Österreich

Wiener Grüne fordern Hundeführschein für alle Hunde

Die Wiener Grünen wollen einen verpflichtenden Hundeführschein für alle Hunde einführen. Die Maulkorbpflicht wiederum soll für aggressive Hunde, unabhängig von ihrer Rasse, gelten. Das sagte Tierschutzsprecher Rüdiger Maresch am Mittwoch. Über die Forderungen will er mit der zuständigen Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) ab kommender Woche verhandeln.

Entscheidung ist gefallen: Hundehalter müssen sich bilden. SN/APA (dpa/Feature)/Sebastian Kahn
Entscheidung ist gefallen: Hundehalter müssen sich bilden.

Am morgigen Donnerstag wird wie angekündigt die Novelle des Tierschutzgesetzes, die unter anderem eine Alkoholgrenze für Halter von Listenhunden von 0,5 Promille sowie eine Verschärfung des Hundeführscheins vorsieht, im Landtag beschlossen. Der verpflichtende Maulkorb für Listenhunde, den sich Sima gewünscht hatte, kommt wegen des Vetos der Grünen nicht ins Gesetz.

Derzeit ist der Hundeführschein in Wien für zwölf Hunderassen, die sogenannten Listenhunde, verpflichtend. Für diese Einteilung gebe es keine wissenschaftliche Grundlage, betonte Tiertrainerin Brigid Weinzinger. Auch Maresch wies darauf hin, dass die meisten Bissattacken von Schäferhunden und Dackeln ausgingen, die keine Listenhunde sind.

Daher wolle man den Hundeführschein für alle Hunde verpflichtend machen. "Das wäre eine treffsichere Lösung und nicht die berühmte Gießkanne, wo zwölf Rassen diskriminiert werden", zeigte sich Maresch überzeugt.

Darüber, welcher Hund verpflichtend einen Maulkorb tragen muss, solle der jeweilige Trainer entscheiden, bei dem die Prüfung zum Hundeführschein abgelegt wird. Derzeit gibt es in Wien laut Weinzinger 27 Prüfer, die den verpflichtenden Hundeführschein durchführen. Diese könnten einen großen Teil der zusätzlichen Prüfungen abdecken, meinte sie. Ziel der Grünen ist es auch, das Alko-Limit auf alle Hundehalter auszudehnen. "Wenn es einen Hundeführschein für alle gibt, wird man sich das anschauen", sagte Maresch.

Bei einem Hunde-Sicherheitsgipfel am Mittwoch im Landhaus St. Pölten sind nach Beißattacken auf Kleinkinder Maßnahmen für mehr Qualität und Sicherheit in der Hundehaltung diskutiert worden.

An dem von Landesrat Gottfried Waldhäusl (FPÖ) initiierten Gipfel nahmen u.a. Experten von Tierärztekammer, Tierschutzombudsstelle, Kynologenverband und Wirtschaftskammer sowie aus dem juristischen Bereich und ein Hundepsychologe teil. Hundehalter müssten in die Pflicht genommen werden, sagte der für Tierschutz zuständige Landesrat. "Wir werden bei der Ausbildung und Sachkunde noch sehr viel nachschärfen müssen", sagte Waldhäusl nach dem Gipfel zur APA. Es könne soweit gehen, dass jemand vor der Anschaffung die entsprechende Qualifikation vorweisen muss, dass er mit dem Hund umgehen kann. Eingeführt werden soll ein "NÖ Hundepass" inklusive Lichtbild, der die Teilnahme an gewissen Ausbildungsmodulen hinsichtlich korrekter Tierhaltung belege. In Diskussion seien jährliche Überprüfungen zur Gesundheit des Hundes durch Tierärzte.

Wenn man Bisse verhindern will, sei eine Maulkorbpflicht an öffentlichen Plätzen und bei Menschenansammlungen die einzige Möglichkeit, so Waldhäusl. "Die Gemeinden sollen selbst festlegen, in welchen Bereichen diese zum Tragen kommen wird." Derzeit sind in Niederösterreich an öffentlichen Orten Maulkorb und Leine für auffällige Hunde und jene mit erhöhtem Gefährdungspotenzial vorgeschrieben, sonst reicht Leine oder Maulkorb.

Wiens Tierschutzstadträtin Ulli Sima kann dem Vorschlag der Grünen wenig abgewinnen. Sie hofft weiterhin darauf, den Koalitionspartner stattdessen von der Maulkorbpflicht für alle Listenhunde zu überzeugen. "Das sind die Hunde mit der stärksten Bisskraft", argumentierte sie im Gespräch mit der APA. Bissattacken durch Listenhunde würden am wahrscheinlichsten tödlich oder lebensgefährlich enden. Auch die Polizei, die für die Kontrolle zuständig ist, habe sich diese klare Regelung gewünscht.

Quelle: APA

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