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Betreiber von Corona-Apps ringen um Vertrauen

Die Art der Datenspeicherung erweist sich als Knackpunkt bei der Akzeptanz.

Betreiber von Corona-Apps ringen um Vertrauen SN/APA/AFP/CATHERINE LAI
Betreiber von Corona-Apps ringen um Vertrauen

Der Einsatz von Smartphone-Apps zur Eindämmung der Coronaviruspandemie und als mögliches Mittel zur Rückkehr in die Normalität wird häufig diskutiert. Trotz Kritik hat auch Australien eine Corona-Warn-App auf freiwilliger Basis eingeführt. Fast zwei Millionen Menschen haben sie am ersten Tag heruntergeladen. In Österreich wurde die "Stopp Corona"-App des Roten Kreuzes am 25. März gestartet. Sie hat inzwischen geschätzt 400.000 Nutzer, genaue Statistiken sind wegen der nachgeschärften Datenschutzvorkehrungen nicht mehr möglich.

Auch in Deutschland hat man sich mittlerweile auf den Einsatz einer App geeinigt. In den vergangenen Tagen war ein Richtungsstreit entbrannt. Es ging um die Frage, ob die Daten der App zentral gespeichert werden sollen oder nicht. Dabei standen lange die Zeichen auf eine App mit zentraler Datenspeicherung. Schlussendlich hat die deutsche Bundesregierung aber eine Kehrtwende vollzogen und setzt nun auf einen dezentralen Ansatz. In Österreich hat man immer den dezentralen Ansatz verfolgt. Die Art der Datenspeicherung erweist sich auch in anderen Ländern als Knackpunkt für die Akzeptanz.

Herzstück beider Modelle ist ein Kontakttagebuch. Jedes Handy erzeugt dazu stets wechselnde, aber eindeutige verschlüsselte Identifikationsnummern. Kommen sich zwei Menschen für längere Zeit näher, werden die Identifikationsnummern automatisch ausgetauscht. Meldet sich ein App-Nutzer als infiziert, werden beim dezentralen Modell nur die Identifikationsnummern der infizierten Person allen anderen Nutzern bekannt gegeben. Die App wertet die Identifikationsnummern dann lokal aus und informiert über eine mögliche Infektion. Beim zentralen Modell schickt die App eines Infizierten zusätzlich auch die Identifikationsnummern auf einen zentralen Server. Dort wird ein Kontaktnetz erstellt, auf das dann auch Epidemiologen zugreifen können. Dadurch können wiederum bessere Risikoanalysen erstellt werden. Ein zentrales System sei komplexer, habe mehr Risiken und müsse denen mit Komplexität begegnen, sagt Linus Neumann vom Chaos Computer Club: "Komplexität ist aber der natürliche Feind der IT-Sicherheit."

Einen zweiten Punkt haben Sicherheitsexperten seit dem Start der "Stopp Corona"-App gefordert: die Umstellung des Projekts auf Open Source. In den kommenden Tagen soll es so weit sein, versprach Bundesrettungskommandant Gerry Foitik. Open Source ermöglicht jedem, das Innenleben eines Programms unter die Lupe zu nehmen. Das soll Vertrauen schaffen.

In Österreich entwickelt auch noch eine zweite Gruppe unter dem Namen Novid20 eine App, die mittlerweile in Georgien im Einsatz ist. Bei der Initiative arbeiten 80 Wissenschafter, Entwickler und Datenschutzexperten zusammen. Zwischen den beiden Gruppen gibt es einen konstruktiven Austausch, aber keine unmittelbare Zusammenarbeit.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 07:27 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/betreiber-von-corona-apps-ringen-um-vertrauen-86812147

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