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Als der Erfinder der Schreibmaschine beim Kaiser abblitzte

Ein Tischler aus Tirol pilgerte vor 150 Jahren mit seiner Erfindung an den kaiserlichen Hof nach Wien - aber keiner erkannte die Bedeutung der Neuheit.

Als der Erfinder der Schreibmaschine beim Kaiser abblitzte SN/bernhard schreglmann

Große Erfindungen werden manchmal in den kleinsten Dörfern gemacht. Der Tischler Peter Mitterhofer aus dem Weiler Partschins im heutigen Südtirol hat vor 150 Jahren mit einfachsten Mitteln eine Schreibmaschine "geschnitzt", die als Vorläufer aller modernen Modelle gilt. In Partschins lädt ein Schreibmaschinenmuseum zum Besuch ein.

"Was ihn dazu angetrieben hat, weiß niemand so recht", sagt der Medienhistoriker des Technischen Museums in Wien, Wolfgang Pensold. Dort steht das erste von insgesamt vier Modellen, die Mitterhofer (1822-1893) in den 1860er-Jahren herstellte. Reich ist er damit nicht geworden. Der kaiserliche Hof in Wien, wo er eine seiner Maschinen vorstellte, erkannte das Potenzial der Erfindung nicht: Selbst bei viel Übung dürfte wohl "niemals dieselbe Geschwindigkeit und Sicherheit wie beim gewöhnlichen Schreiben erreicht werden", so die Gutachter von Kaiser Franz Joseph I.

Der Prototyp funktionierte wie ein "Schreibklavier"

Das wenig Begeisterung entfachende hölzerne Ding mit einigen Eisenspangen war eine "Typenhebelkorbmaschine mit Unteraufschlag". Mitterhofers Maschine hatte eine mehrreihige Tastatur, wie sie heute im Prinzip noch gebräuchlich ist. In einer verbesserten Variante besaß die Ur-Schreibmaschine sogar Groß- und Kleinschreibung. Der Prototyp hatte statt den aus dem Buchdruck bekannten metallenen Typen allerdings nur winzige Nadelspitzen, die das Papier in Buchstabenform durchstießen.

"Mitterhofer wusste, dass das bei einer etwaigen Serienproduktion geändert werden müsste", sagt Pensold. In Sachen Mechanik kann das damals verbreitete Hammerklavier als Vorbild gelten. Dort wird mittels Taste und einer ausgeklügelten Mechanik eine Saite angeschlagen, bei der Schreibmaschine wird so eine Type bewegt. "Diese Geräte hießen teils auch 'Schreibklavier'", sagt Pensold. So stellte der Italiener Giuseppe Ravizza (1811-1885) sein "Cembalo Scrivano" bereits 1855 vor, eine Maschine, die sogar ein Farbband hatte. Ob Mitterhofer die Erfindung von Ravizza kannte, sei unklar, meint Pensold.

Die "Allesschreibende Wundermaschine" als Vorgänger

Mechanische Schreibinstrumente wie die "Allesschreibende Wundermaschine" von Friedrich von Knaus waren schon rund 100 Jahre früher erfunden worden. Allerdings nicht zum möglichen Hausgebrauch, sondern als Schauobjekte zur Belustigung des Adels.

Die Entwicklung der Schreibmaschine ging rasant weiter - nicht in der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, sondern in den USA. Dort ging es der Waffenfirma Remington nicht mehr allzu glänzend. Auf der Suche nach einem Produkt, das ähnlich wie Revolver und Gewehr hohe Präzision bei der Fertigung verlangte, griff die Firma zu. Remington stellte ab 1874 die erste seriengefertigte Schreibmaschine her. Das Problem: Die getippten Buchstaben - und damit etwaige Fehler - wurden erst nach einigen Zeilen sichtbar. Das "Blindtippen" änderte sich erst mit der "Underwood" rund 20 Jahre später.

Kommt es zu einer Renaissance der Schreibmaschine?

Zu den großen Fans von Schreibmaschinen zählen bis heute Schriftsteller und Künstler. Lady Gaga erzählte unlängst, dass der Text zu ihrem neuen Song "Perfect Illusion" auf einer "Underwood" verfasst worden sei. Eine wirkliche Renaissance der Schreibmaschine vergleichbar mit dem Wiederaufleben der Schallplatte oder anderer Retro-Produkte ist nach Meinung von Trendforschern aber nicht zu erwarten. "Die Schreibmaschine bleibt eine Liebhaberei. Der Genuss-Mehrwert ist hier für einen Trend zu gering", meint der Geschäftsführer des Deutschen Zukunftsinstituts, Harry Gatterer.

Mitterhofer, dessen Anteil an dieser Technik-Geschichte erst in den 1920er-Jahren rekonstruiert wurde, hat den Siegeszug "seiner" Erfindung noch erlebt. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich der Tiroler gegrämt habe, nicht reich geworden zu sein. "Er wollte berühmt werden", sagt Pensold - und tatsächlich wurde er im Nachhinein eine Art Nationalheld in einer nach dem Ersten Weltkrieg zerrütteten Alpenrepublik.

Quelle: Apa/Dpa

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