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Brustschmerz - Bis zu mittlerem Infarktrisiko eher Computertomografie

Abseits von akuten Erkrankungen der Koronararterien des Herzens bestätigen nur 38 bis 50 Prozent aller Herzkatheter-Untersuchungen einen Verdacht auf eine Verengung der Herzkranzgefäße. Eine nichtinvasive Computertomografie (CT) ist genauso gut zur Abklärung und verursacht weniger Komplikationen, hat jetzt ein internationales Wissenschafterteam mit Tiroler Beteiligung festgestellt und die Ergebnisse einer Studie im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Im Akutfall ist die Sache klar: Bei instabiler Angina pectoris bzw. Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt gehören Betroffene möglichst sofort in ein Herzkatheter-Labor. Dort wird der Zustand der Herzkranzgefäße unter per Röntgen-Kontrastmittelgabe und Katheter untersucht. Sofort kann in einem positiven Befund auch die Aufdehnung der betroffenen Arterie per Ballondilatation und Stent-Implantation erfolgen.

Anders aber sieht das bei Patienten aus, die unter "Brustschmerzen" klagen und bei denen kein akuter Handlungsbedarf besteht. Hier konkurrieren mittlerweile die invasive Katheteruntersuchung und die nichtinvasive Computertomografie. Liegt nämlich keine Verengung der Herzkranzgefäße vor, kann man auf eine solche Intervention verzichten.

Um die bessere Vorgangsweise herauszufinden, wurde bereits vor einigen Jahren von Abteilungen in 26 europäischen Krankenanstalten bzw. Universitätskliniken die "DISCHARGE"-Studie geplant. 3.561 Patienten mit Symptomen einer möglichen Verengung von Koronararterien wurden aufgenommen. Bei 1.808 erfolgte die Abklärung per Computertromografie (CT), bei 1.753 geschah das mit dem Herzkatheter. Beteiligt an der Studie war auch die Innsbrucker Universitätsklinik. Die Publikation ist vergangene Woche im New England Journal of Medicine erschienen (DOI: 10.1056/NEJMoa2200963).

Die Beobachtungszeit betrug 3,5 Jahre. Die Auswertung erfolgte nach der Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Todesfällen, nicht-tödlichen Schlaganfällen und bezüglich der Komplikationen durch die Diagnoseverfahren. Bei den Hauptcharakteristika gab es kaum Unterschiede: In der CT-Gruppe kam es in der Beobachtungszeit mit einer Häufigkeit von 2,1 Prozent zu schweren akuten Herz-Kreislauf-Zwischenfällen, in der Kathetergruppe war das bei 3,1 Prozent der Probanden der Fall. Der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Das bedeutet, dass beide Verfahren ähnlich bezüglich ihrer Aussagekraft sind.

Mit neun Patienten mit schweren Zwischenfällen durch das Diagnoseverfahren per CT (0,5 Prozent) und bei 33 der Patienten nach Katheterintervention (1,9 Prozent) war Unterschied zwischen den beiden Gruppen schon größer. In etwa gleich war der Anteil der Teilnehmer mit Angina pectoris-Beschwerden innerhalb von vier Wochen vor Ende der Beobachtungszeit, was ein Marker für die prognostische Aussagekraft der beiden Methoden sein sollte: 8,8 Prozent in der CT-Gruppe mit Untersuchung dreieinhalb Jahre vorher und 7,5 Prozent in der Katheter-Gruppe.

Laut den Autoren ist damit die Aussagekraft der beiden Verfahren für diese Patienten vergleichbar genau. Es kommt aber bei Computertomografie-Untersuchung zu weniger Komplikationen. Die Studie wurde auch von der EU unterstützt.

Aufgerufen am 26.05.2022 um 11:16 auf https://www.sn.at/panorama/wissen/brustschmerz-bis-zu-mittlerem-infarktrisiko-eher-computertomografie-118469323

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