Wir dürfen die Kinder nicht zu Diabetikern machen

Chronische Erkrankungen werden in der Kindheit herangezüchtet. Jetzt in der Hitze heißt es bei süßen Getränken bremsen.

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Standpunkt Josef Bruckmoser

Grundlegende Trink- und Essensmuster werden in der Kindheit geprägt. Dazu zählt die frühe Gewöhnung an stark zuckerhaltige Getränke. Zumal diese ebenso wie Würstel, Pizza und Fast Food zu jeder Uhrzeit und an jeder Ecke zu finden sind. Jetzt, da
es heiß wird und die Kinder richtigerweise vermehrt trinken wollen, ist die Versuchung besonders groß, sie mit viel zu süßen Getränken zufrieden-, oder vielleicht muss man sagen ruhigzustellen.

Internationale Studien haben mehrfach gezeigt, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen einem solchen Konsum von zuckerhaltigen Getränken und Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen gibt - mit lebenslangen Folgen. Denn übergewichtige Kinder haben in der Regel auch als Erwachsene mit Übergewicht zu kämpfen. Derselbe Zusammenhang besteht zwischen süßen Getränken und Diabetes. Immer häufiger haben bereits 25- bis 30-Jährige erhöhte Blutzuckerwerte im Sinn eines Typ-2-Diabetes, der bis vor Kurzem als "Altersdiabetes" gegolten hat.

Gleichzeitig haben US-amerikanische Wissenschafter in einer Analyse der Trink- und Essensgewohnheiten festgestellt, dass das Trinken von Wasser die Energieaufnahme verringert. Wer seinen täglichen Wasserkonsum um ein bis drei Gläser erhöht, nimmt bis zu 205 Kilokalorien weniger auf.

Nun wissen Eltern und Großeltern naturgemäß ein Lied davon zu singen, dass man Kinder nicht ohne Protestgeschrei von süßer Limonade auf pures Wasser "umstellen" kann. Es ist aber sehr wohl möglich, auf den Zuckergehalt der Getränke zu achten. Dieser ist auf dem Etikett ausgewiesen. Genau hinzuschauen lohnt sich auch bei Getränken, die als besonders kindgerecht angepriesen werden. Da wird etwa der reiche Gehalt an Vitaminen hervorgehoben und damit vom zu hohen Zuckergehalt abgelenkt.

Als Orientierung gilt derzeit, dass ein Getränk nicht mehr als 7,4 Gramm Zucker pro 100 ml enthalten soll. Dieser Richtwert ist von einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur maximalen Aufnahme von Zucker pro Tag abgeleitet. Wer es genauer wissen möchte, kann zum Beispiel die empfohlene Getränkeliste von SIPCAN, der Initiative für gesundes Leben (www.sipcan.at), aufrufen. Diese enthält mehr als 300 Fruchtsäfte, die den Grenzwert einhalten. Da ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Es ist also möglich, auch unter erhöhten pädagogischen Anforderungen - sprich, wenn es so richtig heiß ist und die Kinder so richtig ungeduldig sind - auf eine vernünftige Flüssigkeitszufuhr zu achten.

Aufgerufen am 21.10.2018 um 11:41 auf https://www.sn.at/panorama/wir-duerfen-die-kinder-nicht-zu-diabetikern-machen-12469786

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