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Lebendige Rasenmäher sind stark im Kommen

Herdentiere für die Bewirtschaftung natürlicher Weiden in Schutzgebieten zu verwenden, ist zwar eine uralte Idee, die aber derzeit im Osten Österreich immer mehr umgesetzt wird. Von kleinen polnischen Pferden über schottische Zottelrinder bis hin zu Ziegen und Schafen sind solche Herdentiere die ideale Pflege in Schutzgebieten in Niederösterreich und im Burgenland.

Landschaftspfleger auf vier Beinen: Die Beweidung in Schutzgebieten von lebendigen "Rasenmäher" werden in Ostösterreich mehr. Nach dem erfolgreichen ersten Jahr bekamen die Marchegger Konik-Stuten nun männliche Verstärkung: Drei Hengstfohlen wurden aus dem polnischen Nationalpark Roztoczanski an die March übersiedelt. Konik, was auf polnisch so viel heißt wie Pferdchen, ist eine spezielle Ponyrasse, die wegen ihrer Robustheit auch in der Landwirtschaft Verwendung findet. Es sind aber nicht nur Pferde im Einsatz als "Rasenmäher" "Immer mehr Schutzgebiete setzen Pferde, Rinder, Schafe und Ziegen in der Landschaftspflege und für den Naturschutz ein. Die Tiere sind in der Haltung unproblematisch, kostengünstig und sie bearbeiten den Boden auf sanfte, naturschonende Art und Weise", erklärt WWF-Projektleiter Gerhard Egger. 

Gut zu beobachten

Die Beweidung ist aber nicht nur ökologisch sinnvoll. Es ist auch für Besucher sehr interessant, Weidetiere unter sehr natürlichen Haltungsbedingungen zu beobachten. Auch der Nationalpark Donau-Auen setzt an mehreren Standorten auf sanfte Beweidung, und im Nationalpark Neusiedlersee-Seewinkel grasen mehr als tausend Weidetiere.

Wilde Huftiere wie der Tarpan und der Auerochse prägten über Jahrtausende die Landschaft Mitteleuropas. Als ihre Nachfolger setzten dann Haustierrassen wie Pferde und Kühe die "Landschaftspflege mit Tritt und Biss" fort. In den Ackerbaugebieten im warmen Osten Österreichs ist diese Tradition vielfach verloren gegangen. Mit innovativen Beweidungsprojekten knüpft man in Schutzgebieten nun wieder an altes Wissen an.

Erhaltung des Lebensraumes

Beweidung ist eine praktische Alternative zur Mahd. So können auch in schwierigem Gelände, wie auf feuchten oder nassen Auwiesen oder auf ertragsarmen Trockenstandorten, wertvolle offene Flächen bewahrt werden. Denn in Au-, und Steppengebieten wäre die konventionelle Pflege großräumig viel zu teuer. Wertvolle Wiesen und Rasen würden dann verbuschen und als Lebensraum für seltene Arten verloren gehen.

Im Nationalpark Donau-Auen wurden in seinem 20-jährigen Bestehen bereits mehrere Beweidungs-Projekte umgesetzt. So gab es an einigen Standorten Versuche mit Rindern, gemischten Herden und einem wandernden Schafbestand. Zu den profitierenden Arten zählen unter anderem seltene Gräser und Orchideen sowie verschiedene Vögel, Käfer und die eleganten Gottesanbeterinnen. Aktuell grasen auf einer Koppel in Nachbarschaft des Schloss Eckartsau in Niederösterreich in Kooperation mit den Österreichischen Bundesforsten die genügsamen, robusten Schottischen Hochlandrinder und Ziegen eines Landwirtschaftsbetriebs aus Obersiebenbrunn.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 08:39 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/bewirtschaftung-von-schutzgebiete-mit-herdentieren-1172089

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