Reisen

Sonne, Schafe & Snobismus

Sardinien, die zweitgrößte Mittelmeerinsel, ist anders. Politisch gehört sie zwar zu Italien, doch bleibt sie eine Welt für sich. Und für Touristen ist sie auch heute noch ein Geheimtipp.

Braun gebrannt und unrasiert, die Augen hinter einer schwarzen Sonnenbrille versteckt, wild gelockte, lange Haare, Poloshirt und kurze Jeans. Das ist Riccardo Dessi, von allen kurz Ricci genannt. Mit einem breiten Lächeln streckt er Urlaubern seinen muskulösen Arm entgegen, um ihnen aus dem Schlauchboot auf sein Motorboot zu helfen. Es ist sein Zuhause, für das er vor Jahren seiner Karriere als Hotelmanager der Rücken gekehrt hat, um lieber Touristen vor der Südküste Sardiniens herumzuschippern und ihnen die Schönheiten seiner Heimat zu zeigen. Auf seinem Boot fühlt er sich frei, und Freiheit ist ein wichtiges Schlagwort auf der zweitgrößten Insel im Mittelmeer. "Freiheit bedeutet, Sarde zu sein und dann erst Italiener."

Der selbst ernannte Kapitän wird nicht müde, von "seiner Insel" zu schwärmen, von der 1800 Kilometer langen Küste mit ihren kleinen Buchten, vom feinkörnigen, weißen Sand, den bis zu 900 Meter hohen Steilklippen, vom smaragdfarbenen, glasklaren Wasser, der immergrünen Macchia und von der Sonne, die hier das ganze Jahr über scheint. Er weiß eine Vielzahl an abenteuerlichen Geschichten über die Nuragher, Phönizier, Karthager, Römer, Araber und Spanier - alles Völker, die die Insel heimgesucht und ihre Spuren hinterlassen haben. Nicht von ungefähr behaupten die Sarden: "Wer übers Meer kommt, stiehlt" und "alles Schlechte kommt vom Meer". Glänzende Augen bekommt Ricci, wenn er die Urlauber in die Geheimnisse der sardischen Küche einweiht. Im Mittelpunkt steht immer das Brot, etwa das "pane carasau", das "Notenblatt": runde, knusprige Fladen, die so dünn sein müssen, dass die Sonne durchscheint. Sie sind monatelang haltbar und wurden früher von den Hirten als Wegzehrung auf ihren langen Wanderungen in den Rucksack gesteckt. Unbedingt zu probieren ist auch der würzige "Pecorino sardo", der typische sardische Schafkäse, den es in unterschiedlichen Reifestufen gibt, von cremigem Schnittkäse bis zu hartem Reibkäse für die Pasta.

Auf der Insel weiden rund drei Millionen Schafe - das sind ein Drittel aller italienischen Schafe und fast doppelt so viele wie Inselbewohner, von denen es rund 1,7 Millionen gibt. Die Schafe werden von etwa 30.000 Hirten gehütet, die mit ihnen über die Weiden der Hochebene Sardiniens ziehen und dabei die Hälfte der italienischen Schafmilchproduktion bestreiten. "Wenn ihr an einer der rund 80 Käsereien vorbeikommt, müsst ihr unbedingt den ,pecorino tipo toscanello‘, eine süße Sorte, und den ,canestrato‘, den zylindrischen Schafkäse verkosten," empfiehlt Ricci, bevor seine Gäste wieder von Bord gehen.

Dolce Vita anderer Klasse wird hingegen in der mediterranen Anlage des legendären Forte Village nahe Santa Margherita di Pula an der Südküste Sardiniens zelebriert. Das von Lord Charles Forte 1970 gegründete Hotel liegt inmitten eines 25 Hektar großen Pinienwalds direkt an einer Sandbucht. Heutzutage eine Besonderheit, da in den vergangenen Jahren die Baugesetze verschärft worden sind und auf Sardinien nur mehr drei Kilometer von der Küste entfernt gebaut werden darf.

Das Luxusresort wartet mit einer Menge Superlative auf, zahllose Restaurants, Designershops, einem hoteleigenen Freizeitpark und natürlich dem Spa Thermae del Parco für eine Portion Thalassotherapie. Politiker und Stars aus Film und Sport, allen voran Victoria und David Beckham und Michael Schumacher, schätzen die exklusiven Ferien abseits vom Rampenlicht. Denn am Pförtner kommt niemand ohne Genehmigung vorbei.

Wer gesehen werden will, urlaubt hingegen im Nordosten Sardiniens an der Costa Smeralda, der weltbekannten Smaragdküste. Sie ist seit den frühen 60er-Jahren, seit Karim Aga Khan IV. sie mit ihren Naturschönheiten und unzähligen Buchten entdeckt hat, zur ersten Adresse für den internationalen Jetset avanciert. Der Tummelplatz für Reich und Schön reicht rund 55 Kilometer von Porto Cervo bis nach Porto Rotondo - mit feinkörnigem Sandstrand, riesigen Yachthäfen, Golfplätzen, Nobelhotels, schicken Restaurants und Nachtclubs. Hier ist auch der ideale Platz, um bei einem Campari nach Promis Ausschau zu halten.

Wer lieber andere Schönheiten bewundert, kehrt wieder in den Süden der Insel zurück, wo zwischen November und März tausende rosarote Flamingos in den Lagunen um Cagliari, der Hauptstadt der Insel, Rast auf ihrem langen Weg zwischen Afrika und der französischen Camargue machen. Auf sie sind die Sarden besonders stolz. Liebevoll nennen sie sie "sa genti arrubia", das rosarote Volk. Einige von ihnen sind hier sogar heimisch geworden und können das ganze Jahr über bestaunt werden.

Anscheinend haben die Flamingos hier auf Sardinien ihre Ruhe gefunden und ihr persönliches Paradies entdeckt - wie der Bootsmann Riccardo Dessi. Warum also weitersuchen?

Für all jene die jetzt Lust auf Sardinien bekommen haben, gibt es auf unserem Reiseportal die passende Lösung!

Weitere Informationen:
Italienische Zentrale für Tourismus E.N.I.T., 1060 Wien, Tel.: 01/505 16 39, www.enit.at
www.sardegnaturismo.it
www.ciaosardinia.com
Unterkunft etwa im Forte Village, www.fortevillageresort.com/de

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.07.2018 um 11:28 auf https://www.sn.at/panorama/reisen/sonne-schafe-snobismus-5956006

Schlagzeilen