Viele Familien wollen mehr Zeit für ihre Kinder haben

Ist ein Vorschulkind unglücklich, wenn Mutter und Vater arbeiten? Fest steht nur: Viele haben gar keine Wahl.

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Panorama Barbara Morawec

Leidet das kleine Kind, wenn es im Kindergarten den Tag verbringt, weil seine Mama arbeitet? Diese Frage wurde von 80.000 Menschen in Europa und Übersee abgefragt. Die überwiegende Mehrheit beantwortete diese Frage mit Ja. In Österreich waren "nur" 42 Prozent der Befragten dieser Ansicht. Überwiegend Männer sahen eine Berufstätigkeit von Müttern kleiner Kinder kritisch. Interessanterweise war die Gruppe der Befragten jünger als 45 Jahre. Ältere, denen man vielleicht eine traditionelle Haltung gegenüber Frau und Familie unterstellt, waren nicht dabei. Auf den ersten Blick könnte man meinen, diese Umfrage zeige einen Rückschritt in alte Verhaltensmuster, die man überwunden glaubte. Nach dem Stereotyp: Der Mann bringt das Geld heim, die Frau bleibt daheim.

Man kann die Ergebnisse über die angeblichen "Rabenmütter" aber auch anders lesen. Kritisch sehen die Befragten nämlich auch die Tatsache, dass sich viele Väter zu wenig um ihre Kinder kümmern, weil sie zu viel arbeiten. Hier sind 80 Prozent der Österreicher der Meinung, dass auch in diesem Fall die Kinder leiden. Die Ansicht über eine vermeintlich traditionelle Rolle einer jungen Mutter könnte daher auch zeigen, dass jüngere Generationen anders über die Zeit denken, die sie mit der Familie verbringen wollen.

Es verschoben sich in den vergangenen Jahren die Prioritäten bei vielen jungen Menschen, die in die Arbeitswelt eintreten und eine Familie gründen. Zeit mit der Familie zu verbringen bedeutet ihnen viel, sodass sie auch einmal auf einen Schritt in ihrer Karriere verzichten. Zugunsten eines Lebens außerhalb der Arbeit.

Aber wie so oft gibt es auch auf die Frage, wie man heute Kinder am besten großzieht, keine allgemeingültige Antwort. Viele Frauen in Österreich können es sich nämlich gar nicht aussuchen, ob sie arbeiten gehen oder lieber noch ein bisschen daheim bei ihren Kindern bleiben. Sie müssen aus wirtschaftlichen Gründen so früh wie möglich wieder in den Arbeitsprozess einsteigen, um mit ihren Einkommen die Familie über Wasser zu halten.

Nicht zu vergessen sind die bestens ausgebildeten jungen Frauen, die in Österreich erstens nicht nur immer mehr werden, sondern auch zunehmend im Beruf volle Verantwortung übernehmen, oft auch mit Kind. In einer idealen Welt sollten sich alle diese jungen Mütter genau wie die jungen Väter ausreichend Zeit für ihre Kinder und für ihre Arbeit nehmen dürfen. Leider leben wir aber nicht in so einer Welt.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 06:35 auf https://www.sn.at/panorama/viele-familien-wollen-mehr-zeit-fuer-ihre-kinder-haben-1021954

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