Wissen

Abschreiben bis zum Doktortitel

Plagiate gelten als folgenschwere Stolpersteine für Politiker und sind gefürchtet unter Studenten. Doch ab wann wird das Zitat für die eigene wissenschaftliche Arbeit gefährlich?

Abschreiben bis zum Doktortitel SN/schreglmann
Plagiate sind an Universitäten ein Dauerthema.

Als Anfang 2011 die Plagiatsaffäre um den damaligen deutschen Verteidigungsminister zu Guttenberg in aller Munde war, wurde Max L. unruhig. Der Psychologiestudent saß zu dieser Zeit an den letzten Zeilen seiner Bachelorarbeit und erinnert sich: "Es war furchtbar stressig, meine Bachelorarbeit noch rechtzeitig fertigzustellen, da ich mich für Praktika bewerben wollte und mit meinem Zeitplan bereits schwer im Verzug war. Ob meine Quellen bis ins letzte Detail stimmten, wusste ich ehrlich gesagt nicht mehr. Das überließ ich dem Schicksal." Diese Herangehensweise trifft wohl das Gefühl vieler Studenten im wissenschaftlichen Arbeiten. Wie bei einer BWL-Einführungsvorlesung wird Nutzen und Kosten abgewogen: "Lohnt" sich plagiieren im Internetzeitalter überhaupt noch?

Die simple Definition

"Ein Plagiat liegt eindeutig vor, wenn Texte, Inhalte oder Ideen übernommen und als eigene ausgegeben werden", geißelt das Universitätsgesetz 2002 unmissverständlich alle unzitierten Übernahmen von geistigen Eigentum eines Dritten als Plagiate. Frei davon sind höchstens Kuriositäten - geflügelte Sprüche wie "Sein oder nicht Sein" oder etwa ein Zitat aus den zehn Geboten. Spielraum gibt der Gesetzgeber also bei wissenschaftlichen Arbeiten kaum, ein Umstand, den viele Studierende zähneknirschend zur Kenntnis nehmen müssen. Hält man sich nicht daran, wird bei entsprechender Feststellung des Plagiats der Kurs nicht bewertet, die wissenschaftliche Arbeit nicht beurteilt oder gar der akademische Titel aberkannt.

Keine gute Position also für den findigen, wenngleich faulen Studenten, der gerne ein paar Sätze aus Wikipedia übernehmen würde. Spätestens seit der Einführung von Prüfungssoftware muss die wissenschaftliche Recherche gut zitiert und belegt sein. Dafür sorgen die Algorithmen von Programmen wie "Safe Assign" (Uni Salzburg), "iThenticate" (Uni Wien) oder "Plagscan" (Uni Innsbruck). Diese Programme suchen nach Wortgleichheit, plumpen Übersetzungen und einfachen Satzumstellungen, um Plagiate aus dem Verkehr zu ziehen.

Was hinter der Software steckt

Doch hinter den Programmen steckt mehr als nur grobes Abgleichen, wie Richard Posch, Verantwortlicher für die Plagiaterkennungssoftware an der Uni Salzburg, beschreibt: "Mit mehr als 1100 Publikationstiteln sowie mehr als 2,6 Millionen Artikeln aus einer Datenbank, die angehend von den 90er-Jahren bis heute wöchentlich aktualisiert wird, bietet diese Software große Sicherheit einer Erkennung." Hinzu kommen noch intern entwickelte Suchmaschinen, die nach gesetzlich geschützten Übereinstimmungen aus dem Internet suchen. Die überprüfte Datei liefert dem Lehrenden einen Überblick, muss aber immer noch von diesem selbst entsprechend beurteilt werden - da es keine fixen Schwellenwerte für Plagiate gibt. Die Nachprüfung ist umfassend und streng. Ungenauigkeit reicht also nicht als Ausrede.

Factbox: Was ein Plagiat ausmacht
  • Englische Texte simpel zu übersetzen, gilt als Plagiat.
  • Mehr als acht Wörter in der Reihenfolge des Originals im Text stehen zu haben, gilt als Plagiat.
  • Simpler Satzumbau und Wortveränderungen gelten ebenfalls als Plagiat.
  • Software wie docoloc.de bieten die Möglichkeit, selbst zu prüfen, ob die wissenschaftliche Arbeit den Plagiatsanforderungen genügt.
  • Manche lokale ÖH-Vertretungen bieten ähnliche Services; an der Uni Salzburg: plagiatscan@oeh-salzburg.at

Dieser Beitrag wurde von Studenten der Universität Salzburg im Rahmen einer Lehrredaktion in Kooperation mit den "Salzburger Nachrichten" erstellt.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.08.2018 um 07:51 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/abschreiben-bis-zum-doktortitel-1009153

Schlagzeilen