Österreich

Wiener Neustadt im Ausnahmezustand

Höchste 7-Tages-Inzidenz in ganz Österreich: Nun sollen pro Woche 105.000 Tests durchgeführt werden. Auch weitere Bezirke sind in Gefahr, über die 400er-Grenze zu klettern.

Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) SN/APA/ROBERT JAEGER
Wiener Neustadts Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP)

Magistrat, Polizei, Bundesheer, Rotes Kreuz, FH-Studenten - in Wiener Neustadt sind derzeit Hunderte Helfer im Einsatz, um ein wahres Monsterprojekt zu stemmen: Die 45.000-Einwohner-Stadt hat Kapazitäten für 105.000 Coronatests pro Woche geschaffen. Der Grund dafür: Wiener Neustadt ist seit Mittwoch der neue Corona-Hotspot Österreichs mit einer 7-Tage-Inzidenz von 539. Die Vorgabe lautet nun, die Maßnahmen so lang aufrechtzuerhalten, bis der Wert über zehn Tage hinweg unter 200 liegt.

Bürgermeister Klaus Schneeberger (ÖVP) erklärte am Donnerstag die verzwickte Lage, in der sich seine Stadt befindet: "Wir werden jetzt natürlich noch mehr finden, die infiziert sind. Und wenn das so ist, dann werden die Zahlen durch die Decke gehen."

Ab Samstag wird die Polizei stichprobenartig bei der Ausreise aus Wiener Neustadt kontrollieren. "Die Leute müssen sich darauf einstellen, dass sie auf wirklich allen Stadtausfahrten Polizei begegnen", beschrieb Stadtpolizeikommandant Manfred Fries ein "Planquadrat größeren Ausmaßes".

Der gewaltige Aufwand verlange sämtlichen Beteiligten alles ab, betonte Bürgermeister Schneeberger. "Ohne Hilfe würden wir das nicht packen." Insgesamt stehen 40 Teststraßen zur Verfügung. "Und das bei einer Öffnungszeit von 7 bis 20 Uhr von Montag bis Sonntag. Da rede ich noch gar nicht von den Arbeitszeitregelungen, die bei Gott nicht eingehalten werden können."

47 Personen seien mittlerweile im Contact Tracing tätig, die Rückverfolgungsrate liege bei 75 Prozent. Und dennoch: "Wir haben keine Cluster, das ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen", ist Schneeberger ratlos. Er fürchtet nun, dass "Menschen Wiener Neustadt meiden werden. Das wäre für uns ganz dramatisch". Trotzdem kann Niederösterreichs zweitgrößte Stadt mit regem Zulauf rechnen. Denn kommende Woche öffnet in Wiener Neustadt eine Impfstraße: "Und da kommen Menschen aus dem gesamten Bundesland zu uns."

Schneebergers Fazit: "Ich weiß nicht, ob wir mit den jetzigen Maßnahmen die Inzidenz so schnell herunterbringen. Deshalb gibt es auch nur eine wirklich wirksame Maßnahme: die Durchimpfung." Was die Sache nicht leichter macht: Im umliegenden Bezirk Wiener Neustadt-Land kletterte die 7-Tage-Inzidenz auch schon auf 379,3.

Ebenfalls Ausreisebeschränkungen gibt es derzeit noch im Bezirk Hermagor (Kärnten) sowie in Muhr, Radstadt und Bad Hofgastein (Salzburg). Ein weiteres Sorgenkind tauchte am Donnerstag auf der Inzidenz-Landkarte auf: der Bezirk Jennersdorf im Südburgenland. Dort liegt der aktuelle Wert bei 432,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner. Ausreisebeschränkungen würden daher angedacht, hieß es seitens des Koordinationsstabs. Für den Fall von Ausreisetests sind bereits Vorbereitungen getroffen worden.

Gefährlich nahe der 400er-Grenze kommen zwei weitere Bezirke: Lienz lag am Donnerstag bei 373,4, Weiz (Steiermark) bei 314,4. Eine Abriegelung wird nicht mehr ausgeschlossen. Im Bezirk Perg (OÖ) stieg die Inzidenz auf 342,2.

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