Panorama

Programmieren bereits ab der dritten Klasse Volksschule

Wien schickt IT-Experten ab Februar in Pflichtschulen. Kinder sollen aus erster Hand lernen, wie man mit Computern umgeht.

Programmieren bereits ab der dritten Klasse Volksschule SN/thomasketzer/wienerbildungsserver
Kinder bestimmen, wohin die Biene fährt.


Lovis und Flora haben es schon voll durchschaut. "Du musst erst löschen und dann neu programmieren, wohin die Biene laufen soll", erklären die zwei Taferlklassler der Volksschule Zeltgasse im achten Bezirk in Wien. Und drücken dann ein paar Tasten auf dem elektronischen Spielzeug, das aussieht wie eine Biene. Allerdings spielen die Kinder hier nicht, sie lernen - und zwar Programmieren, auch wenn sie dazu keinen Computer verwenden.

Informatikunterricht in der Volksschule ist in Österreich im Gegensatz zu Großbritannien oder der Slowakei nicht verpflichtend vorgesehen. Den gibt es als eigenes Fach erst ab der neunten Schulstufe. Davor ist er lediglich Unterrichtsprinzip. Es obliegt den Lehrern, inwieweit sie ihren Schülern Medienkompetenz beibringen.

Ihnen will das "Smart Kids"-Projekt der Stadt Wien unter die Arme greifen. Ab Februar haben Volks- und Mittelschulen in Wien die Möglichkeit, sich IT-Experten direkt an die Schule zu holen. Die Plattform Wiener Bildungsserver kooperiert dazu mit namhaften IT-Firmen wie IBM, Fujitsu oder ITC Austria, die ihre Mitarbeiter bereitstellen. "Wir wollen, dass Kinder möglichst früh lernen, wie man mit Computern umgeht und wie man sie steuern kann.

Digitale Kompetenz ist heute die vierte Grundkompetenz neben dem Lesen, Schreiben und Rechnen", sagt Barbara Novak, Präsidentin des Wiener Bildungsservers. Ihr wäre es sowieso am liebsten, Kinder würden schon ab der dritten Klasse Volksschule regelmäßig im Umgang mit Computern geschult werden. Einen verpflichtenden Informatikunterricht fordert Novak jedenfalls ab der fünften Schulstufe mit dem Wechsel ins Gymnasium, in die Haupt- oder in die Neue Mittelschulen. "Programmieren ist wie das Erlernen einer fremden Sprache. Damit fängt man auch in der Volksschule an", sagt sie.

Das käme auch IT-Unternehmen entgegen, bestätigt Tanja Oppitz, Generaldirektorin von IBM Österreich. Sie warnt vor dem drohenden IT-Kräfte-Mangel. Studien zufolge soll es bis zum Jahr 2025 zehn bis 15 Prozent weniger junge Absolventen einer IT-Ausbildung geben. Bei den Frauen mache sich dieser Rückgang schon heute bemerkbar. "Das können wir nur verhindern, wenn wir den Mädchen die Angst vor Technik nehmen", sagt sie.

Peter Sykora, Direktor der VS Zeltgasse, glaubt, dass man bei der Lehrerausbildung ansetzen muss. "In dem neuen Curriculum für Volksschullehrer wurden die Einheiten für IT-Kompetenz gekürzt. Wie sollen Lehrer Kindern Programmieren beibringen, die es selbst nicht können?", fragt er.

Aufgerufen am 16.09.2019 um 10:30 auf https://www.sn.at/panorama/programmieren-bereits-ab-der-dritten-klasse-volksschule-2942611

Schlagzeilen