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Böse Koffer machen sich alleine auf den Weg

Koffer sind böse. Sie tun oft nicht tun, was ihre Besitzer wollen. Dann kippen sie, rollen davon. Doch es gibt wirksame Mittel zur Kofferkontrolle.

 SN/Irina Schmidt - Fotolia

Diesen Ärger kennen Reisende: Noch rollt der Koffer brav hinter seinem Besitzer zum Zug oder zum Flugzeug. Doch plötzlich entwickelt der Koffer ein Eigenleben. Die Rollen beginnen zu flattern. Das Gepäckstück schlingert, droht zu kippen. Der Koffer geht nicht mehr brav hinter seinem Besitzer, sondern schlendert eigenwillig. Es beginnt der Kampf gegen Schwer- und Fliehkraft, der vor allem auf die Handgelenke und Unterarme geht.

Böse Koffer schlingern wild

Französische Forscher haben eine Lösung: Gas geben, schneller werden. So lassen sich Koffer am besten bändigen. Dafür haben sie das Phänomen des Koffer-Schlingerns akribisch untersucht, praktisch getestet und theoretisch ausgerechnet. Ihre Ergebnisse veröffentlichte die Gruppe um Sylvain Courrech du Pont von der Universität Sorbonne Paris Cité im Fachmagazin "Proceedings A" der britischen Royal Society.

Damit es zum Kippeln des Koffers kommt, muss die normale Bewegung zunächst einmal gestört werden. "Die unerwünschte Bewegung wird in der Regel durch ein Hindernis auf dem Boden ausgelöst", schreiben Courrech du Pont und Kollegen. Aber auch die Kofferzieher tragen Mitschuld: Durch plötzliche Richtungswechsel kommt alles aus dem Gleichgewicht. Außerdem braucht es für eine angenehme Laufbahn eine Mindestgeschwindigkeit. Das Schwanken trat in den Versuchen erst auf, als das Koffermodell mit mehr als drei Stundenkilometern bewegt wurde.

Wer schnell ist, besiegt das Taumeln

Und freilich spielt auch die Qualität des Koffers eine Rolle. Die Taumelbewegung tritt nämlich nur dann ein, wenn die Radachse starr ist und keine seitliche Bewegung zulässt. Bei Lenkrollen, wie beispielsweise bei Bürostühlen üblich, gibt es das Problem den Forschern zufolge nicht. Die Forscher untersuchten die Bewegungen des Rollkoffers mit einem Modell auf dem Laufband. Das Modell besteht aus einer langen Stange, die oben an einem Kugelgelenk aufgehängt ist. Das Kugelgelenk entspricht dabei der Hand am Griff. Unten an der Stange ist eine Achse mit zwei kleinen Rädern, die sechs Zentimeter auseinander stehen, angebracht. Das Gewicht des Koffers wird durch eine Querstange mit Gewichten simuliert. Die Geschwindigkeit des Laufbands kann zwischen ein und 16 Stundenkilometer eingestellt werden.

Ob das Schwanken bald wieder abklingt oder sich bis zu einem seitlichen Umkippen des Koffers aufschaukelt, hängt unter anderem vom Ausmaß der Störung ab: Wie hoch hat sich ein Rad vom Boden entfernt? Die Wissenschaftler schauten sich den Winkel genauer an, den die schrägstehende Radachse mit dem Boden bildet. Unter sonst gleichen Bedingungen klang ein Kippeln nach einer Schrägstellung der Achse um vier Grad bald wieder ab. Bei einer Neigung von acht Grad schaukelte sich das Koffermodell immer weiter hoch.

Die Schwerkraft ist ein Feind des Reisenden

Zwei verschiedene Kräfte wirken beim Kippeln auf den Koffer ein: Die Schwerkraft zieht die Räder auf den Boden, das Ziehen in Verbindung mit den starren Rädern zwingt sie auf kurvige Bahnen. Zieht man den Koffer schneller, erreicht man den Forschern zufolge rascher wieder den Gleichgewichtszustand, bei dem sich beide Räder auf dem Boden befinden. Noch einfacher bekommt man seinen Koffer in den Griff, wenn man stehenbleibt und neu anrollert. Oder man nimmt für die nächste Reise einfach eine Umhängetasche oder einen Rucksack.

Aufgerufen am 14.08.2018 um 05:22 auf https://www.sn.at/panorama/reisen/boese-koffer-machen-sich-alleine-auf-den-weg-12480217

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