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Starthilfe für Jungwissenschafter

Forschungsmilliarde.Die Regierung hat beschlossen, die Forschungsförderung bis 2021 zu erhöhen. Fraglich ist, ob das allein reicht, um exzellente Wissenschafter hervorzubringen.

Starthilfe für Jungwissenschafter SN/WavebreakmediaMicro - Fotolia

Wäre es nach ihrer Familie gegangen, wäre Alice Vadrot wohl keine Jungwissenschafterin. Sie arbeitete vielleicht noch heute in dem schmucken Hotel ihrer Eltern an der deutsch-französischen Grenze. Dank der Unterstützung des österreichischen Staates ist sie derzeit an der renommierten Elite-Uni in Cambridge tätig. Am hiesigen "Centre for Science and Policy" forscht die promovierte Politikwissenschafterin daran, wie Wissenschaft und Politik in ökologischen Fragen zusammenarbeiten. "Schon als Kind wollte ich verstehen, wie Wissen entsteht. Allerdings hatte ich keine Vorstellung davon, was es bedeuten würde, von Beruf Wissenschafterin zu sein", sagt Vadrot. Sie sei die Erste in ihrer Familie, die maturiert und studiert habe.

Als eine von 59 Jungwissenschaftern bekam sie 2015 das Erwin-Schrödinger-Stipendium zuerkannt. Durchschnittlich 35.000 Euro steuerfrei pro Jahr bezahlt der Wissenschaftsfonds FWF diesen Auserwählten für ihre ein- bis zweijährigen Auslandsaufenthalte. Danach können sie ein weiteres Jahr lang an ihre Stammuniversität in Österreich als "Senior Post Docs" zurückkehren. Kein Wunder, dass das Schrödinger-Stipendium damit zu den begehrtesten zählt. So viel Freiheit und Sicherheit haben Jungwissenschafter in der Regel selten.

Das kann der neue FWF-Präsident Klement Tockner nur bestätigen. "Das Tolle am Schrödinger-Stipendium ist, dass sich die Stipendiaten aussuchen können, wohin sie damit gehen. Deshalb findet man viele an Elite-Universitäten wie Cambridge oder Harvard", sagt er. Knapp 50 Prozent von ihnen gelinge es innerhalb von zehn Jahren, eine Professur zu bekommen - der Traum vieler Jungwissenschafter.

Daher ist es Tockners oberstes Ziel, die Bewilligungsquote für Nachwuchswissenschafter zu erhöhen. Sie sank zwischen 2009 und 2015 allein beim Erwin-Schrödinger-Programm von 50 auf 40 Prozent. Betrachtet man alle Förderprogramme, bewilligt der FWF derzeit sogar nur 20 Prozent aller Anträge, also von fünf einen.

Mit der von der Regierung kürzlich beschlossenen "Forschungsmilliarde" soll sich das ändern. Sie sieht allein für den FWF bis 2021 281 Millionen Euro zusätzlich und danach ein stabiles Budget von 290 Millionen vor. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 50 Prozent, verglichen mit den 184 Millionen Euro pro Jahr.

Das allein werde jedoch kaum reichen, um Österreichs Forschung an die Spitze zu katapultieren. Da sind sich FWF-Präsident Tockner und Oliver Vitouch, der Präsident der Universitätenkonferenz (Uniko), einig. Gemeinsam fordern sie ein über 2021 hinausgehendes "Exzellenzprogramm".

Dabei soll es sich um eine gezielte Finanzspritze für exzellente Forscher und ihre Projekte und keinen "Geldregen" für ganze Universitäten handeln. Eine Idee wäre, österreichweite, mehrjährige "Zukunftsprofessuren" für Jungwissenschafter zu schaffen, um die sich bewerben kann, wer exzellente Forschung betreibt. Eine andere Idee wäre, die sogenannten Doktoratskollegs wiedereinzuführen, die der FWF dieses Jahr aus Geldmangel einstellen musste. Das sind mehrjährige PhD-Programme für bestimmte thematische Forschungsbereiche.

"Das wird aber nur funktionieren, wenn die Universitäten in die Lage versetzt werden, exzellente Jungwissenschafter hervorzubringen", warnt Uniko-Präsident Vitouch. Das gelinge nur mit der Studienplatzfinanzierung, bei der die Unis endlich Geld gemäß der Zahl ihrer Studierenden erhielten. "Man kann sich im Fußball auch nicht erwarten, dass ein Zweitligist mit seinen beschränkten monetären Mitteln lauter Spitzensportler hervorbringt", betont Vitouch.

So negativ sieht Schrödinger-Stipendiatin Vadrot die Situation an den heimischen Unis nicht. "Im Gegensatz zu England hat man bei uns im Studium Zeit, sich seinem Fachgebiet anzunähern", sagt sie. Ohne Fleiß und langen Atem gelinge eine wissenschaftliche Karriere aber auch in Österreich nicht. Dazu gehöre, monatelang die Abende und Wochenenden in der Bibliothek zu verbringen.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 06:29 auf https://www.sn.at/panorama/starthilfe-fuer-jungwissenschafter-833596

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