Österreich

Wissenschaft warnt: Klimawandel kann außer Kontrolle geraten

Die Wissenschaft warnt davor, dass der Klimawandel außer Kontrolle geraten könnte. "Es gibt nur noch ein kurzes Zeitfenster, um die globale Erwärmung auf unter 1,5 beziehungsweise zwei Grad bis 2100 zu begrenzen" sagte Gerhard Wotawa, Obmann des Klimaforschungsnetzwerkes CCCA. Die Umwelt-NGO Global 2000 forderte, dass der Klimaschutz von der Politik "endlich ernst genommen werden muss".

Der Klimawandel muss endlich ernst genommen werden SN/APA (AFP)/STEPHANIE PERTUISET
Der Klimawandel muss endlich ernst genommen werden

Wie stark der Klimawandel - auch in Österreich - schon fortgeschritten ist, zeigt schon die Statistik: 2018 war das wärmste Jahr der Messgeschichte (seit 1768), die Zeitspanne April 2018 bis April 2019 die längste Serie überdurchschnittlich warmer Monate und der Juni 2019 der wärmste Juni der Messgeschichte. Im Alpenraum sind die Temperaturen zudem in den vergangenen 100 Jahren doppelt so rasch angestiegen wie im globalen Mittel. Extremereignisse wie Trockenheit, Starkniederschläge und Überschwemmungen werden immer häufiger und zunehmend schwerwiegender.

Diese Entwicklung wird sich selbst beim Erreichen des 1,5 Grad Zieles fortsetzen. Bis 2100 rechnet Wotawa in Wien mit zumindest 70 Hitzetagen (über 30 Grad). Zum Vergleich: 2018 waren es 38. "Die Menschen merken, dass wir von den angenehmen Auswirkungen des Klimawandels zu den unangenehmen gekommen sind", sagte der Wissenschafter.

Steigt die Temperatur weiter, wird es noch extremer. "Es gibt nur noch ein kurzes Zeitfenster, um die globale Erwärmung auf unter 1,5 beziehungsweise zwei Grad bis 2100 zu begrenzen", so Wotawa. Wenn nicht rasch und umfassend gehandelt wird, "gerät die globale Erwärmung außer Kontrolle, mit unabsehbaren weltweiten Konsequenzen."

Um das zu verhindern, forderte die Umweltschutzorganisation Global 2000 ein rasches und konsequentes Handeln der Politik. "Wir haben genug gewartet, Klimaschutz muss jetzt endlich ernst genommen werden", forderte Klima-Experte Johannes Wahlmüller.

Für Österreich hat Global 2000 einen Sieben-Punkte-Plan aufgelistet, um das Land "klimafit" zu machen: Pro Jahr sollte unter anderem eine Milliarde pro Jahr in den Klimaschutz investiert werden. "Damit können wir in den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und erneuerbarer Energien investieren und Haushalte bei der Umrüstung alter Ölkessel und der Gebäudesanierung unterstützen", so Wahlmüller. Nötig sei auch eine öko-soziale Steuerreform, die fossile Energie höher besteuert, Arbeit hingegen steuerlich entlastet sowie der Stopp klimaschädlicher Großprojekte, Gesetze und Verordnungen.

Städte müssen sich ebenfalls besser darauf vorbereiten, ihre Bewohner vor gesundheitsgefährdender Hitze durch den Klimawandel zu schützen. "Hitzewellen gehören zu den für die Menschheit tödlichsten Naturgefahren, und die von ihnen ausgehende Gefahr wird mit dem Fortschritt der Klimakrise nur noch ernster und verbreiteter werden", so der Präsident der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung (IFRC), Francesco Rocca.

"Die gute Nachricht ist, dass Hitzewellen vorhersagbar und vermeidbar sind. Die Maßnahmen, die Behörden ergreifen können, um Leben zu retten und Leid zu ersparen, sind einfach und bezahlbar", stellte Rocca in einem am Dienstag in New York publizierten Bericht fest. Zu den vom IFRC vorgeschlagenen Maßnahmen gehören mehr Grünanlagen, begrünte Dächer, autofreie Zonen und weiß bemalte Oberflächen. Hitzewellen betreffen Menschen in Städten am meisten, da dort viele Autos, Klima- und Industrieanlagen zusammenkommen und sich die Hitze stärker staut.

Quelle: APA

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