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Bohnen und Erbsen haben einen neuen Feind

Gestauchte Pflanzen, chlorotische und eingerollte Blätter, vergilbte Triebspitzen, leere Hülsen: Im heurigen Jahr findet man in Österreich kaum einen Erbsen- oder Ackerbohnenbestand, in dem diese Symptome nicht beobachtet werden können. Der Grund sind winzig kleine Viren.

Bohnen und Erbsen haben einen neuen Feind SN/ages
Symptome sind gestauchte Pflanzen, eingerollte Blätter, vergilbte Triebspitzen, leere Hülsen.

Mit viel Mühe und Liebe hat man sie vor einigen Monaten gesetzt, an Stangen hochgezogen und brav bewässert und jetzt das: Kaum beginnen Bohnen oder Erbsen im eigenen Garten - oder auf dem Feld - ihre ersten Früchte zu tragen, ist es meist schon passiert. Die Pflanzen bekommen eingerollte , fleckige Blätter, die Früchte vertrocknen, die neuen Triebe verkümmern.

Verursacht wird diese Katastrophe im Pflanzenreich durch Nanoviren. Nanoviren sind, im Verhältnis zu normalen Viren, die ohnehin nur unter dem Mikroskop zu erkennen sind, noch viel kleiner. Sie bestehen eigentlich nur noch aus DNA, also dem Erbgut selbst. Bisher waren sie in wärmeren Gebieten wie Nord- und Ostafrika, dem Nahen Osten, Asien und Australien ein Problem in verschiedenen Leguminosen wie Linsen oder Kichererbsen. 2009 wurden Nanoviren erstmals in Erbsenbeständen in Deutschland nachgewiesen, und 2013 erstmals auch in Österreich.

Blattläuse sind Überträger

2016 wurden sie in allen symptomatischen Proben, die an der AGES, der heimischen Agentur für Lebensmittelsicherheit, untersucht wurden, molekularbiologisch bestätigt.

Der fast flächendeckende Befall mit Nanoviren bei Erbsen und Ackerbohnen 2016 lässt befürchten, dass die Verbreitung dieser Viren größer ist als bisher angenommen. Da ein Befall zu Ertragseinbußen, aber auch zu Totalausfällen führen kann, muss die Situation ernst genommen werden. Die Anbaufläche für Ackerbohnen ist in den vergangenen Jahren gestiegen; für viele, besonders biologisch wirtschaftende Betriebe, bildet sie eine wertvolle Alternative.

Die Übertragung von Nanoviren erfolgt durch Blattläuse. Zurzeit geht man davon aus, dass Nanoviren weder mechanisch noch über Saatgut übertragen werden können.

Das Virus selbst kann nicht bekämpft werden; die Blattlausbekämpfung ist daher die einzige Möglichkeit, um Nanoviren einzudämmen. Auch scheint ein Anbau von möglichst frühen Sorten sinnvoll, um die Symptomausprägung zu verringern und so zu einer Ernte zu kommen. Wirklich effizient kann man die Viren aber noch nicht. Dafür sind sie noch zu wenig erforscht.

Quelle: SN

Aufgerufen am 14.11.2018 um 01:17 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/bohnen-und-erbsen-haben-einen-neuen-feind-1194130

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