Österreich

Zehn Jahre IST Austria: Ein "österreichisches Wunder"

Als "österreichisches Wunder" bezeichnete Bundespräsident Alexander Van der Bellen das Institute of Science and Technology (IST) Austria in Klosterneuburg (NÖ) Dienstagabend bei der Zehn-Jahres-Feier des Instituts. Dabei sei er bei der Beschlussfassung des Gesetzes zur Gründung des IST 2006, damals noch Nationalratsabgeordneter der Grünen, skeptisch gewesen, erinnerte sich das Staatsoberhaupt.

Van der Bellen gestand seine Skepsis gegenüber der IST-Gründung SN/APA/HANS PUNZ
Van der Bellen gestand seine Skepsis gegenüber der IST-Gründung

Van der Bellen bezog sich in seiner Aussage auf einen Anruf von Arnold Schmidt, einem der Gründungsväter des IST und ehemaliger Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, der einige Jahre nach Start des IST zu ihm gesagt habe: "Hören Sie, ein österreichisches Wunder ist passiert. Das Institut funktioniert." Dass es so weit kam, dafür könne die Rolle des ehemaligen Präsidenten des renommierten Weizmann-Instituts Haim Hararis, unter dessen Führung das Konzept für das IST ausgearbeitet wurde, "nicht überschätzt werden - das war der Durchbruch", sagte der Bundespräsident, der u.a. die Langzeitfinanzierung des Instituts und die völlige Absenz von politischen Einfluss als Erfolgsfaktoren nannte.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) bezeichnete das Engagement Niederösterreichs für das IST als wichtigste Investition in diesem Bereich in den vergangenen Jahren. Dass Harari ihr gegenüber das IST als "Schwester" des Weizmann-Instituts bezeichnet hatte, sei ein großes Kompliment und mache sie stolz. Mikl-Leitner versprach, weiter in das Institut zu investieren und kündigte den "nächsten Vertrag in den nächsten Monaten" an.

Harari betonte gegenüber der APA, dass er mit seinen Kollegen "immer große Hoffnungen für das Institut hatte und wollte, dass es eines der besten in der Welt wird. Ich bin sehr glücklich, dass wir nach zehn Jahren sagen können, dass wir das erreicht haben - es ist eine wirkliche Erfolgsstory". Dies sei allerdings erst der Beginn, das IST werde größer und besser werden. Das will auch IST-Präsident Thomas Henzinger, für den es wichtig ist, dass das Institut "kritische Masse erreicht". Dazu müsste es seine derzeitige Größe in etwa verdreifachen.

So wichtig von allen Seiten immer wieder die politische Unabhängigkeit des IST betont wird, selbstverständlich ist eine solche Freiheit offensichtlich nicht. Zumindest warnte Michael Ignatieff, Rektor der vom ungarischen Regierungschef Viktor Orban drangalisierten Central European University (CEU) in Budapest in seiner Rede vor einer Einschränkung der akademischen Freiheit. Konkret sprach er dabei nicht seine eigene Institution an, sondern vielmehr die Situation der ungarischen Akademie der Wissenschaften, die von massiven Budgetkürzungen bedroht ist, was als Angriff auf die Autonomie der Wissenschaft gesehen wird. Er sehe zwar noch keine Anzeichen dafür, dass sich woanders in Europa Populisten gegen die Wissenschaft wenden, "aber seien Sie gewarnt, es passiert in unmittelbarer Nachbarschaft", sagte Ignatieff.

Das IST Austria wurde Anfang Juni 2009 eröffnet. Die Forschungseinrichtung mit Promotionsrecht entstand nach einer Idee des Wiener Experimentalphysikers Anton Zeilinger und widmet sich der Grundlagenforschung. Mittlerweile arbeiten mehr als 700 Personen aus 60 Ländern am IST, rund 50 Gruppen forschen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Physik, Chemie, Neurowissenschaften und Biologie.

Die Finanzierung des IST Austria erfolgt durch den Bund und das Land Niederösterreich, und zwar über langfristige Finanzierungszusagen. So erhält das Institut zwischen 2017 und 2026 rund 1,4 Mrd. Euro, wobei vom Bund maximal 990 Mio. Euro kommen, vom Land 368 Mio. Euro. Ein Teil des Geldes ist an die Einwerbung von Drittmitteln und an die Erfüllung von Qualitätskriterien gebunden.

Quelle: APA

Aufgerufen am 21.10.2019 um 12:01 auf https://www.sn.at/panorama/oesterreich/zehn-jahre-ist-austria-ein-oesterreichisches-wunder-71274790

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