Trotzdem Ja zum Leben sagen

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Standpunkt Josef Bruckmoser

Heute jährt sich zum 20. Mal der Todestag von Viktor E. Frankl, der die dritte Wiener Psychotherapieschule, die Logotherapie und Existenzanalyse, begründet hat. Mit seinem unbedingten Festhalten daran, dass ein Sinn im Leben zu finden sei, hat Frankl einer oft sinnentleert scheinenden Welt besonders viel zu sagen.

"Wenn wir als hilfloses Opfer mit einer hoffnungslosen Situation konfrontiert sind, mit einem unabänderlichen Schicksal, auch dann ist es noch möglich, dem Leben einen letzten Sinn abzuringen." Das sagt ein Mann, der selbst nach seiner Befreiung aus dem KZ niemanden von den Seinen wiedergesehen hat und vor dem Abgrund gestanden ist. Nur sein bedingungsloser Glaube an einen letzten Sinn, "der uns zwar verborgen sein mag, aber da ist", hat ihn im Leben gehalten.

Bei Viktor Frankl entspringt dieser Glaube keiner salbungsvollen Trostbotschaft, sondern jener "Trotzmacht des Geistes", die sehr hart formuliert auch heißen kann: "Man muss sich von sich selbst nicht alles gefallen lassen." Es ist und bleibt meine persönliche Freiheit, wie ich auf die Herausforderungen antworte, die das Leben stellt.

Das ist zugleich Trost und Auftrag. Die Verantwortung für meine Lebensführung liegt bei mir. Ich kann zum Leben Ja, Jein oder Nein sagen. Die Kunst wäre, jedem kleinen Sinn im Alltag nachzuspüren und damit immer wieder neu den größeren Sinnhorizont aufzureißen.

Allem Widersinn zum Trotz.

Aufgerufen am 19.11.2018 um 09:16 auf https://www.sn.at/panorama/trotzdem-ja-zum-leben-sagen-17015734

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