, seinen Mandanten belastenden Angaben der bereits Abgeurteilten hin, die den Arzt in ihrer eigenen Hauptverhandlung mit keinem Wort erwähnt hätten: "Wenn man Zeugen hat, denen man nicht glauben kann, kann man niemanden in Österreich verurteilen."

Der Arzt soll laut Anklage auch einen Polizisten zu einem Amtsmissbrauch angestiftet haben. Um den saudischen Opfern vorzumachen, dass einer der Betrüger Probleme mit den Strafverfolgungsbehörden hatte und daher die von ihnen entgegengenommenen Millionen nicht zurückzahlen könne, wurde eine Festnahme inszeniert. Der echte Polizist hielt am 4. Mai 2018 den Pkw des Betrügers, der gerade die Saudis vom Flughafen abgeholt hatte, an und sprach die Festnahme des Betrügers wegen Terrorismusverdachts aus. Im Anschluss nahm er diesen und die beiden im Fonds des Wagen befindlichen Saudis auf seine Polizeiinspektion mit, wobei er letztere als Zeugen befragte - alles zum Schein, wie sich laut WKStA aus sichergestellten WhatsApp-Chats ergeben soll.

"Es war alles nach Drehbuch. Die Saudis hatten völlige Angst. Die haben alles geglaubt", sagte der Staatsanwalt. Der außer Dienst gestellte mitangeklagte Polizist fehlte beim Prozessauftakt. Er befindet sich aufgrund einer Erkrankung in stationärer Behandlung. Für seine - folgt man der Anklage: strafbaren - Dienste soll er 8.000 Euro erhalten haben. Die Verhandlung wird im kommenden Jahr fortgesetzt.

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