Reisen

Macau: Zockerparadies im Glück

Auf einer kleinen chinesischen Halbinsel boomt das Geschäft mit dem Glück. Als Zockerhauptstadt der Welt hat Macau die Wüstenstadt Las Vegas abgehängt.

Der zweithöchste Bungee-Jump der Welt: vom Macau Tower an der Südspitze von Macau. SN/glas
Der zweithöchste Bungee-Jump der Welt: vom Macau Tower an der Südspitze von Macau.

Über dem Eingang wachen zwei riesige Drachen. Der Fluss spiegelt das Licht der Laternen. Der britische Geheimagent James Bond durchpflügt mit seiner Gondel das Lichtermeer. Von Weitem leuchtet das "Golden Dragon Casino".

Die Filmkulisse aus dem James-Bond-Film "Skyfall" soll das ehemalige Casino "The Macau Palace" darstellen. Es ist zwar nur ein Nachbau der Pinewood Studios in Großbritannien, zeigt aber die Bedeutung der asiatischen Glücksspielmetropole
Macau.

Das Glücksspiel beschäftigte den britischen Geheimagenten schon vor knapp 50 Jahren, als damals das Diamantenfieber noch Sean Connery nach Las Vegas lockte. Das Zockerparadies Macau hat Las Vegas jedoch längst übertrumpft. Seit einigen Jahren ist die chinesische Sonderverwaltungszone Weltmarktführer im Glücksspiel. "Wir machen hier sechs Mal so viel Umsatz wie Las Vegas", sagt Reiseleiter Tino. Eine Rechnung, die aufging: Mit rund 40 Casinos gibt es auch sechs Mal so viele wie in Las Vegas.

Chinesen lieben das Glücksspiel

Die Kundschaft in den asiatischen Spielhallen will so gar nicht zum pompösen Inventar passen. Es wuselt, Chinesen zwängen sich in Jogginghose und Freizeitshirt zwischen den Spielautomaten hindurch. Zeichen von Arriviertheit scheinen unnötig, eine Krawatte trägt fast keiner. Auch in der Art zu spielen gibt es wenig Gemeinsamkeiten. "Europäer und Amerikaner spielen langsam, genießen das Spiel und haben Vertrauen in die Maschinen", sagt Tino. "Wir hingegen wollen es schnell hinter uns bringen und mit dem Geld nach Hause." Gelacht wird wenig, Croupiers schieben ausdruckslos Jetons über die Tische. Die Kundschaft ist mit Ernst bei der Sache. Sie trinkt massenhaft Kaffee, um sich fit zu halten.

Chinesen lieben das Glücksspiel. In China ist es verboten. Die chinesische Regierung sieht es nicht gern, wenn sich das Volk ein besseres Leben erspielen will. Deshalb ist es einem Landchinesen nur ein Mal pro Woche erlaubt, der Halbinsel einen Besuch abzustatten. Trotz der kurzen Distanz von nur 70 Kilometern zwischen Hongkong und Macau trennen die beiden Städte historisch gesehen Welten. Macau ist die älteste europäische Niederlassung in Ostasien.

Portugiesischer Wellenboden in der Altstadt Macaus. SN/glas
Portugiesischer Wellenboden in der Altstadt Macaus.

Macau - kleines Portugal inmitten Asiens

Nach dem Ersten Opiumkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts ging Hongkong an Großbritannien, Macau war bis 1999 portugiesische Kolonie. In den Gassen der Altstadt lebt man diese Vergangenheit. Flaniert man auf dem Senatsplatz mit seinem schwarz-weißen, wellenartigen Boden aus Kalkstein und den herausgeputzten Häusern, fühlt man sich wie in Lissabon oder Rio de Janeiro.

So kommt es einem auch vor, wenn man durch die Ruinen der Pauluskirche marschiert: Die Fassade der 1835 abgebrannten Kathedrale ist Macaus Wahrzeichen. Sie gehört neben 24 anderen historischen Bauten zum UNESCO-Welterbe. Ums Eck duften portugiesische Hühnchen oder die berühmte portugiesische Süßspeise Pastel de Nata - Blätterteigtörtchen, die mit Pudding gefüllt werden. Der Dampf chinesischer Garküchen mischt sich dazu.

Die Ruinen der Pauluskirche. SN/glas
Die Ruinen der Pauluskirche.

Die Mischung aus europäischer Tradition und chinesischer Moderne merkt man den Menschen an. Tinos Muttersprache ist Kantonesisch. Sein Englisch ist fließend. Er liebt die schnelle chinesische Straßenküche und lebt wie die Portugiesen - geduldig und bescheiden. "Ich spiele nicht gern", sagt er. "Jedenfalls nicht im Casino." Während er spricht, fällt das "Grand Lisboa" hinter ihm auf - ein Wolkenkratzer in Form einer riesigen Lotusblüte. "Ich spiele lieber mit Freunden und gebe ihnen dann etwas aus, wenn ich verliere."

Ein Tag "Indoor-Venedig" in Macau

In Sachen Glaube hält er sich hingegen an die chinesische Tradition. Die Zahl acht bedeutet Wohlstand und Glück für ihn, während der Zahl vier viele zu entkommen versuchen. Sie soll für Tod und Verderben stehen. Deshalb gibt es keine Sitzplätze mit dieser Nummer.

An jeglichem anderen Inventar sparten die Architekten wenig. Im "Venetian Casino Resort", dem größten Casino der Welt, kann man sich einen Tag "Indoor-Venedig" gönnen: Über den Markusplatz schlendern oder auf einer der zahlreichen Brücken den Gondolieri zusehen, wie sie ihre Boote übersetzen. Dazu trällern sie ein "O sole mio". Mit Taubendreck des Markusplatzes und Hochwasser wird der spielende Tourist nicht belästigt. Im "Venetian Casino" wird die perfekte Dämmerung des gemalten Himmels auch tagsüber nicht getrübt.

Ein Tag „Indoor-Venedig“ im „Venetian Casino Resort“. SN/glas
Ein Tag „Indoor-Venedig“ im „Venetian Casino Resort“.

30 Millionen Touristen kommen mittlerweile jährlich nach Macau. Knapp 30 Milliarden Dollar wurden im Jahr 2016 eingesetzt. In Las Vegas erwirtschaftete man dagegen nur ein Fünftel davon.

Ein Rekord jagt in Macau den nächsten: Nur einen Katzensprung von Klein-Venedig entfernt kann man sich beim höchsten Bungee-Jump der Welt fallen lassen. Mit dem Tragflächenboot von Hongkong nach Macau sind es etwa 60 Minuten. Noch im Sommer 2018 soll es schneller gehen. Eine 55 Kilometer lange Brücke wird dann das Festland mit der Sündeninsel verbinden - die längste Meeresbrücke der Welt.

Reiseinfo: Wer nach Macau reisen möchte, braucht kein Visum. Gut geführte Rundreisen werden häufig in Kombination mit einem Aufenthalt in Hongkong angeboten, wie zum Beispiel beim Reiseveranstalter Dertour. Mehr Infos unter www.dertour.at. Die offizielle Währung in der Sonderverwaltungszone ist der Macau-Pataca. Mit Kreditkarte kann bequem bargeldlos bezahlt werden. Flüge gibt es nonstop ab Wien bis Hongkong, zum Beispiel mit Austrian Airlines. Mehr Infos unter: www.austrian.com.

Aufgerufen am 24.05.2018 um 03:39 auf https://www.sn.at/panorama/reisen/macau-zockerparadies-im-glueck-26345098

1958 - die erste Reise in den Süden

Langsam, aber sicher zieht es die Österreicherinnen und Österreicher nach Italien oder Kroatien. Die ersten Reisen sind spartanisch: Übernachtet wird im Zelt, Restaurantbesuche sind eine Ausnahme. Aber die …

Meistgelesen

    Kommentare

    Schlagzeilen

      SN.at Startseite