Wissen

Als das Telefon noch der Draht in die Hölle war

Das Zusammenspiel von Mensch und Maschine in der Arbeitswelt hat eine lange Geschichte. Veränderungen gehen mit dem Verlust des Gewohnten einher. Warum fürchten Menschen Innovationen und was können Arbeitnehmer und Arbeitnehmer für mehr Akzeptanz und ein besseres Zusammenspiel von Mensch und Maschine am Arbeitsplatz tun?

Neue Technologien am Arbeitsplatz, haben bei den Menschen einen relativ schlechten Eindruck hinterlassen. Menschen fürchten sich vor den Veränderungen, nicht von der Innovation selbst. SN/pexels
Neue Technologien am Arbeitsplatz, haben bei den Menschen einen relativ schlechten Eindruck hinterlassen. Menschen fürchten sich vor den Veränderungen, nicht von der Innovation selbst.

Sei die Schildkröte unter all den Dinosauriern

Vor Millionen von Jahren sind zirka 80% aller Lebewesen ausgestorben. Die Gründe dafür sind bis heute nicht hundertprozentig erforscht, doch neben dem Meteoriteneinschlag waren die Klimaveränderungen und die wandelnde Pflanzenwelt mitunter ausschlaggebend für das Artensterben. Während sich ein Großteil der Dinosaurier an das Klima, die Verdunkelung durch vermehrte Vulkanausbrüche sowie die wandelnde Pflanzenvielfalt nicht anpassen konnten, waren es vor allem kleine Tiere, die überlebten.

Reptilien wie Schlangen, Schildkröten und Eidechsen sowie Vögel und Säugetiere änderten ihre Gewohnheiten, beziehungsweise hatten bereits bessere Voraussetzungen um sich mit den Veränderungen zu arrangieren. Seit jeher sieht sich auch die Menschheit Veränderungen und Herausforderungen gegenüber. Seit Jahrzehnten spielt dabei die Künstliche Intelligenz (KI) eine maßgebliche Rolle. Maschinen die Menschen ersetzen und Arbeitsplätze wegrationalisieren.

Von diesem Szenario hören wir bereits mehr als genug. Bevor man sich nun vollkommen in Panik versetzt, den Job kündigt und irgendwo im nirgendwo auf die feindliche Übernahme wartet, heißt es für die Menschheit abermals: Bereiten wir uns gut auf die kommenden (beruflichen) Veränderungen vor und sind die Schildkröten unter all den Dinosauriern.

Neue Technologien am Arbeitsplatz: Der schlechte erste Eindruck

Als die ersten Telefonleitungen gelegt und die ersten Gespräche über die Fernsprecher geführt wurden, verkündeten Prediger weltweit von der Innovation des Teufels. Leitungen wurden daraufhin gestohlen und sabotiert.

Diese Abwehr war bei dem Aufkommen von Fernsehen, Autos und dem Internet nicht anders. Heute gehören genau diese Innovationen für die meisten Menschen zum Alltag. Trotzdem werden neue Technologien mit dem gleichen kritischen Blick wie damals betrachtet. Diesem Phänomen widmet Calestous Juma, Professor an der Harvard Universität, das Buch mit dem Titel 'Innovation and Its Enemies. Why People Resists New Technologies'.

Die Anfänge der Zusammenarbeit zwischen Menschen und neuer Technologien, gehen weit zurück. Drastische Veränderungen in der Arbeitswelt gab es Ende des 18. Jahrhunderts. Um einen besseren Überblick über das Kommen und Gehen der Arbeiter zu haben und Manipulationen entgegenzuwirken, führten Unternehmen die Stempeluhr ein. Die Arbeiter fühlten sich durch die Einführung der Stempeluhr überwacht und das Vertrauen zwischen den Unternehmen und den Arbeitern war erschüttert. Dem Zeitsystem folgten weitere Techniken, die von den Angestellten vor allem als Methoden zur Überwachung und ständigen Kontrolle aufgefasst wurden.

Auch wenn das vorrangige Ziel der Unternehmen nicht eine lückenlose Kontrolle der Arbeitnehmer war, stand das Zusammenspiel von Mensch und Maschine damals unter keinem guten Stern. Und auch heute begegnen Menschen neuen Innovationen mit großer Skepsis. Doch woher rührt die Angst vor Veränderungen?

Neue Innovationen bedeuten Verlust

Juma hat sich mit der Abneigung gegen Innovationen beschäftigt und warum es Menschen prinzipiell nicht um den Fortschritt selbst geht als vielmehr darum, dass es durch die Veränderungen zu einem Verlust der Identität beziehungsweise des gewohnten Lebensstils kommen kann. Im Zuge seiner Untersuchungen hat Juma drei Positionen herausgefiltert, die hinsichtlich der Abneigung gegenüber Innovationen von Menschen und Unternehmen eingenommen werden:

  • Jene, die ein wirtschaftliches Interesse an bestehenden Produkten haben
  • Jene, die sich mit bestehenden Innovationen identifizieren
  • Jene, die durch eine Veränderung etwas verlieren würden


Bei den ersten handelt es sich um Menschen und Unternehmen, die neue Innovationen aus wirtschaftlichen Gründen zu verhindern versuchen. Die zweite Gruppe lehnt neue Technologien aufgrund von Gewohnheiten, Kultur und der eigenen Identität ab. Etwas Neues bedeutet auch gleich, dass ein Teil der eigenen Person aufgegeben wird. Die letzte Gruppe betrifft jene, die durch eine Innovation an Macht verlieren würde. Durch neue Technologien können Macht, Einfluss und Wohlstand von einer sozialen Schicht zu einer anderen verschoben werden.

Es sind nicht zuletzt auch Arbeitnehmer, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren und Veränderungen durch neue Innovationen fürchten. Das muss nicht unbedingt ein Jobverlust sein, doch auch die Verschiebung von Verantwortungen und Tätigkeitsfelder.

"It's the loss they are afraid of, not the newness" Juma

Chancen durch Weiterbildung und Anpassungsfähigkeit

Laut OECD nahm in Österreich die Anzahl der Jobs auch während des Computerzeitalters von 1970 - 1995 zu. Gegen die Angst vor Digitalisierung beziehungsweise vor dem Verlust, können Weiterbildungen und einschlägige Trainings helfen. Hier sind die Menschen selbst wie auch Unternehmen gefragt. Arbeitgeber sind gefordert den Arbeitnehmern Zeit für Fortbildungen zur Verfügung zu stellen, diese auf interne Veränderungen vorzubereiten und ihre Kompetenzen dahingehend auszubauen, dass sie mit den neuen Technologien in der Arbeit zurechtkommen.

Doch auch der Mensch selbst ist gefragt sich digitale Kompetenzen anzueignen. Fort- und Weiterbildungen sowie Umschulungen stellen sicher, dass der Arbeitsmarkt der Zukunft viele Chancen für den Arbeitnehmer bereithält.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 07:58 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/als-das-telefon-noch-der-draht-in-die-hoelle-war-70888312

Kommentare

Schlagzeilen