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Übers Wasser fliegen - Foiling revolutioniert das Segeln und Surfen

Nicht nur der America's Cup setzt auf diese Technik, selbst Jollensegler, Surfer und Standup-Paddler "fliegen" dank der neuen Technologie mittlerweile scheinbar über das Wasser.

Es ist wie das Durchbrechen der Schallmauer beim Fliegen. "Foiling" heißt der Trend, der den Segelsport gerade weltweit verändert. Diese Technik verändert Segeln gerade bahnbrechend.

Die eigene Bugwelle zu überholen und ins Gleiten zu kommen, ist seit jeher Ziel jedes sportlichen Seglers oder Surfers. Beim Foiling, besser gesagt dem Hydrofoiling, heben sich die Wassersport-Geräte dank Unterwasser-Tragflügel aber schon bei wenig Wind und niedrigem Tempo aus dem Wasser. Weil damit Verdrängung und Reibungswiderstand noch früher reduziert werden, kommen Boote viel früher ins "Schweben" und erreichen zudem atemberaubendes Tempo.

Der Vergleich mit Luftfahrzeugen ist zulässig, denn wie in der Fliegerei sorgen beim Foiling Tragflächen für Auftrieb. Nur eben unter Wasser. "Damit kommt im Segeln neben dem Vorwärts und dem Seitwärts eine dritte Dimension hinzu, nämlich dass Auf und Ab", erklärt Thomas Zajac. "Es ist eine zusätzliche, spannende Komponente. Denn die Boote werden sauschnell und sensibel. Segeln wird komplexer, aber auch gefährlicher."

Der Olympia-Dritte von Rio segelt hauptberuflich im Nacra17, dem einzigen Olympiaboot, das derzeit ebenfalls die Foilingtechnik nutzt. Für Zajac ist die neue Segeltechnik einer der Hauptgründe, neben seinen übrigen Engagements wie dem Flying Phantom auch beim olympischen Segelsport zu bleiben. "Es ist einfach geil, das erste Foiling-Boot der Olympia-Geschichte zu segeln und Teil dieser revolutionären Entwicklung zu sein", ist der Wiener ein Riesenfan.

Foilen hat und wird den Segelsport mehr verändern als die vor einigen Jahren aufgekommen, starren Flügelriggs. Davon ist auch Zajac überzeugt. Vor allem, wenn der Trend in die Masse geht. "Wenn das auch mal für Nicht-Profis einfach beherrschbar wird, ist es nicht mehr aufzuhalten. Das ist die Zukunft."

Dieser Tag ist nicht mehr fern, nachdem das schon um 1900 entwickelte Prinzip mittels altbekannter Tragflügelboote im Schiffsbau Einzug gehalten hatte. Zwischendurch geriet das Thema etwas in Vergessenheit, ehe es diverse Weltrekord-Versuche sowie der America's Cup vor vier Jahren vor San Francisco wieder in die große Auslage stellte.

Eines der ersten Foilingboote war rund um das Jahr 2000 die "Motte" gewesen. Mittlerweile "foilt" auf den Meeren und Seen der Welt praktisch alles und jeder. Auch Windsurfer und Kiteboarder. Auch die Boote der Weltumsegel-Serie "Vendee Globe" waren zuletzt mit Foils unterwegs. Am anderen Ende werden selbst Standup-Boarder mit den neuen "Superfinnen" gesichtet. Auch vom Optimist, der klassische Anfänger-Jolle, gibt es schon Prototypen mit Unterwasser-Tragflächen.

"Wir haben alle immer noch das Bild des gemütlichen, Bier trinkenden Seglers im Kopf. Foiling ist nun endlich aber auch für Junge ein Anreiz, weil es einfach cool ist", ist Zajac überzeugt. "Sie dürfen womöglich noch nicht Auto oder Moped fahren. Aber mit einem 70 km/h schnellen Segelboot unterwegs sein, das geht jetzt."

Die Technik ist relativ simpel. Tragflächen am Ende der ins Wasser ragenden Finnen und Schwerter wirken wie Flugzeug-Tragflügel und heben den Rumpf mittels Auftriebskraft aus dem Wasser. "Schon bei relativ wenig Wind wird man schneller als der wahre Wind", erklärt der frühere Windsurf-Profi Chris Jung das Phänomen des "Angleitens", mit dem die Wassersportler scheinbar die Physik austricksen. Der Übergang von der Verdrängerfahrt zur Gleitfahrt ist das Äquivalent auf dem Wasser zum Durchbrechen der Schallmauer in der Luft, bei dem ein Flugzeug seine eigene Schallwelle überholt.

Das Wissen um die Technik macht gerade Riesensprünge. Die Unterwasser-Tragflügel bestehen im Prinzip aus dem geraden Schaft, dem gebogenen "Ellbow" und dem auf die Seite ragenden "Tip", der Spitze. Die Flügel sind wie die "Flaps" bei Flugzeugen um mehrere Grad verstellbar Es gibt von der Form her C, J, L, T und Z-Foils. Dank moderner Karbontechnik ist das nur wenige Zentimeter dünne Teil mittlerweile so widerstandsfähig, dass es Belastungen von bis zu 50 Tonnen gewachsen ist.

(APA)

Aufgerufen am 23.06.2018 um 09:25 auf https://www.sn.at/panorama/reisen/uebers-wasser-fliegen-foiling-revolutioniert-das-segeln-und-surfen-11424802

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