Wir sollten auf unseren Bauch hören

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Panorama Barbara Morawec

Immer mehr Menschen könnten gar nicht kochen, was sie täglich essen. Sie kaufen es eingefroren, abgepackt, fertig für die Mikrowelle, sie gehen "zum Thai" oder "zum Italiener" um die Ecke oder lassen sich fertiges Essen nach Hause liefern. Viele wissen nicht, aus welchen Zutaten ihr Essen überhaupt gemacht wurde. Es fehlt an kulinarischer Kompetenz, sagt der Ernährungswissenschafter. "Meine Oma hat das noch alles gewusst", denkt sich der Laie.

Das Internet ist voller Schnipsel über Kochtechniken, die früher die Geheimnisse von Haubenköchen waren. Im Fernsehen wird eine öde Kochshow nach der anderen durchgekaut. Gleichzeitig ergeben Umfragen, dass immer mehr Menschen keine Lust haben zu kochen. Sie sehen es als vergeudete Zeit an, weil sie anderes lieber tun.

Da ist der Punkt erreicht, an dem sich Menschen Modetrends ausliefern. Weil sie zu wenig über Nahrung und ihre Wirkung wissen, aber ständig gesagt bekommen, was sie essen sollen. Dann seien sie schön, schlank und ewig jung.

Daher hören sie auch nicht hin, wenn ihnen ihr Magen erzählt, dass er weder Hokkaido-Kürbis mit Ingwer noch scharfes Curry verträgt. Er verträgt auch keine Steinzeitdiät mit viel Fleisch, kein Vollkornbrot zum Frühstück, auch wenn's "bio" ist, und der Sojashake mit Seegras ist einfach nur ekelhaft.

In einer Zeit, wo es so vielen so viel bedeutet, "in" zu sein, bedienen daher selbst unsinnigste Trends die menschliche Eitelkeit. Je spezieller die Ernährung, desto wichtiger kann man sich fühlen. Viele übersehen dabei, dass man bei manchen Ernährungsformen über Wirkung und Zubereitung von Lebensmitteln gut Bescheid wissen muss, um sich ausgewogen zu ernähren.

Unsere Omas wussten noch, was man einem Kranken zu essen gibt, einem Kind und einer Schwangeren. Und hatten zu fast jeder Speise derbe Sprücherl parat. Diese hatten alle mit unserer Leibesmitte und unserem Wohlbefinden zu tun. Vielleicht sollten wir einfach nur auf unseren Bauch hören - und in Großmutters Rezeptbuch blättern. Manches ist bis heute ausgewogene Kost.

Aufgerufen am 20.11.2018 um 10:43 auf https://www.sn.at/panorama/wir-sollten-auf-unseren-bauch-hoeren-1158490

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