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Asteroiden: Forscher widerlegen These von regelmäßigen Einschlägen

Eine beliebte Hypothese besagt, dass die Erde regelmäßig alle 26 Millionen Jahre von Asteroiden heimgesucht wird. Forscher der ETH Zürich haben mit schwedischen Kollegen Einschlagkrater aus den vergangenen 500 Millionen Jahren datiert und widerlegen damit die Theorie vom periodischen Bombardement.

Rund 190 Einschlagkrater auf der Erde sind bekannt, von einigen Metern bis über 100 Kilometer im Durchmesser. Dieses Bild zeigt einen Krater in Peru nach einem Meteoriteneinschlag im September 2007. SN/epa
Rund 190 Einschlagkrater auf der Erde sind bekannt, von einigen Metern bis über 100 Kilometer im Durchmesser. Dieses Bild zeigt einen Krater in Peru nach einem Meteoriteneinschlag im September 2007.

Rund 190 Einschlagkrater auf der Erde sind bekannt, von einigen Metern bis über 100 Kilometer im Durchmesser. Solche Einschläge und damit verbundenes Artensterben, wie zum Beispiel das Verschwinden der Dinosaurier, könnten die Erde in regelmäßigen Zeitabständen heimsuchen. So zumindest eine beliebte Theorie. Diese These haben Matthias Meier von der ETH Zürich und seine ehemalige Doktorandin Sanna Holm-Alwmark von der Universität Lund nun jedoch widerlegt.

Ob Einschläge und Massenaussterben periodisch auftreten, werde seit über drei Jahrzehnten diskutiert, ließ sich Meier in einer Mitteilung der ETH vom Montag zitieren. Zuletzt gab eine US-Studie von 2015 an, Einschlagkrater auf der Erde würden gehäuft alle 26 Millionen Jahre entstehen. Dabei ließen sie sich jedoch offenbar durch teils falsche Datierungen in die Irre führen.

Meier und Holm-Alwmark wollten dem genauer auf den Grund gehen und fokussierten dabei auf Einschläge, die in den vergangenen 500 Millionen Jahren stattfanden. Also seit es die ersten komplexen Lebensformen gab, wie die ETH schrieb. Holm-Alwmark trug eine Liste von 22 Einschlagkratern zusammen, deren Alter bis auf weniger als ein Prozent genau bekannt ist.

Danach analysierte Meier diese Liste mittels der sogenannten "Circular Spectral Analysis": Dabei werde die Zeitleiste der Ereignisse um einen Kreis gewickelt, dessen Umfang in diesem Fall 26 Millionen Jahre entsprach, schrieb die ETH. Wenn es Einschläge gehäuft alle 26 Millionen Jahre gäbe, müssten sich die Einschlagsereignisse in einem Bereich des Kreises ansammeln. Das taten sie aber nicht, wie die Forschenden im Fachblatt "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichten.

Bei der Analyse fiel außerdem auf, dass einige der Einschläge fast gleichzeitig entstanden sind. Diese seien wohl auch einer der Gründe dafür, warum die US-Forscher in der Studie von 2015 periodisch gehäufte Einschläge alle 26 Millionen Jahre feststellten. "Wir haben in unserer Arbeit gezeigt, dass einige wenige dieser sogenannten Einschlag-Cluster ausreichen, um den Anschein von Periodizität zu erwecken", erklärte Meier.

"Einige dieser gleich alten Krater könnten beim Aufprall eines Asteroiden entstanden sein, der von einem Mond begleitet wurde", so der ETH-Forscher weiter. In anderen Fällen lägen die Einschlagstellen dafür allerdings zu weit auseinander, zum Beispiel beim 66 Millionen Jahre alten Chicxulub-Krater in Mexiko, der mit dem Aussterben der Dinosaurier in Verbindung gebracht wird, und dem gleich alten Boltysh-Krater in der Ukraine.

Eine endgültige Erklärung für diese Einschlags-Cluster haben die Forschenden noch nicht. Eine Ursache könnte jedoch das Zusammenprallen zweier Brocken im Asteroidengürtel zwischen den Planetenbahnen von Mars und Jupiter sein. Dabei wären viele Trümmer entstanden und einige davon innerhalb einer kurzen Zeitspanne auf die Erde gestürzt.

(Apa/Sda)

Aufgerufen am 23.06.2018 um 08:10 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/asteroiden-forscher-widerlegen-these-von-regelmaessigen-einschlaegen-243646

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