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Brandenberg in Tirol als Schmetterlingsparadies

Augsburger Bär, Spanische Fahne, Ulmen-Zipfelfalter oder Gelber Hermelin - trotz ihrer auffällig klingenden Namen sind viele der heimischen Schmetterlingsarten selten geworden.

Brandenberg in Tirol als Schmetterlingsparadies SN/APA (Symbolbild/dpa)/Christoph S
Schmetterlinge sind selten geworden.

Doch laut einer aktuellen Forschungsstudie, welche die Österreichischen Bundesforste (ÖBf) für ihre Wälder im Tiroler Brandenbergtal in Auftrag gegeben hatten, gibt es dort einen Hotspot mit 824 Schmetterlingsarten.

Etwa ein Viertel davon ist auf den Roten Listen als "gefährdet" eingestuft. Die Insektenarten konnten in aufwendiger, dreijähriger Forschungsarbeit nachgewiesen werden. "Unsere Wälder im Brandenbergtal sind wahrlich ein Hotspot der Artenvielfalt", teilte Rudolf Freidhager, Vorstand der Bundesforste, die rund 15 Prozent der heimischen Wälder und auch die Waldgebiete rund um Brandenberg im Sinne der Nachhaltigkeit bewirtschaften, mit. "Die Studie belegt somit, dass naturnah bewirtschaftete Wälder höchst wertvolle Lebensräume zur Förderung der heimischen Artenvielfalt bilden", sagte Freidhager. Durchgeführt wurde die Studie von den Schmetterlingsforschern Kurt Lechner und Alois Ortner, ergänzt durch Daten mit Neufunden von Peter Huemer vom Tiroler Landesmuseum. Weitere Unterstützung erfolgte von EU, Land Tirol und dem Naturschutzbund Österreich.

Zahlreiche sensationelle Schmetterlingsfunde brachten die intensiven Forschungsarbeiten im Tal der Schmetterlinge zutage: So wurde der bisher nur aus Finnland bekannte Grasminierfalter (Elachista deriventa) zum ersten Mal in Mitteleuropa nachgewiesen. Ebenso erstmals in Westösterreich konnten die Forscher sechs Schmetterlingsarten beobachten. Weitere zwölf Arten waren vorher noch gar nicht aus Tirol bzw. Nordtirol bekannt. Jede vierte aller im Brandenbergtal gezählten Arten gilt bereits als äußerst selten und findet sich auf den Roten Listen. Umso erfreulicher sei es, dass der seit langem verschollene Trauerspanner (Baptria tibiale) - eine Nachtfalterart, die in feuchtwarmen, lichten Laubwäldern lebt - wiederentdeckt werden konnte. Dass auch europaweit geschützte Arten im Tiroler Brandenbergtal einen idealen Lebensraum finden, zeigten Nachweise des Gelbringfalters (Lopinga achine), des Quendel-Ameisenbläulings (Maculinea arion) oder der Spanischen Fahne (Euplagia quadripunctaria).

Die Laub- und Nadelwälder des Brandenbergtals gelten botanisch als besonders vielfältig an unterschiedlichen Baumarten, Kräutern und Gräsern. Neben Waldrändern und Lichtungen haben sich der natürliche Schluchtwald entlang der Tiefenbachklamm, Unterer und Oberer Kaiserboden sowie der lichte Kiefernwald an der Weißachmündung als ideale Lebensräume erwiesen. Die in mehreren Arten und teils großer Anzahl nachgewiesenen Flechtenbärchen belegen die hohe Qualität der Luftgüte im Brandenbergtal. Wie kaum eine andere Organismengruppe gelten Schmetterlinge als geeignet, um Vielfalt und Gesundheit eines Waldökosystems zu bestimmen. Sie ernähren sich in ihren Wachstumsstadien nicht nur von Gehölzen, Kräutern und Gräsern, sondern auch von Farnen, Moosen, Flechten, Pilzen, Algen, lebendem oder totem Holz und abgestorbenen Pflanzen auf dem Waldboden.

Über einen Zeitraum von drei Jahren konnten die Forscher viele Tausend Schmetterlinge akribisch dokumentieren. Tagaktive Arten wurden visuell bzw. durch Fang mit dem Schmetterlingsnetz bestimmt. Nachtaktive Arten lockten die Forscher mit unterschiedlichen Lichtquellen und Ködermischungen aus Rotwein und Zucker zur Identifizierung an. Der Lockstoff, der besonders anziehend auf Nachtfalter wirkt, wurde in der blütenarmen Zeit im Herbst auf Baumstämme aufgetragen. Raupen wurden tagsüber oder nachts mit Taschenlampen gesucht. Bei schwer oder gar nicht zu bestimmenden Arten führten die Forscher zusätzliche mikroskopische Untersuchungen durch.

Die Waldgebiete des Brandenbergtals stehen voll in Bewirtschaftung. Vor allem Rotbuchen und Fichten, aber auch Weiß-Tannen, Berg-Ahorne, Eschen, Berg-Ulmen und Weiden unterschiedlicher Altersklassen prägen die Waldlandschaften. Besondere Bedeutung kommt den gepflegten Waldrändern mit ihrer Vielfalt an Gräsern, Kräutern und Sträuchern als Lebensraum für Schmetterlinge und Insekten zu. Sie bilden die wichtige Brücke zu Wildwiesen im Lebensraumverbund.

Quelle: APA

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