Was auf dem Teller landet, verdient Respekt

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Panorama Andreas Tröscher

Viele Konsumenten haben keine Achtung mehr vor Lebensmitteln. Permanente Verfügbarkeit und Überangebot führten zu einem schlampigen Umgang mit Nahrung. Dem Haltbarkeitsdatum wird mittlerweile mehr vertraut als der eigenen Nase. So landen in Österreich pro Jahr Hunderttausende Tonnen Essen im Müll - ein Gutteil sogar originalverpackt.

Über Jahrtausende galt die Verschwendung von Essen als verpönt, als Sünde. Wurde ein Tier geschlachtet, entnahm man nicht die feinsten Stücke und ließ den Rest verkommen. Auch Eingeweide, Blut und Knorpel wurden zu nahrhaften Lebensmitteln verarbeitet. Selbst in der Welt der Sagen bezog man deutlich Stellung: Frau Hitt, die Riesin, wischte ihrem Kind das schmutzige Gesicht mit Brot ab und erstarrte zur Strafe zu einem Felszacken in der Tiroler Nordkette.

Wenn Großeltern heute von Krieg und Hunger erzählen, heißt es schnell: Ach, immer die alten Geschichten! Aber können wir nicht heilfroh sein, dass wir vergessen durften, wie sich ein leerer Magen anfühlt? Allerdings hat unser Sattsein einige Schattenseiten. Ob es nun der Handel ist, der zu Vieles zu billig anpreist, oder der Verbraucher, der vor dem Einkauf nicht darüber nachdenkt, was und wie viel er tatsächlich benötigt. Tatsache ist: Die Maßlosigkeit der Gesellschaft zeichnet sich auf den Tellern ab.

Restaurants, die mit "All you can eat"-Buffets locken, sind das beste Beispiel dafür. Und was sagt es über das Essverhalten aus, wenn Spargel selbst im tiefsten Winter zu haben ist und daher extra aus Südamerika herangekarrt werden muss?

Ein wenig Rückbesinnung täte gut. Die Waste-Cooker, also jene, die mit nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln schmackhafte Speisen zaubern, machen es vor: Der bewusste Umgang mit Essen muss nicht anstrengend sein. Ganz im Gegenteil: Gerade in Zeiten, in denen Stress zum alltäglichen Begleiter geworden ist, kann die kreative Auseinandersetzung mit dem, was im Kühlschrank lagert, zur wohltuenden Entschleunigung beitragen. Einfach ausprobieren - es kostet nichts. Es spart sogar Geld!

Aufgerufen am 14.11.2018 um 10:43 auf https://www.sn.at/panorama/was-auf-dem-teller-landet-verdient-respekt-1562137

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